Das iPhone ist viel mehr als nur ein Telefon

In den Kommentaren zu meinem Netzlogbuch-Beitrag iPhone, iPhone, iPhone hat Zuckerbäckerin den aktuellen Hype um das iPhone 3G ein wenig mit den Worten relativieren wollen:
Herrgott, es ist ein Telephon!
Ist es wirklich nur ein Telefon? Ich würde es eher als Mobile Internet Device (MID) sehen. Und dass das iPhone gerade für das mobile Web einiges verändert, ist zu sehen, wenn man sich mal die Nutzungsdaten ansieht:
- mobil Nachrichten lesen: iPhone-Nutzer 80%, andere 32%
- mobile E-Mail: iPhone 70%, andere 26%
- mobile TV/Video: iPhone 32%, andere 15%
- Social Networking/Bloggen: iPhone 42%, andere 10%
Das iPhone ist also ein mächtiger Antreiber des mobilen Webs. Und wenn man mal bedenkt, dass es weltweit fast dreimal mehr Handys gibt als Computer, dann wird die Tragweite dessen, was das iPhone da einläutet schon viel klarer …
15. Juli 2008
von Matthias Zellmer
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Kommentare
Zuckerbäckerin schrieb am 15.07.2008 um 13:57 Uhr
Na ja, da war wohlweislich etwas Polemik im Spiel. Natürlich ist das iPhone mehr als ein Telephon.
Matthias Zellmer schrieb am 15.07.2008 um 14:08 Uhr
Klaro … aber die Steilvorlage war einfach zu gut, da musste ich einfach noch mal meinen Senf zu geben … ;-)
Markus Sowada schrieb am 15.07.2008 um 14:10 Uhr
Also eigentlich wollte ich mich in Bezug auf das Thema iPhone 3G ja zurückhalten. Das Thema ist komplex und ich bin der Meinung, dass man eine angemessene Analyse des Themas an sich kaum »in Kürze« schaffen kann. Die obigen Zahlen muss ich (als alter Streiter der Mobilfunkbranche) aber nun kommentieren, denn:
Die genannten Zahlen sprechen aus meiner Sicht keinesfalls dafür, dass das iPhone etwas vollkommen Neues ist (und ich ich will dies weder bestreiten noch stimme ich dem zu!). Würdest Du nicht den gesamten Handymarkt (inklusive vieler alter Endgeräte, die die von Dir aufgeführten Dienste gar nicht beherrschen bzw. sinnvoll nutzbar machen) mit dem Verhalten einer beinahe verschwindend geringen Minderheit der iPhones (und deren Nutzer) vergleichen, sondern beispielsweise das Nutzungsverhalten entsprechender Entgeräte (setze den Communicator dagegen oder beliebige andere Smartphones mit gleicher Funktionalität!), dann würden die grossen Unterschiede im Nutzungsverhalten ziemlich deutlich dahin schmelzen. Mein kurzes und zugegeben sehr flapsiges Fazit: Niemals Äpfel mit Birnen vergleichen ;) ..
Zum iPhone: Ich bin relativ sicher, dass Apples Einstieg in den Mobilfunkmarkt neue Standards setzen wird. Allerdings, und dies mögen die Fanboys nicht gerne hören, denke ich, dass der Erfolg des iPhones den klassischen Stärken von Apple zu verdanken ist und nicht enormen technischen oder inhaltlichen Innovationen. Einfache und Bedien- und Nutzbarkeit sind hier die ersten und wichtigsten Stichworte. Ähnlich wie bei anderer Hardware aus Cupertino verbaut man Technik auf durchaus hohem Niveau. Aus technischer Sicht gibt es aber deutlich Luft nach oben. Weil es aus meiner Sicht grosse Ähnlichkeiten gibt, vergleiche ich ein Apple Notebook mit anderen Notebooks: Auf dem Markt befinden sich Notebooks mit besseren Grafikchips, es werden bessere Chipsätze verbaut, schnellere und leisere Festplatten eingesetzt und und und. Dennoch spielt beispielsweise das MBP in der “Champions League der Notebooks”. Dieser Erfolg rührt (aus meiner Sicht) daher, dass Apple mit dem eigenen OS den entscheidenden Vorteil gegenüber der Windowskonkurrenz erlangt hat. Beim iPhone ist es ähnlich. Wenn ich die Funktionen eines MID nehme, dann gibt es derzeit einige Handies, von denen ich sagen würde, dass sie weiter sind als das iPhone 3G. Der Verbund aus Hardware und einem guten Bedienkonzept ist es aber zu verdanken, dass Apples iPhone ebenfalls in der mobilen Champions League mitwirken darf.
Übrigens: Wenn man etwas von Apple lernen kann dann ist es dies, dass es gar nicht unbedingt darauf ankommt, immer den allerneusten Hype, die allershnellste Grafikkarte und das tollste Motherboard zu verbauen. Vielmehr sollte man stattdessen darauf achten, dass Produkte gut bedienbar sind, vielleicht sogar intuitiv bedienbar sind (oooooh, böses Wort ;) ) und man sollte dann sinnvolle Pakete schnüren. Da könnten sich andere Hersteller durchaus was abgucken. In Sachen Kundenservice dürfte sich dann allerdings die Jungs aus Cupertino mal was bei ihrer Konurrenz abgucken. Vielleicht kann man auch gleich die Damen und Herrn von Adobe einladen. Die haben da auch noch starke Defizite ;) ..
Matthias Zellmer schrieb am 15.07.2008 um 14:29 Uhr
@Markus Wow! Vielen Dank für diesen umfangreichen
KommentarBeitrag zum Thema.Ich hab’ das Gefühl, dass du dich in der Materie besser auskennst als ich, aber trotzdem bin ich weiterhin der Meinung, dass das iPhone ein mächtiger Antreiber für das mobilen Web ist. Da spielen für mich weniger solche Faktoren, wie Hard- & Software oder Bedienkonzepte eine Rolle, sondern eher die Selbstverständlichkeit in der Nutzung des Webs auch unterwegs, die damit Einzug hält.
Aber auch darüber lies sich sicher heftig diskutieren, da bin ich mir sicher … ;-)
Markus Sowada schrieb am 15.07.2008 um 15:42 Uhr
@Matthias Auf den Begriff “Antreiber” können wir uns schnell einigen, denn der trifft sicher zu auf Apples iPhone und auch auf die Neuauflage iPhone 3G :)).
Ich wollte mich ja eigentlich auch raushalten aus all den Beiträgen dieser Tage. Im Zusammenhang mit Apple begegnet man allzu häufig unsachlichen Haltungen. Sich als Fan eines Produktes zu bezeichnen ist an sich ja eher positiv ..
.. andererseits ist es ebenfalls eine Wahrheit, dass man (technische) Produkte nur dann gut weiterentwickeln kann, wenn man eine Klientel hat, die zwar positiv aufgeschlossen ist, dabei aber niemals die “freie Sicht auf die Fakten” aus den Augen verliert. Und genau dieser Punkt scheint mir der neuralgische Punkt zu sein, wenn ich an die Apple-Fangemeinde denke. Man ist (oft zurecht) begeistert, verliert aber aus den Augen, dass aus einseitiger Zustimmung keine Top-Produkte entstehen können. Dafür braucht es den permanenten inneren Antrieb, auch die letzten (möglicherweise kleinen) Fehler eines Systems beseitigen zu wollen. Ein Sympathisant, ein wohlwollender Begleiter oder ein Freund hilft am besten, wenn er (mir gegenüber u.a.) seine Kritikfähigkeit behält.
Natürlich ist dies nur meine persönliche Meinung. Allerdings habe ich (beruflich wie privat) teilweise aus grosser Nähe beobachten dürfen, wie auf diese Art und Weise “tolle Dinge” entstehen. Es zeigt sich, dass man nur nach oben kommt und oben bleibt, wenn man permanent an sich arbeitet. Wer sich heute ausruht, kann schon morgen von gestern sein ;) ..
Jetzt aber Schluss! Ich bewege mich ja schon deutlich jenseits des angesprochenen Themas ;).
Claus schrieb am 16.07.2008 um 22:03 Uhr
Super Diskussion das. Gerade dadurch, dass Apple nicht immer im Hype vorneweg schwimmt und das Rad neu erfindet, sondern für eine einfache Bedienung bekannt ist, wird glaube ich das iPhone zum “Antreiber”. Denn es lässt wirklich durch einfach(st)e Bedienung die Nutzung der mobilen Anwendungen zu. Denn was einfach bedient werden kann, wird auch öfter und vor allem gerne benutzt…
Basic Thinking Blog | Vermischtes schrieb am 17.07.2008 um 12:06 Uhr
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