Dr. Web: Zukunft der Printmedien

Ich habe mir den Artikel Zukunft der Printmedien im Magazin von drweb.de durchgelesen und wollte eigentlich nur einen Kommentar dazu verfassen, bin dann aber ziemlich ins Schreiben gekommen.

Dieter Petereit macht sich in seinem Artikel Gedanken darüber, warum die Printmedien allem Anschein nach auf dem absteigende Ast sind und welche Ansätze es gibt, wieder … um bei der Metapher zu bleiben … auf einen grünen Ast zu kommen. Besagten grünen Ast sehen viele wohl im Web.

Als Informationsarchitekt in einer Web-Agentur, zu deren Kunden viele Unternehmen aus den so genannten klassischen Medien Print, TV und Radio gehören, habe ich viel und oft direkten Kontakt zu Vertretern dieser Medien. Und ich denke, eines der grundlegenden Probleme, welches die in diesen Branchen arbeitenden Menschen haben, ist dass sie das Web nicht als eigenes Medium ansehen.

Es gibt aber auch einfach zu vieles, was im Web an das jeweils eigene (klassische) Medium erinnert. Und sooft man es auch wiederholt: Web ist nicht gleich Print, Web ist nicht gleich TV und Web ist auch nicht gleich Radio … aber der analytische “Schritt zurück” bei der Betrachtung des Mediums Web gelingt den wenigsten. Und solange dies nicht der Fall ist, gelingt es auch nicht, zu erkennen, dass es einen weiteren grundlegenden Unterschied gibt: Web ist kein Broadcasting-Medium (mehr). Hier können Alle senden und empfangen. Doch die einen sind scheinbar nur das Senden gewohnt und müssen sich mühsam auch auf das Empfangen einlassen.

Doch was tun? Ich denke, dass Experten auch im Web Geld verdienen können. Wer gute Inhalte produziert und sich von seinem angestammten Medium und den dort gelernten medienspezifischen Zwängen Mechanismen löst, kann seine Premium-Inhalte auch im Web zu Geld machen. Doch hier gilt es jeweils zu Analysieren, welche Inhalte sind Premium-Inhalte im Websinne. Und wann und wie lange und in welcher Darbietungsform sind sie dies.

Vielleicht fehlt es im Web auch noch einem geeigneten und allgemein akzeptierten Bezahlsystem. Im eCommerce kennt man das Micropayment. Das meiner Meinung nach einzige etablierte und einigermaßen funktionierende Micropayment-System ist Werbung. Ein System, dass seinen Weg sehr schnell aus den klassischen Medien ins Web gefunden hat. Aber da im Web auch immer ein direkter Rückkanal möglich ist, wäre es doch sinnvoll … und sicher auch möglich, ein System zu etablieren, mit dem der Inhaltskonsument Kleinstbeträge komfortabel bezahlen könnte, auch solche unter 1 Cent. Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist. Vielleicht brauchen die klassischen Medien generell einfach mehr eCommerce-Beratung …

Kommentare

Bernhard Jodeleit schrieb am 26.11.2008 um 12:30 Uhr

Gravatar of Bernhard Jodeleit

Google könnte Print retten – und hat daher ein Verfahren patentiert, das es erlaubt, Content und passende Anzeigen aufgrund der Interessen eines individuellen Nutzers automatisch zusammenzustellen. Habe darüber Ende 2007 mal gebloggt: http://blog.jodeleit.de/?p=206

Matthias Zellmer schrieb am 26.11.2008 um 12:45 Uhr

Gravatar of Matthias Zellmer

@Bernhard Was du da beschriebst ist für viel Verlage doch der Worst Case: Google will mitspielen. Google, die die alles kostenlos anbieten und dennoch super reich sind.

Aber warum sind sie das? Sie haben ein funktionierendes Micropayment-System, die GoogleAds …

Bernhard Jodeleit schrieb am 26.11.2008 um 20:17 Uhr

Gravatar of Bernhard Jodeleit

Matthias, das meinte ich ja: Google rettet Print, indem es die Verlage ersetzt!

Matthias Zellmer schrieb am 26.11.2008 um 20:51 Uhr

Gravatar of Matthias Zellmer

@Bernhard Verlage ersetzen. Hmm, warum eigentlich nicht? Verlage sind doch … mal fast schon ketzerisch ausgedrückt … auch nur anachronistische, an ein unflexibles Medium gebundene Organisationsform von Inhaltsproduzenten.

Bernhard Jodeleit schrieb am 26.11.2008 um 22:39 Uhr

Gravatar of Bernhard Jodeleit

Matthias: Genau. Verlage sind genauso anachronistisch wie Webagenturen, Werbeagenturen, PR-Agenturen, Journalisten. Das kann doch alles das große “G” übernehmen.

Matthias Zellmer schrieb am 27.11.2008 um 00:19 Uhr

Gravatar of Matthias Zellmer

@Bernhard Vielleicht sollten wir dann auch gleich die Schlüssel zu den Regierungssitzen dieser Welt an The Big G übergeben …

Zukunft der Printmedien | super influencer schrieb am 27.11.2008 um 19:26 Uhr

Gravatar of Zukunft der Printmedien | super influencer

[...] den Redakteur. Er steht an zweiter Stelle der Nahrungskette. Es können im Internet auch alle Alle senden und empfangen wie von Matthias Zellmer im Netzlogbuch festgestellt wird. Wer aber schafft dabei wirklich neue [...]

Gernot schrieb am 02.12.2008 um 09:59 Uhr

Gravatar of Gernot

Hallo, ich schreibe zufällig grad eine Bachelorarbeit zum Thema Micropayment bzw. Paid Content im Verlagswesen.
Der Artikel gefällt mir sehr gut, zeigt er doch auf, dass ein Umdenken bei den Verlagshäusern erforderlich ist. Aber Werbung ist in meinen Augen kein Micropayment-System, sondern eine alternative Einnahmequelle zur Vermarktung von digitalem Content. Micropayment ist nur der Bezahlprozess bzw. das Bezahlsystem mit welchem man Kleinstbeträge kostengünstig transferieren kann.

Im vorletzten Absatz schreibst Du folgendes:

…bezahlen könnte, auch solche unter 1 Cent.

Ich gehe mal davon aus, Du meintest “unter 1 Euro” ;-)

Im Übrigen denke ich, dass der Internetnutzer für exklusive Inhalte, d.h. nicht substituierbare Inhalte, schon bereit ist zu zahlen, wenn der Transaktionsaufwand gering ist und der Content vorher auch entsprechend evaluiert werden kann.

Meine These leite ich von den Erfahrungen der Firma Noxum GmbH ab, welche federführend an der Erstellung der (funktionierenden) Webseite von http://www.test.de beteiligt war und bei der ich momentan meine BA erstelle.

Dem Statement von Dir, dass die klassischen Verlage etwas “mehr” an eCommerce Erfahrung benötigen, kann ich nur zustimmen.

Weiterhin wollte ich noch erwähnen, dass mir der Blog hier sehr gut gefällt. Mach weiter so!

Matthias Zellmer schrieb am 02.12.2008 um 10:25 Uhr

Gravatar of Matthias Zellmer

@Gernod: Oh! Danke für die lobenden Worte.

Legt man strenge Richtlinien an, so ist Werbung sicher kein Micropayment-System, aber eine Art Payment ist es ja doch. Dadurch, dass auf Websites Werbung platziert wird, können sehr viele Inhalte überhaupt erst erzeugt werden. Es handelt sich also um ein “TransferPayment”. Die Werbenden zahlen an die Plattformbetreiber dafür, dass sie meine (scheinbare) Aufmerksamkeit auf ihr Produkt lenken helfen. Mag die Klassifizierung auch nicht stimmen, eine Art Bezahlung ist Werbung dann doch.

Und ich meinte schon auch “unter 1 Cent”. Warum sollte ich z.B. auf einer im Bezug auf die wirkliche Nutzung geschossenen Plattform wie Xing nicht 0,5 Cent für den Aufruf einer Stellenanzeige zahlen? Tut mir nicht weh und wie schon gesagt, Kleinvieh macht auch Mist ;-)

schließen