Metaphern-Design
Gerne wird das Web als ein Spiegel der Realität bezeichnet. Wenn man dieser Metapher folgen will, dann haben wir es aber mit einem ganz fiesen Spiegel zu tun. Da wo sich eine echter Spiegel darauf beschränkt, die Realität einfach nur spiegelverkehrt darzustellen, da reflektiert das Web wohl eher ihre Quintessenz. Um da etwas Halt und Orientierung zu liefern, setzen viel Website-Designer gerne Metaphern ein.
Ein Beispiel
Gerade im frühen Web gab es viele Versuche einen Web-Shop als ein Ladengeschäft in einer 3D-Welt darzustellen. Gerne wurde das als toll empfunden. Aber leider scheiterten diese 3D-Shops in aller Regel an Problemen mit der Bedienung. Somit wurden diese Metaphern zwar gut verstanden, durch sie ist jedoch meist auch ein massives Usability-Problem entstanden.
Ähnliche Probleme haben viele Metaphern im Web. Andere haben sich wiederum etabliert. Aber eher in den Details. So ist zum Beispiel der Warenkorb in Web-Shops ja kein echter Korb, sondern nur eine Metapher für einen solchen.
Auch haben sich Karteikartenreiter zu einem gerne genutzten Navigationselement entwickelt. Oder man findet hier und da auch mal die Optik einer Haftnotiz, um zum Beispiel an einen Termin zu erinnern. Das Abspielen von Musik wird gerne mit der Optik eines CD-Spielers veranschaulicht und so weiter und so fort.
Metaphern-Typen
Im Kern unterscheidet man drei Typen von Metaphern:
- Visuelle Metaphern: Sieht aus wie …
- Funktionale Metaphern: Macht das gleiche wie …
- Strukturelle Metaphern: Ist aufgebaut wie …
Die oben beschriebene Haftnotiz ist somit in erster Linie eine visuelle Metapher. Jedoch sollte darauf geachtet werden, dass sie auch ihrer gelernte Funktion gemäß eingesetzt wird, um nicht missverstanden zu werden. Dann kann sie, wie jede andere Metapher auch, zu einem Problem werden. Denn die Nutzer einer Website handeln vorzugsweise intuitiv und folgen gelernten Mustern. So werden wohl Nutzer davon ausgehen, dass ein Dreieck bei dem eine Spitze nach rechts zeigt und das in einem Audio-Video-Kontext steht, etwas startet, das abgespielt wird. Öffnet sich nach einem Klick auf ein solches Symbol zum Beispiel das Einstellungen-Menü, so wird der Nutzer im besten Fall irritiert sein. Somit ist auch klar, dass der Kontext in dem eine Metapher eingesetzt wird, in sich stimmig sein muss.
Daraus folgt
Metaphern sind meiner Meinung nach ein mächtiges Web-Design-Instrument. Jedoch nur, wenn sie erwartungskonform im richtigen Kontext und ihrer Funktion in der realen Welt entsprechend eingesetzt werden. Darum rate ich gerade beim Einsatz von Metaphern zu besonderen Vorsicht: Eine falsch oder missverständlich eingesetzte Metapher kann schnell zu Problemen mit der Usability führen und die Nutzer abschrecken.
von Matthias Zellmer


















Kommentare
fensterplatz-online schrieb am 06.01.2009 um 20:30 Uhr
[...] Gedanken über “Design von Metaphern” hat sich Matthias Zellmer im Netzlogbuch [...]
Artur Richter schrieb am 08.01.2009 um 12:15 Uhr
Sehr schöner Artikel, den ich bis auf die Verwendung des Begriffs “Metapher” auch voll unterschreiben würde. Die Auslegung dessen in dem KommDesign-Artikel ist mir jedoch viel zu weitläufig und teilweise schlicht falsch. Was die Entwicklung vierrädriger Fortbewegungsmittel von der Kutsche zum Automobil mit Metaphern zu tun haben soll, will sich mir einfach nicht erschließen. Hier wird fröhlich in diversen Bereichen der Semiotik gewildert: Symbol, Zeichen und Analogie schwimmen undifferenziert in einer einzigen Metaphernsuppe.
Metaphern sind schlicht und ergreifend sprachliche Figuren, während die im Interfacedesign anzutreffenden Mechanismen im wesentlichen symbolischer Natur sind. Genauer gesagt handelt es sich meist um ikonische Zeichen, also dem Betrachter geläufige, stilisierte Abbilder.
Matthias Zellmer schrieb am 08.01.2009 um 12:28 Uhr
@Artur: Mag ja sein, dass in dem KommDesign-Artikel der Metaphern-Begriff zu weitläufig bzw. falsch ausgelegt wird. Doch finde ich die Unterteilung in die drei Typen doch recht gelungen. Und darum ging es mir in dem Fall nur …