Monatsarchiv für Februar 2009

Online-Interview zu Twitter

treffpunkttwitter

Vor ein paar Tagen fragte mich die Autorin und begeisterten Twittererin Petra A. Bauer, ob ich nicht Lust hätte, ihr per E-Mail ein paar Fragen zum Thema Twitter zu beantworten. Hab ich natürlich gerne gemacht! Und heute ist das Interview dann auch schon in ihrem Treffpunkt Twitter erschienen. Ein erkenntnisreiches Lesen wünsche ich …

Übrigens: Petra twittert unter @writingwoman. Ihr dort zu folgen, ist in jedem Fall auch überdurchschnittlich erkenntnisreich!

19. Februar 2009
von Matthias Zellmer
Profilbild von Matthias Zellmer

Zeitung 2015 – eine Skizze

z2015

“Auf meine Zeitung am Morgen möchte ich nicht verzichten!” oder “Alles nur am Computer zu lesen, ist nichts für mich.” In eine solche Richtung gehen die Argumente, warum es auch in Zukunft noch weiterhin Zeitungen geben wird. Aber auch das Vertrauen im Bezug auf die Berichterstattung und die Themenvorauswahl der Zeitung seiner Wahl werden gerne genannt, wenn es in einer Diskussion um eine skizzierte Welt ohne Zeitungen geht. Trotz bzw. auch auf Basis dieser Punkte, möchte ich in der Folge mal skizzieren, wie auch in ein paar Jahren das Modell “Zeitung” aussehen könnte.

Das Medium Papier

Papier eignet sich hervorragend, um darauf etwas Gedrucktes zu lesen. Aber Papier bedruckt inzwischen fast jeder von uns zuhause. Also warum sollen wir denn nicht auch in Zukunft unsere Zeitung selbst ausdrucken?!

Die Themenauswahl

Mal Hand aufs Herz: Wer liest in der Zeitung auch Dinge, die ihn oder sie nicht interessiert? Und wenn doch, wie oft? Die Antwort auf diese Frage wird in aller Regel auf irgendwas zwischen “nie” und “hin und wieder” hinauslaufen. Also warum sollte man sich nicht eine Zeitung generieren lassen, die zum Großteil die Themen bedient, die mich interessieren? Hier kann man ja auch gewisse Freiheitsgrade definieren. Zum Beispiel könnte man einen Webdienst beauftragen: “Liefer mir jeden Morgen 4 DIN-A4-Seiten News aus den Themengebieten Sport, Wirtschaft und Politik und mische 10-15% Zufallsthemen darunter.” Sowas lässt sich auch heute schon fast automatisiert bewerkstelligen.

Distribution

Der Hauptgrund warum ich die taz nicht als Zeitung abonniert habe, ist weil ich sie nicht morgens mit in die S-Bahn nehmen kann. Da sie aus Berlin kommt, wird sie, wie ich bei einem Probe-Abo festgestellt durfte, per Post geliefert. D.h. ich habe am Abend eines Tages die Nachrichten vom Abend des Vortag zu lesen bekommen. Was vor 10 Jahren vielleicht noch akzeptabel war, ist heute einfach nicht mehr zeitgemäß. Abhilfe könnte da zum Beispiel ein kleiner Kasten bringen, den man an jeden Drucker anstöpselt und der per WLAN entweder zu einem bestimmten Zeitpunkt oder aber auf Knopfdruck die aktuellsten Nachrichten von dem besagten Webdienst abruft und mir meine persönliche, in dem Augenblick denkbar aktuellste Zeitung ausdruckt. Oder wahlweise auch auf meinen elektronischen Reader funkt.

Zeitungsverlage

Wenn ich mir mal die Aufgabe der Zeitungsverlage ansehe, dann haben wir es hier mit einem Netzwerk an journalistisch wirkenden Mensch zu tun und solchen, die deren Arbeit verwalten. Wunderbar! Genau das braucht der beschriebene Webdienst auch. Nur kann das Netzwerk offener sein und die Verwaltung sich eher auf den Betrieb des Dienstes beziehen. Aber im Grunde ist dieser Dienst der Zeitungsverlag der Zukunft.

Gewinner und Verlierer

In jedem Fall gehören die an Aktualität und Relevanz interessierten Leser zu den Gewinnern und wenn sie ein geeignetes Geschäftsmodell für den geschriebenen Webdienst finden, dann gehören auch deren Betreiber dazu. Verlierer sind in jedem Fall die Druckereien und ggf. auch die Abfallwirtschaft. Denn wenn der ganze überflüssige Kram, der einen sowieso nicht interessiert nicht in der persönlichen auftauchen muss, dann braucht man das ursprünglich dazu nötige Papier nicht zu bedrucken. Was ja auch wieder die Umwelt zu einem Gewinner machen würde. Aber das heute etablierte Verlagswesen ist sicher auch gefährdet.

Geschäftsmodell

Wer seine persönliche Zeitung werbefrei haben möchte, zahlt dafür. Wer nichts zahlen möchte, muss sich mit der enthaltenen Werbung arrangieren. Wobei es für die Werbeindustrie sicher sehr interessant sein dürfte, die Interessen der Leser so genau zu kennen. Sie bekommen sie ja quasi frei Haus geliefert!

Fazit

Es kann und wird auch wahrscheinlich im Jahr 2015 noch etwas geben, dass wir dann als Zeitung bezeichnen werden. Jedoch ist diese besonders im Hinblick auf die Punkte Aktualität, Personalisierung und Distribution grundlegend neu aufzustellen. Denn das Web verändert gerade radikal das diesbezügliche Verständnis der Menschen. Aber auch die Zeitungsverlage werden sich ändern müssen und zu Online-Nachrichten-Diensten werden müssen. Hier könnte vielen eine fundamentale Konsolidierung ins Haus stehen. Aber nicht nur die Nachrichten-Zusammenstellung könnte persönlicher werden, sondern auch die Nachrichten-Quellen, sprich die Journalisten könnten mehr in den Vordergrund und die Zusammensteller eher in den Hintergrund rücken. Denn für die Zusammenstellung sorgen wir dann selbst, im Zusammenspiel mit intelligente Algorithmen. Ich denke mal, dass jeder einzelne Journalist schon mal mit dem persönlichen Reputationsmanagement beginnen sollte, denn in Zukunft vertrauen wir dann nicht mehr den Zeitungsverlagen, sondern eher den einzelnen Menschen hinter jeder einzelnen Nachricht.

Und eins noch … warum habe ich 2015 als Beispieljahr gewählt? Sicher nicht, weil ich hier für heute technisch Unmögliches beschrieben hätte, sondern weil es in unserer Medienlandschaft gewachsene Strukturen gibt …

claimID – webbasiertes persönliches Reputationsmanagement

claimid

Vor ein paar Tagen war die neue Privatheit durch die Entwicklungen im und durch das Web mein Thema hier im Netzlogbuch. Eine wichtige Methode mit der Unsicherheit im Bezug auf die privaten Daten im Web umzugehen, ist es in die Offensive zu gehen. Statt sich sehr bedeckt zu halten oder das Web ganz zu meiden und sich damit selbst der interessanten und einen persönlichen Mehrwert bietenden Möglichkeiten zu berauben, heißt es in diesem Fall, das Heft selbst in die Hand zu nehmen und ein persönliches Reputations – bzw. Identitätsmanagement zu betreiben. Hierbei hilft zum Beispiel claimID.

Zuerst einmal bietet claimID seinen Nutzern eine eigene openID, hat man schon eine, kann man sich damit registrieren. Einmal registriert, kann man dort Informationen über sich selbst veröffentlichen und vor allem die ganzen Verweise auf seine weiteren Aktivitäten dort hinterlegen. Diese Verweise können zudem gruppiert werden. Viel mehr ist es erst einmal nicht. Sowas kann man im Prinzip auch auf der eigenen Website machen. Sogar die openID-Sache, dazu benötigt man allerdings ein paar spezielle Kenntnisse.

Doch einen besonders interessanten Aspekt bietet claimID: Es ist eine der wenigen Webdienste, die eine wirklich sehr große Anzahl an typischen Web2.0-Bestandteilen scheinbar recht selbstverständlich einsetzen. Neben der schon erwähnten Unterstützung von openID, werden u.a. die eigenen Adressdaten per Microformats gespeichert, die Verweise getaggt, die Sortierung der Verweise innerhalb der Gruppen geschieht per Drag ‘n Drop und so weiter und so fort. Auch unterstützt wird MicroID und mit dem ‘Link Status Checking’ wird auch der Tatsache Rechnung getragen, dass manchmal eine verlinkte Website oder ein Dienst offline gestellt wird.

Ach ja! Meine … noch recht jungen … claimID-Seiten findet man unter http://claimid.com/zellmi. Alles in allem keine große Sache, aber das ist ja zum Beispiel Twitter auch nicht …

Wayne entdeckt das Web

Nachdem ich gestern Morgen noch lesen musste, dass es in Deutschland keine jungen Kreativen gibt, die Youtube als ihren Kanal für ihre Produktionen nutzen, bin ich doch sehr froh dort gestern Abend wenigstens dieses nette Video von karpfenschleuder.de gefunden zu haben. Es gibt Hoffnung …

Produzieren in Open Source Zeiten

korbmacher

Ich habe gerade den Blog-Beitrag No YouTube please, we’re Deutsche! angelesen … und werde ihn auch später noch zu Ende lesen. Aber in den ersten Absätzen hat mich etwas zum Nachdenken gebracht. Ich meine ein interessantes Konzept für Produkte in Zeiten von Open Source und kostenlos Content ausgemacht zu haben.

Oliver Lysiak erläutert eher zur Einleitung, dass der Protagonist seines Beitrags … M Dot Strange … gerade an dem Film “Iron Sky” arbeitet, für dessen Produktion derzeit auch im Social Web Umfeld Geld gesammelt wird und der dann schlussendlich kostenlos im Web verfügbar sein wird. Und das ist auch schon das Konzept. Beziehungsweise sein überraschendes Ende. Dass neue Produktentwicklungen in aller Regel vorfinanziert werden, ist ja üblich. Aber dass der Mehrwert für die Menschen, die in die Entwicklung eines Produkt investieren, nicht die anschließende Gewinnoptimierung durch Teilhabe an dem Vertrieb/Verkauf haben, sondern das Produkt an sich, das finde ich äußerst interessant.

Gut, im Prinzip kenne ich sowas aus dem sozialen Netzwerk “Dorf”, in dem ich aufgewachsen bin, schon ganz gut. Da wurde auch mal ein Vereinsheim vornehmlich von den Vereinsmitgliedern in Eigenleistung gebaut. Vielleicht ist die Tatsache, die mich in meiner Jugend als zu oft auch gequält hat, nun die Basis dafür, dass mir diese Analogie zum weltweiten sozialen Dorf … Social Web … überhaupt erst bewusst werden konnte.

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