Usability-Praxis: Buttons sind keine Links
Usability fällt vor allem dann auf, wenn sie fehlt
Dieser Merkspruch gehört zu meinem Standardrepertoire, wenn es in Gesprächen um das Thema Usability geht. Und bei der oben in der Grafik dargestellten Umfrage auf tagesschau.de zum Thema “Atomkraft: Sind Sie für den Ausstieg aus dem Ausstieg?” ist mir die fehlende Usability aufgefallen.
Was war passiert?
Ich wurde via Twitter auf die Umfrage aufmerksam gemacht und wollte durch meine Stimme kundtun, dass ich den Ausstieg aus dem Atomausstieg nicht gut heiße. Ich klickte also auf “Nein”. Am Rande bemerkt: Die richtige Antwortmöglichkeit zu finden, war auch nicht so leicht, da die Fragestellung etwas verklausuliert formuliert wurde. Aber das gehört eher in den Bereich Barrierefreiheit, Stichwort “Einfache Sprache“. Also, ich wählte “Nein” aus. Dann wollte ich meine Auswahl abschicken und klickte auf den nächstgelegenen Button. Wie oben in der Grafik zu sehen ist, führte mich dieser “Zur Auswertung”.
Klar kann man jetzt sagen, “hättest du mal besser aufgepasst”. Ich finde aber, dass bei der Gestaltung von solchen Interaktionen solche “vorprogrammierten” Fehlerquellen, wenn möglich, von vorne herein vermieden werden sollten. Und warum muss bei der Darstellung von Auswertungsergebnissen, die sicher in einer Datenbank gespeichert sind, das HTML-Element “Button” verwendet werden? Das ist dafür da, dass Daten mittels eines Formular entgegengenommen werden. Einfach einen Link unter die Umfrage packen und dieses Nutzungsfallstrick wäre umgangen gewesen.
Natürlich gelangte ich dann über den Zurück-Button meines Browsers zur Umfrage zurück und konnte meiner Meinung danach noch zum Ausdruck bringen, doch ist dieses kleine und überschaubare Beispiel doch vielleicht ganz lehrreich, wenn es dann man um komplexere Interaktionen geht.
von Matthias Zellmer


















Kommentare
Andreas Lange schrieb am 09.02.2009 um 12:34 Uhr
Kleine Anmerkung: Streng genommen sollte unterhalb eines Formulars (in diesem Fall also unterhalb der Radiobuttons) weder ein Link noch ein Button “zur Auswertung” stehen, da es gelerntem Verhalten wiederspricht. Unterhalb eines Formulars wird vom User in der Regel ein “submit”-Button für die darüberliegende Auswahl oder ein “abbrechen”-Button erwartet. Ein Link “Zur Auswertung” müsste räumlich klar von den Formular-Aktionsbuttons getrennt erscheinen.
Matthias Zellmer schrieb am 09.02.2009 um 13:41 Uhr
@Andreas Lange: Genau. Der Link müsste räumlich klar von der Auswertung getrennt sein.
Ob es hier einen Abbrechen-Button braucht, möchte ich aber bezweifeln. Es stehen dem Nutzer alle üblichen Navigationsmöglichkeiten zur Verfügung und Daten hat er auch keine eingegeben.
Andreas Lange schrieb am 09.02.2009 um 17:46 Uhr
@Matthias Zellmer: Ah, ok, ich dacht, es wär ein Popup. In dem Fall könnte ein Klick auf Abbrechen das Popup schließen. Nun jut. Bitte mehr Usability-Threads ;)
Matthias Zellmer schrieb am 09.02.2009 um 17:51 Uhr
@Andreas Lange: Okay … ich werde versuchen nun öfters mal was zum Thema Usability zu schreiben. :-)
Claus schrieb am 11.02.2009 um 14:54 Uhr
Super, endlich noch einer der mal das Thema aufnimmt. Das Interface hakt an mehr Stellen, nicht nur dass grafische Buttons verwendet werden, ok das ginge evlt. noch. Aber die Größe und die Reihenfolge der Funktionen spricht auch nochmals für sich… vielleicht passt es ja zum Thema:
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