Rückblick auf die re:publica 2009 in Berlin

republica09

Nun ist sie also Geschichte, die gerade in unserer Branche vielbeachtete Social-Media-Konferenz re:publica09 in Berlin. Vom 1-3. April haben sich um die 1.500 Menschen dort zusammengefunden, um Vortragen zu lauschen, an Podiums-Diskussionen teilzuhaben und nicht zuletzt ordentlich Networking zu betreiben.

Gerade der letzte Punkt wurde in Presse und Blogs gerne als “Die Web-Szene feiert sich selbst” beschrieben. Was zum einen durchaus richtig ist … welche Szene tut das nicht? … zum anderen muss man auch sehen, dass eine solche Konferenz für viel Freischaffende ein wichtiges Medium zum Generieren von Aufträgen und Finden von gemeinsamen Projekten bzw. Mitstreitern ist. Und wenn ein Business-Meeting auf der sonnenbeschienenen Treppe vor dem Friedrichstadtpalast stattfindet, dann mag das für die Menschen etwas befremdlich rüberkommen, die klassische via Terminkalender geplante Meetings in Konferenzräumen gewohnt sind. Aber das ist die Realität von vielen Social-Web-Workern.

Inzwischen habe ich auf zahlreichen Websites Beiträge zur re:publica gelesen und habe dabei festgestellt, dass viel wie ich mit einem Gefühl zurückgekehrt sind, dass es im Prinzip eine klasse Veranstaltung war, aber man gar nicht so richtig weiß warum? Es wird wohl an den Menschen gelegen haben. Vielleicht etwas weniger an den auf den Podien, sondern eher an denen, mit denen man ins Gespräch kam. So sah es übrigens auch Patrick Breitenbach, wie er in seinem sehr lesenswerten Blog-Beitrag re:publica 09: we don’t need no conferences? schreibt:

Diese Unterhaltungen stellten sich als außerordentlich erfrischend dar und man stellte sehr schnell fest, warum man eigentlich auf solche Veranstaltungen geht. Man mag sich irgendwie – klar man lästert auch über dies und das – man hat gemeinsame Themen und mitunter auch sicherlich ähnliche Interessen.

Und darin liegt sicher auch ein Grund, warum Jochen Stahnke auf faz.net schreibt:

Die Konferenz wirkt vielerorts wie ein selbstreferentielles Sich-Vergewissern der eigenen Spezies, die merkt, dass sie real existiert – oder auch nicht: Die meisten der vorwiegend männlichen Besucher Mitte dreißig haben mindestens ein Laptop, Blackberry oder iPhone auf dem Schoß und tippen beinahe sekündlich weitere Blogeinträge oder Twitter-Botschaften, im Fachjargon “Tweets” genannt, ins Internet.

Von Außen oder nur leicht tangierend, müssen diese Dauervernetzten schon etwas unwirklich aussehen. Aber so müssen die ersten Menschen, die mit Automobilen über für diese noch weitestgehend ungeeignete Wege und Straßen brausten, auch auf die am Straßenrand Stehenden gewirkt haben. Wahrscheinlich wird man in ein paar Jahren über die Ein- und Ausgabemedien von heute herzlich schmunzeln. Aber eines ist klar, die Vernetzung … und zwar die permanente Vernetzung der Menschen in dieser Gesellschaft … lässt sich kaum noch aufhalten und sie wird genauso alltäglich werden, wie Fernsehen oder Auto fahren.

Aber nicht nur die Gesellschaft ist im Wandel, sondern mit ihr auch die oben beschriebene Web-Szene. Oder gibt es da gar keinen wirklichen Unterschied, wie es Jan Tißler auf der Website des T3N-Magazins in seinem Artikel Der Umbruch im Umbruch – eine Bilanz zur Web-2.0-Konferenz re:publica angemerkt hat:

Eine Webgemeinschaft gibt es nicht mehr – oder vielleicht gab es sie sogar noch nie. Das ist auch klar, denn das Internet ist Teil der Gesellschaft und nicht die hier und da zitierte “Parallelwelt”.

Ich habe auf jeden Fall einen Unterschied zwischen einem Zusammenkommen auf der re:publica und einem in meinem normalen Alltag feststellen können: Es rollte dort niemand mit den Augen, wenn man mal sein Handy rausgeholt hat, um mal schnell was zu twittern oder ein Foto zu machen, dass man dann natürlich sofort ins Netz gestellt hat. Und da sehe ich vor allem die Grenze zu Leuten, die nicht auf eine solche Veranstaltungen gehen würden bzw. solchen, die sich dort irgendwie deplatziert fühlen. Denn wie Sebastian Matthes in seinem Artikel Die Netzkultur ist im Alltag angekommen auf wiwo.de ganz richtig schreibt:

Vor wenigen Jahren waren Veranstaltungen wie die re:publica vor allem Expertenrunden. Wer hier auftauchte, gehörte zur Internet-Elite, einer kleinen Zielgruppe, deren Unterhaltungen nur wenige folgen konnten. Diese Elite ist nicht mehr unter sich. In den vergangenen Tagen auf der re:publica waren viele Menschen, die gerade erst den Kurznachrichtendienst Twitter für sich entdeckt haben, die zwar ein Blog schreiben, aber auch erst seit einigen Monaten, Medizinstudenten, Philosophie-Doktoranden oder Startup-Gründer […]

Wie sich an diesem Rückblick sicher sehr gut feststellen lässt, wird die re:publica09 bestimmt nicht als die Konferenz in die Geschichte eingehen, die uns eine wie auch immer geartete tolle Errungenschaft aus dem Web-Umfeld gebracht hat. Viel mehr wird sie … zumindest bei mir … als eine Konferenz in Erinnerung bleiben, die ihren Besuchern einige Fragezeichen im Kopf mit nachhause gegeben hat. Vor allem solche, die sich mit der Vernetzung der Gesellschaft und den daraus ergebenden Möglichkeiten beschäftigen. Denn eine Gesellschaft auf breiter Front technologisch zu vernetzen ist eins, die sich daraus ergebenden Möglichkeiten zu erkennen und zum Wohle dieser Gesellschaft einzusetzen ist das Andere. Mal schauen, wo wir diesbezüglich in einem Jahr … bei der re:publica10 … stehen werden. Ich werde auf jeden Fall versuchen wieder dabei zu sein. Und ob es dann WLAN gibt oder nicht, wird wahrscheinlich nur noch die wenigsten tangieren, denn auch die mobile Vernetzung wird dann ein Jahr weiter sein … mal sehen, ob auch die vernetzte Gesellschaft?!

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