Von einem anderen Stern

Am Wochenende habe ich mal wieder aufgezeigt bekommen, wie speziell doch “unsere digitale” Sicht auf die Welt ist.
Zuerst war ich auf dem 80. Geburtstag meiner Oma. Hier kam es zu der Situation, dass plötzlich große Hektik aufkam, weil jemand die CD mit dem Lied “Für mich soll es rote Rose regnen” von Hildegard Knef vergessen hatte und es ein wichtiger Programmpunkt war, dass alle Anwesenden dieses Lied als Ständchen bringen sollten. Da es nur zur Untermalung gebraucht wurde, war dann mein Vorschlag, das Lied doch einfach via Youtube laufen zu lassen. Man gab mir ein Notebook und fortan hatte ich schon fast den Ruf eines Digitalen Messias.
Nachdem ich mir dann am Wochenende auf dem Kommunen-Treffen Los gehts 2009 sowieso wie einer von einem anderen Stern vorkam, wenn ich zum Beispiel über solche Online-Themen, wie etwa die Petition “Internet – Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten” und die diesbezüglichen Aktivitäten der Web-Gemeinde oder die Barcamp-Bewegung erzählt habe, hatte ich gestern gerade zum letzten Punkt eine erkenntnisreiches Gespräch.
Ich hatte mein UXcamp-T-Shirt an und wurde darauf angesprochen, was den ein UXcamp sei? Ich erklärte, dass es sich dabei um ein Barcamp handelt und das sich um einem speziellen Thema dreht, welches was mit Web zu tun hat. Dann erklärte ich, was ein Barcamp ist … Unkonfernz, Selbstorganisierend, oft am Wochenende, oft mehr als 200 Teilnehmer, viel Web-Themen, etc. Die Frau zeigte sich dann sehr verwundert, was es denn da so viel zu besprechen gäbe, es ginge dabei doch nur um E-Mails. Da stutzte ich wiederum sehr. Schlussendlich stellte sich heraus, dass die Frau ein Web.de-Mail-Adresse hat und den Begriff “Web” damit und nicht mit dem World Wide Web assozierte.
Diese, und die jetzt nicht genannten Erlebnisse, zeigten mir mal wieder, wie speziell doch mein/unser Verständnis vom (World Wide) Web ist und wie selbstverständlich ich/wir inzwischen damit umgehe/n. Bei vielen Menschen gibt es aber noch ganz viel Unkenntnis und Unsicherheiten bzgl. der Technologien und Möglichkeiten, die eine digital vernetzte Gesellschaft hat. Mich haben die Erfahrungen des Wochenendes schon sehr nachdenklich gemacht …
von Matthias Zellmer

Kommentare
Martin Gude schrieb am 02.06.2009 um 14:32 Uhr
Ich hab auch das Gefühl, dass wir doch schon in einer der Welt etwas entrückten Blase leben. Solche Erlebnisse hab ich des öfteren wenn ich mit Freunden von ausserhalb (der Blase) rede. Und gottseidank holen die mich dann wieder zur Erde zurück.
Matthias Zellmer schrieb am 02.06.2009 um 14:37 Uhr
@Martin Gude: Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass man sich einfach austauscht … und zwar mit Neugierde und Interesse und nicht mit Ablehnung und Herablassung. Dann kann man sich gegenseitig weiterbringen …
Wir sind vom selben Stern : the boy in the bubble schrieb am 02.06.2009 um 17:39 Uhr
[...] Und genau wegen solcher Erlebnisse heißt das hier immer noch “the boy in the bubble”: Von einem anderen Stern. [...]
Martin Gude schrieb am 03.06.2009 um 14:03 Uhr
@Zellmi Ich bin fast mit dir einer Meinung. Andere Meinungen darf man meines Erachtens durchaus (inhaltlich) ablehnen, man muss aber akzeptieren, dass es sie gibt. Auch wenn sie einem nicht schmecken. Aber gerade Diskussionen, in denen man weit voneinander entfernt ist finde ich besonders spannend. Vielleicht kommt dann ja am Ende was komplett neues raus. Oder hab ich dich da falsch verstanden?
Matthias Zellmer schrieb am 03.06.2009 um 14:18 Uhr
@Martin Gude: Da hast du mich nicht falsch, aber auch nicht ganz richtig verstanden. Ich meinte eher, dass man ohne Vorbehalte mit einander reden soll. Doch sicher hast du auch mit deiner Aussage recht …
Martin Gude schrieb am 03.06.2009 um 20:44 Uhr
@Zellmi: Dann freu ich mich doch mal auf’s Wochenende :o).
Mal wieder Kommunen-Luft geschnuppert » Zellmi - It's a dirty job but someone got to do it schrieb am 17.11.2009 um 19:04 Uhr
[...] davon weitergeben und diesbezüglich einige interessante Gespräche führen. Wobei ich allerdings feststellen durfte, dass ich im Vergleich mit den meisten Menschen schon noch ein ganzes Stück weit voraus/weg(?) [...]