Das Ende der Mitverdiener

achtung

Wenn ich mich recht erinnere, dann fing es mit den Reisebüros an. Sie waren die erste Branche, die ich zu den Mitverdienern rechnen würde, die durch das Internet öffentlich vernehmbar in Bedrängnis geraten sind. Später kamen die CD-Läden, die Buchhandlungen und viele weitere hinzu … allgemein: die Zwischenhändler bzw. die Verwerter oder einfach die, die an den Leistungen der anderen mitverdient haben.

Doch es bleibt nicht nur bei den Verkäufern von Waren, die andere erzeugt bzw. Dienstleistungen, die andere erbringen, auch die Verlage und Sendeanstalten sind inzwischen durch das Internet ins Schwierigkeiten gebracht worden. Zudem sind die althergebrachten Versandhäuser von den Entwicklungen überrollt worden bzw. von ihnen überfordert. Und nun gibt es auch noch mit der Piratenpartei eine Partei, die die Politik direkter machen will. Sie nennen das basisdemokratisch. Das ist sowas, wie der politische Longtail.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr Waren oder Dienstleistungen fallen mir ein, die nicht mehr so an den Mann bzw. Frau gebracht werden, wie noch vor 15 Jahren. Und doch stehen wir erst am Anfang dieser Entwicklungen. Die breite Masse der Menschen haben nämlich noch nicht mal ansatzweise verstanden, was für Möglichkeiten das Internet mit dem so genannten Longtail diesbezüglich für sie offenbaren könnte. Und wenn den “Großen” erst einmal das Geld ausgeht (siehe Quelle … trotz veraltetem Geschäftsmodell erst mal “gerettet”), dann glaube ich, dass es noch viel Ärger geben wird. Dann werden wir immer mehr Regulierungswünsche der einschlägigen Lobby-Gruppen hören. Das könnte schmutzig werden … sehr schmutzig. Und wenn sich unsere Regierenden weiterhin so inkompetent zeigen, wie bei der aktuellen Zensursula-Debatte, dann kann es durchaus an die Grundpfeiler unserer Gesellschaft gehen.

Und frei nach den Die Fantastischen Vier würde ich sagen: Es wird Ärger geben …

Kommentare

Claus schrieb am 14.07.2009 um 10:55 Uhr

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Gewagt! Ist es wirklich so? Wie wurden vor 15 Jahren Produkte an den Mann gebracht und wie werden sie heute verkauft? Auch über Vermittler, wie du es nennst… Online Shops heißen sie jetzt. Kein Katalog mehr wie früher. Bildschirmseiten, ok. Ist das die Revolution, die du beschreibst? Ist das seit Jahren propagierte Book on Demand die große Revolution? Wo hat sich der Konsum geändert? Die Grundschemata sind die gleichen. Die Medien sind anders. Moderner. Die Nieschen können eher genutzt werden weil Kosten durch das Medium Internet reduziert werden und auch Anbieter von Nieschenprodukten im Netz eine Chance haben. Longtail hat eine neue Bedeutung und neue Chancen. Ja. Aber die “Mitverdiener” wie du sie nennst, oder anders ausgedrückt, die Kaufleute, wird es immer geben und das ist perse auch nicht schlecht, oder? Also ich mag Fachpersonal in Fachgeschäften, die mir fachlich mit Rat und Tat zur Verfügung stehen ;o)

Matthias Dietrich schrieb am 14.07.2009 um 10:55 Uhr

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Die Mitverdiener werden nie zu Ende sein. Stell dir vor, es gäbe Amazon nicht mehr. Würdest du tatsächlich jedes Buch direkt beim Autor oder dem Verlag kaufen? Sicher nicht, denn du würdest das Buch nicht finden. Dasselbe gibt für CDs: du würdest nie zu jeder Band selbst hingehen und jede neue CD kaufen. Sicher ist es, vor allem je nach Häufigkeit des Einkaufens, möglich, Einzelstücke oder vielleicht auch mehrere Produkte beim Hersteller direkt zu kaufen. Aber es wird immer Shops geben, die Vergleiche zu anderen Produkten, anderen Marken etc. herstellen. Warum? Die Bevölkerung und die Faulheit will das so.

Aber: die Art des Ver-/Kaufens ändert sich weiterhin und Erzeuger sowie Hersteller können Ihre Produkte auch direkt verkaufen, was sicherlich manche nutzen werden. Aber nict ausschließlich.

baranek schrieb am 14.07.2009 um 11:07 Uhr

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Ich finde es teilweise ein bisschen, nunja, unqualifiziert. Zum Beispiel hat der stationäre Buchhandel seit Jahren steigende Umsätze. Zum anderen müssen wir uns fragen, ob wir das wirklich wollen: öde Städte ohne merkantiles Treiben. Alle sehen zu, dass sie schnell nach Hause kommen, um im Web zu ordern. Schöne neue Welt? Es gibt auch Gegenbewegungen: Buy local!
http://mainestream.posterous.com/be-loyal-buy-local

caschy schrieb am 14.07.2009 um 11:17 Uhr

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Selbst ich bin Befürworter der lokalen Dealer sofern die Preise nicht zu Mondmäßig sind. Aber ich gebe lieber n paar Ocken mehr aus und hab dafür ne tolle City mit Geschäften – keine leere Geisterstadt (hier in Bremerhaven stand Ex-Horten 5 Jahre leer – und wir haben leider immer noch viel Leerstand.

Matthias Zellmer schrieb am 14.07.2009 um 11:31 Uhr

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Leider ist mir die Diskussion ein bisschen zu sehr in Richtung “Verkaufen” abgedriftet. Wahrscheinlich bin ich da selbst dran schuld, da ich ja den Begriff “Mitverdienen” so plakativ in den Vordergrund gestellt habe.

Und natürlich können meine Aussagen als unqualifiziert bezeichnet werden. Ich bin hier erst mal nur Beobachter und habe nicht die umfangreiche Analyse durchgeführt, die sicher notwendig wäre, um meine Meinung zu verifizieren. Und doch sind die angedeuteten Phänomene deutliche wahrnehmbar. Ich halte es nicht für unwahrscheinlich, dass sich Autoren in Zukunft komplett selbst vermarkten. Das tun einige Bands ja auch schon heute. Natürlich kam mir Amazon auch schon als Gegenbeispiel in den Sinn. Und weiter?

Mir ging es eher um mein Gefühl dessen, dass im Durchschnitt durch das Internet vieles direkter von statten geht. Natürlich sind wir noch weit weg von dem, was da möglich sein könnte. Doch es gibt deutliche Anzeichen … vor allem auch des Aufbäumens der mächtigen, weil über die Jahre reich gewordenen Mitverdiener.

ring2 schrieb am 14.07.2009 um 11:32 Uhr

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“support your local dealer” ist auch imho ein feiner Zug. Das setzt natürlich eine Art “Kundenmoral” voraus, nämlich die Expertise und Auswahl des Händlers zu honorieren. Nach der “Geiz ist geil”-Generation ist das neu zu erlernen, nicht die Beratung zu schätzen und dann doch bei Amazon zu bestellen!

Matthias Zellmer schrieb am 14.07.2009 um 11:43 Uhr

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@ring2: Um es mal ganz ketzerisch auszudrücken: Warum soll ich meinen lokal Dealer supporten? Ist Amazon kein Arbeitgeber? Wenn ich ehrlich bin, kommt es in letzter Zeit häufiger vor, dass ich mich bei Amazon über die Kundenbewertungen informiere und dann im Laden um die Ecke das Produkt kaufe.

Das wollte ich jetzt aber wirklich überspitzt und kontrovers formulieren. Denn caschy hat sicher recht: Eine leere und öde Innenstadt ist sicher nicht in unser Aller Sinn. Aber müssen es wirklich Konsum-Einrichtungen sein, die eine Stadt besuchens- bzw. lebenswert machen?

Michael schrieb am 14.07.2009 um 11:44 Uhr

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Ich denke auch kaum dass Direktvermarktung langfristig gegenüber kaufleuten mit ihrer hohen reichweite erfolgreich sein kann. Doch im punkt massenfunktionalität des internets, lobby und politik gebe ich dir recht!

baranek schrieb am 14.07.2009 um 11:51 Uhr

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Ja, die Künstler. Das muss man sich auch fragen, ob die das wirklich wollen: Webshop pflegen, Rechnungen schreiben, Geld eintreiben. Kurzum: diesen ganzen Marketingkrams. Wollen die nicht einfach nur ihre Kunst machen? Und mit jemandem den Dialog pflegen, der die Märkte kennt und optimal beackert? [Disclosure: Ich war mal acht Jahre lang Comicverleger.]

Matthias Zellmer schrieb am 14.07.2009 um 12:17 Uhr

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@baranek: Witzigerweise habe ich beim Schreiben meines Textes mehrfach gedacht: “Da wird der Baranek gar nicht mit mir einer Meinung sein.”

Und ob und wie die Künstler ticken? Den bzw die Künstler gibt es da wohl nicht. Aber wenn man doch ein Produkt in seinem Shop so verkaufen kann, dass der Käufer weniger bezahlt und man doch mehr verdient, als bei dem klassischen Modell … warum nicht?

Und zum Thema Marketing. Hab ich da nicht neulich den Satz “Nach der Finanz- kommt nun die Marketing-Krise” gelesen?

Claus schrieb am 14.07.2009 um 13:07 Uhr

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Ui, noch ein Themenfeld: Marketingkrise. Es macht den Leuten Spaß Krise um Krise heraufzubeschwören. Wer definiert mir den Ausdruck Krise und Marketing? Was passiert ist eine Wandlung von Marketingregeln, -weisheiten und -ausrichtungen. Aber Krise? Vielleicht von konservativen Marketingstrategien. Aber ist der Ruf nach neuen Strategien immer gleich eine Krise? So, aber das war jetzt doch weit weg vom eigentlichen Thema…;o)

Matthias Zellmer schrieb am 14.07.2009 um 13:12 Uhr

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@Claus: Wären wir da so weit weg vom Thema “Mitverdiener”? ;-)

Claus schrieb am 14.07.2009 um 14:16 Uhr

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Ist das Marketing ein Mitverdiener und Mittel und Werkzeug, das Mitverdienen zu ermöglichen, schlicht sogar das Verdienen überhaupt zu ermöglichen. Marketing als Mittel Güter vom Hersteller an den Verbraucher zu bringen. Ohne Marketing kein Handel somit auch kein Verdienst… dann gut, ja, dann ist es nicht weit weg vom Thema. :o)

Claus schrieb am 14.07.2009 um 14:18 Uhr

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Jetzt weiß ich, was mich an “Mitverdiener” als Wort so stört. Die Ähnlichkeit zu “Mitesser” und damit das negative belegte und somit eine völlig falsche Association…

napftreter schrieb am 27.07.2009 um 10:44 Uhr

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gerade in Marktsegmenten, die eine unübersichtliche Menge an Produkten liefert, wie zb in Amazons Portfolio Musik und Bücher, kann ein kennender Berater (Fachverkäufer) eine Datenbank mit moderner Fuzzy-Logik nicht ersetzen. Wenn ich DVD oder Comics kaufen gehe, freue ich mich auf Entdeckungen meines Dealers, der sich im verlaufe der Zeit auf meinen Geschmack einschiesst. Das Selbe gilt zB auch für DJ, die den Fach-Händler als Partner-in-Crime brauchen…

grinface schrieb am 30.07.2009 um 13:11 Uhr

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Ich hätte euch alle mal gern in meiner E-Business Vorlesung. So eine angeregte Diskussion zu diesem Thema haben die Studenten dort leider nocht nicht füren wollen.
Danke an @flominator der mich auf den Artikel hingewiesen hat, evtl. komm ich bald mal noch dazu eine “qualifizierte” Aussage zu formulieren ;-)

Matthias Zellmer schrieb am 30.07.2009 um 14:21 Uhr

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@grinface: Ja, bitte. Deine qualifizierte Meinung zum Thema würde mich schon sehr interessieren …

Peter Glaser über “Kulturelle Atomkraft” - Netzlogbuch schrieb am 22.12.2009 um 18:28 Uhr

Gravatar of Peter Glaser über “Kulturelle Atomkraft” – Netzlogbuch

[...] Der Wandel vom Industriezeitalter zum Informationszeitalter beschäftigt mich als Thema derzeit ziemlich stark. In meiner täglichen Arbeit und meiner intensiven Auseinandersetzung mit dem dem (Social) Web, bekomme ich es einfach zu extrem mit, wie sich alles verändert oder zumindest zu verändern droht. Ich habe dazu auch schon hier und da meine Meinung zu geäußert, wie zum Beispiel in meinem Beitrag Das Ende der Mitverdiener. [...]

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