Das Marketing ist tot … es lebe das Marketing

Mit Werbung und Marketing kenne ich mich nicht aus. Das habe ich zumindest bisher jeder erzählt, die mich als Web-Menschen in eine solche Kategorie stecken wollte. Nachdem ich mir jedoch die Rede von Amir Kassaei (siehe das Video oben) auf dem DMMK am 9. Juni dieses Jahres in Berlin angesehen und gehört habe, muss ich diese Selbsteinschätzung vielleicht doch ein wenig revidieren. Vielleicht muss ich einer Person, die mich danach fragt, ob ich mich mit Werbung oder Marketing auskenne, von nun an antworten: Mit der Werbung bzw. dem Marketing, wie du sie bisher erleben musstest, kenne ich mich nicht aus, aber vielleicht kann ich dir was darüber erzählen, wie Werbung und Marketing im Zeitalter des vernetzten All-in-One-Mediums Internet laufen könnte.

Aber warum kenne ich mich plötzlich mit Werbung bzw. Marketing aus? Im Prinzip tue ich das nur, weil ich finde, dass Amir Kassaei recht hat, wenn er davon spricht, dass

das Internet [...] die komplette Branche auf den Kopf stellen [wird].

Kassaei spricht bei seinem sehenswerten Vortrag von einem fundamentalen Paradigmenwechsel durch das Internet. Die Werbung der Zukunft muss den Kunden Orientierung geben, statt sie wie bisher mit Informationen, Produkten, Marken und Versprechen zu überladen. Er ist der Meinung, dass die Awareness tot sei und dass die Relevanz an seine Stelle treten muss. Die Menschen würden inzwischen Werbung “riechen”. Was nichts anderes bedeutet, als dass sie gelernt haben, damit intuitiv umzugehen. Dazu gehört auch, dass sie Werbung auch schlichtweg “ausschalten” können, real via Fernbedienung, Toilettengang oder Ad-Blocker oder auch geistig, nach dem Prinzip “da rein, da wieder raus”. Aber Werbung, die den Menschen relevant vorkommt, wird wahrgenommen. Das kann eine Relevanz durch Nutzen oder Mehrwert sein. Mich erinnert das irgendwie an “unseren” Begriff der User Experience.

Das die Marketing-Blase, von der Kassaei spricht, irgendwann platzen wird, liegt seiner Meinung nach auch daran, dass durch das Internet die kompletten Mechanismen der Werbe-Branche grundlegend gefährdet sind. Sie sind nämlich all zu oft Medium-orientiert. Aber das Internet führt alle Medien nicht nur zusammen, sondern fügt diesen auch noch Rückkanäle hinzu und lässt somit nur noch Spielraum für offene und ehrliche Kommunikation … und Kommunikation findet nun mal zwischen Menschen statt. Kassaei sagt dazu:

Die Menschen sind das Trägermedium schlechthin!

Übrigens bin ich auf das Video dieser Rede via Fischmarkt aufmerksam geworden, dem Blog der Werber Interaktiven von SinnerSchrader. Die es im Kontext des Rücktritts von Kassaei vom Job des Sprechers des Art Directors Club für Deutschland e.V. (ADC) in ihren Blog-Beitrag eingebettet hatten. Scheint wohl so, dass seine Meinung vielleicht doch als zu kontrovers angesehen wird. Aber vielleicht habe ich ja doch keine Ahnung von Werbung und Marketing.

Kommentare

Thilo Specht schrieb am 13.08.2009 um 11:10 Uhr

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Zellmi, jetzt brauchst Du wohl neue Visitenkarten. ;-)

Was Kassaei da völlig zurecht auf dem DMMK angesprochen hat, ist eigentlich nichts neues. Die Entdeckung des Menschen als erfolgskritischer Faktor im Business liegt schon 10 Jahre zurück – damals ging http://cluetrain.com online.
Jetzt scheint die Nachricht auch bei klassischen Werbern angekommen zu sein, allerdings erst bei den progressiven.
Wer weiß, vielleicht sind wir in 10 Jahren alle Community-Manager im Dienste großer Unternehmen?

Matthias Zellmer schrieb am 13.08.2009 um 11:19 Uhr

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@Thilo Specht: Ich brauch wohl sowas wie Kindle als Visitenkarte ;-)

Aber danke für den Hinweis mit dem Cluetrain Manifest, den Zusammenhang hatte ich so noch gar nicht hergestellt.

Martin Recke schrieb am 13.08.2009 um 18:32 Uhr

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Wir sind ja keine Werber, sondern Interaktive. Interessant fand ich deshalb, dass mit Kassaei gerade ein Werber unser Credo predigt, vom interaktiven Konsumenten, der das Marketing revolutioniert. Und gleichzeitig als ADC-Chef scheitert.

Matthias Zellmer schrieb am 14.08.2009 um 10:11 Uhr

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@Martin Recke: Da sieht man mal, mit den richtigen Begriffen tue ich mich schon mal recht schwer. Interaktive, Werber, PRler, Marketeers, … – für mich verschwimmt das (noch?) all zu sehr.

Aber ist Kassaei nicht auch gerade deswegen gescheitert, weil der dieses Credo predigte?

Martin Recke schrieb am 14.08.2009 um 13:24 Uhr

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Schon möglich. Wie weiland Kassandra.

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