Dokumentation zu Copyright und Urheberschutz im Web-Zeitalter

Am Wochenende habe ich mir voller Interesse die ORF-Dokumentation “Was kommt nach dem Copyright” angesehen. Unaufgeregt und mit österreichischem Charme wird hier die Vergangenheit, Gegenwart und eine mögliche Zukunft des angelsächsischen Copyrights bzw. unseres Urheberrechts beleuchtet.

So wie es in dieser Doku dargestellt wird, sind sich in Einem Alle einige. Sowohl Vertreter der Rechte-Verwerter, Inhaltsproduzenten, so genannte Kreative, Politiker und Nutzer sagen, so wie es derzeit ist, kann es nicht bleiben. Aber die jeweiligen Meinungen, warum es so nicht weitergehen kann, wie auch die Ideen, wie es weitergehen könnte, sind dann aber wieder sehr unterschiedlich.

Meine Meinung ist dabei, dass die Verwerter der Kreativ-Leistungen Anderer bisher viel vom Kuchen abbekommen haben und sich das im Web-Zeitalter so nicht mehr aufrecht erhalten lässt. Dies kam durch ihre exponierte Stellung, da sie vor allem die Verteilung und Vermarktung von Informationsträgermedien wie CDs, DVDs, Zeitungen, Zeitschriften und Büchern in den Händen hatten. Diese Trägermedien sind nun nur noch bedingt notwendig, wenn es um die Verbreitung von Inhalten geht, da es ja das Internet gibt.

Die stille Hoffnung, dass sich das Rad der Zeit wieder zurückdrehen lässt, wird sich wohl (hoffentlich) nicht erfüllen, und so müssen wir nach kreativen Lösungen für die entstandenen Phänomene suchen. Mit den Creative Commons gibt ja schon ein interessantes Modell, die mit den Urheberrechten im Web-Zeitalter umgegangen werden kann. Leider findet vermutlich z.B. die Musik-Industrie dieses Creative-Commons-Modell aber nicht besonders geeignet. Aber vielleicht geht mit dem Industrie-Zeitalter auch das der Musik-Industrie zu Ende.

Wundern sollte sich diesbezüglich aber niemand. Denn wenn man Musik vom Fließband produziert, dann kann man von deren Hörern keinen Anspruch an gehobene Qualität erwarten. Ein interessante Methode wie man als Musiker seinen Lebensunterhalt mit Musik jenseits des Massenmarkts bestreiten könnte, hat uns die Band Nine Inch Nails aufgezeigt. Sie haben 2008 ihr Album “The Slip” zum kostenfreien Download unter der Creative-Commons-Lizenz bereitgestellt und dann noch eine auf 250.000 limitierten CD-Box auf den Markt gebracht. Ein durchaus interessantes Vorgehen. Den Massenmarkt scheint Nine Inch Nails nur noch als Marketing-Instrument zu sehen und verdient wird nur noch an hochpreisigen Fan-Produkten bzw. Events (z.B. Konzerte).

Im Endeffekt haben wir hier wieder mal ein Beispiel, wie das Internet den Massenmarkt weithin untergräbt. Die Geschäftsmodelle der Zukunft werden sich wohl deutlich mehr am Longtail orientieren müssen. Dazu gehört wohl auch die Kreativität wieder deutlich zu entindustrialisieren. Dabei ist es sicher nicht verkehrt, mal in die Vergangenheit zu schauen. Pferde zum Beispiel waren mal ein Massenmarkt, der komplett gewandet wurde. Heute sind die Hobby-Reiter der Markt und es gibt viele Menschen, die gut davon leben … aber eben ganz anders, als vor der Automobilisierung unserer Gesellschaft.

— Update 04.08.2009 —

Einen interessanten Artikel zum Thema habe ich heute taz.de gelesen: Zahnpasta kann nicht zurück in Tube. Darin kommt u.a. auch Till Kreutzer von iRights.info zu Wort.

Kommentare

Claus schrieb am 03.08.2009 um 12:10 Uhr

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hm… die Gesetze aus USA und Deutschland lassen sich schon alleine aus ihrer Natur nur schlecht vergleichen. Ist es in den USA mehr ein Nutzungsrecht (copyright) so ist es in der BRD eher als Persönlihckeitsrecht zu sehen und wird so auch behandelt.

Die Frage ist: Wo sind denn die Mankos des Urheberrechts? Oder sind es eher die Mankos der Nutzungsrechte…

Matthias Zellmer schrieb am 03.08.2009 um 12:14 Uhr

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@Claus: Die Mankos sind wohl eher bei den Verwertungsrechten zu sehen. Die Menschen müssen mindestens mal ihren Lebensunterhalt verdienen und gerne hängen sie auch dem Traum Reich und Berühmt zu werden nach. Die Heilsversprechen, die z.B. die Musik-Industrialisierung hier vielen (auch Nicht-Kreativen) über die Jahre geliefert haben, werden wohl so nicht mehr greifen.

Claus schrieb am 03.08.2009 um 13:26 Uhr

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… die Verwerungsrechte sind doch eindeutig bei dem, der das Urheberrecht hält. Ist doch so geregelt…. und das ist eben das Persönlichkeitsrecht, darüber zu bestimmen, wer mein Eigentum wann und wie benutzen darf… was soll daran geändert werden?

Matthias Zellmer schrieb am 03.08.2009 um 13:33 Uhr

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@Claus: Es geht weniger um eine zeitgemäße Reglung, die gibt es ja mit den Creatve Commons schon (und sie dürfte auch mit nationalem Recht konform sein). Es geht eher um die Anwendung der Rechte und einen Paradigmenwechsel bzgl. der üblichen Ausübung der Verwertungsrechte.

Claus schrieb am 03.08.2009 um 14:21 Uhr

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Ok. Das klingt gut… dazu benötigt man aber keine neuen Gesetze… sondern ein Umdenken bei der Verwertung, inkl. neuer Wertschöpfungs- Marktideen. Die Frage ist, woher das Geld kommt, das jemand mit seiner kreativen Leistung erhalten will…

Matthias Zellmer schrieb am 03.08.2009 um 14:43 Uhr

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@Claus: An Gesetze hatte ich auch nicht unbedingt gedacht.

Und die Finanzierung der kreativen Leistungen ist echt ein Problem. Vor allem, wenn man versucht, sie so zu finanzieren, wie man nicht digital kopierbare Güter finanzieren kann. Hier gibt es aber auch Ideen wie die Kultur-Flatrate oder, wenn es hauptsächlich nicht um Gewinnmaximierung gehen würde, ein Grundeinkommen.

Claus schrieb am 03.08.2009 um 15:20 Uhr

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Mh… ist nicht die GEZ, gegen die sich alle wehren eine Art dieser Flatrate?

Matthias Zellmer schrieb am 03.08.2009 um 15:42 Uhr

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@Claus: Das Prinzip eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks finde ich erst einmal nicht schlecht … ich zahle z.B. die volle GEZ und habe gar kein TV-Gerät. Die letztendlich Ausgestaltung ist allerdings derzeit etwas fragwürdig (Kontrolleure, Quotenprogramm, etc.)

Text & Blog schrieb am 04.08.2009 um 01:28 Uhr

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ORF-Dokumentation «Was kommt nach dem Copyright»…

So sehr ich David Weinberger auch schätze, ich teile seine Prognose nicht, dass das gedruckte Buch über kurz oder lang verschwinden wird. Zumindest nicht zu unseren Lebzeiten. Da halte ich es doch eher mit der Standard-Chefredakteurin Alexandra Föderl-…

Matthias Zellmer schrieb am 04.08.2009 um 08:12 Uhr

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@Text & Blog: Da bin ich absolut deiner Meinung: Von David Weinberger habe ich auch eine sehr hohe Meinung, aber mit den Büchern wird es ähnlich sein, wie mit den Schallplatten. Die Buch-Nutzung im Alltag (Sachbücher, viele Romane, …) wird sich deutlich in Richtung eBooks verlagern. Aber Liebhaber-Ausgaben, auch fürs Regal, wird es weiterhin geben.

ORF-Dokumentation «Was kommt nach dem Copyright» « Kellergeschoss schrieb am 04.08.2009 um 10:13 Uhr

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[...] Kellergeschoss Ich sitze im Kellergeschoss … und was mache ich hier? « Aktuelles: Geht sterben (9) ORF-Dokumentation «Was kommt nach dem Copyright» 4. August 2009 Heute möchte ich auf den Blogbeitrag:  ORF-Dokumentation «Was kommt nach dem Copyright» hinweisen. In Text und Blog habe ich diesen Eintrag gefunden, dort kann der Beitrag vom ORF angesehen werden. Gleichzeitig wird im Beitrag auf das Netzlogbuch verwiesen. Dort findet man einen weiteren interessanten Blogeintrag zum gleichen Thema mit der Überschrift: Dokumentation zu Copyright und Urheberschutz im Web-Zeitalter. [...]

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