Große Wahlfreiheit lähmt und macht unglücklich
Die Menschen vor allem in den industrialisierten, westlichen Gesellschaften haben eine ganz besondere Freiheit: Die Freiheit zu Wählen. Und damit ist nicht nur die Stimmabgabe bei einer Parlamentswahl gemeint, sondern auch die alltäglichen Wahlmöglichkeiten zum Beispiel beim Einkaufen von Pasta im Supermarkt oder beim Kauf einer Hose. Der Psychologe Barry Schwartz ist nun der Ansicht, dass uns diese Wahlfreiheit nicht freier und glücklicher gemacht hat, sondern sie lähmt uns und macht und unzufrieden.
Dies ist eine wichtige Erkenntnis, wie ich finde. Auch bei Software-Systemen wie Textverarbeitungsprogrammen oder Websites kann es sein, dass wenn man zu viele Nutzungsmöglichkeiten hat, man sich erschlagen fühlt und statt einen Forschungsdrang zu entwickeln, verharren wir nur all zu gerne und lassen dann auch mal gerne unserem Ärger freien lauf.
So bin ich mir ziemlich sicher, dass die meisten Problem, die Menschen bei der Nutzung von Microsofts Word haben, grundsätzlich zu vermeiden wären. Aber die schiere Vielfalt der Funktionen von Word lässt uns all zu oft den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Ein Gegenbeispiel ist Googles Suchmaske. Und auch wenn die Google-Suche nach und nach mit immer mehr Funktionen ausgestattet wird, die simple Kern-Optik wird nur wenig verändert. Alles andere wäre im Sinne von Barry Schwartz’ Ausführungen zu gefährlich.
Für uns, die wir Websites gestalten, kann das nur bedeuten, dass wir unseren Nutzern immer wirklich nur die Funktionen zur Auswahl stellen sollten, die sie wirklich unbedingt brauchen. Für alles andere müssen wir unseren Nutzern die Entscheidung abnehmen oder, so wie Google, uns immer wieder was einfallen lassen, wie wir die weniger gebrauchten Funktionen gekonnt vor den nicht so versierten Nutzern verstecken.
Dies war übrigens auch ein Beitrag zum Thema User Experience. Usability-Experten sollten jetzt bitte erst mal tief durchatmen … vielleicht während sie sich den wunderbaren Vortrag von Barry Schwartz ansehen.
von Matthias Zellmer

Kommentare
Dentaku schrieb am 04.09.2009 um 14:39 Uhr
Passende Musik…
Claus schrieb am 12.09.2009 um 16:24 Uhr
Nun ja, als Usability-Experte muss man da gar nicht so lange durchatmen. Sagt er doch das, was Usability ebenfalls ausmacht. Nur ist zu unterscheiden, welches System mit Wahlfreiheiten angeboten wird. Eines, welches erlernt wird, durch tägliches Nutzen oder eines, dass kurz und schnell genutzt wird.
Gerade bei Websites ist es mit der User’s Freedom eine eigene Sache. Wenige Features (Core features) so zu präsentieren, dass es mehrere Wege gibt diese zu erfüllen. Diese Wege müssen aber schnell vom jeweiligen User erkannt und nahezu intuitiv genutzt werden können.
Das spielt zusammen mit UX und Joy of use, da beides ein eigenen Nutzen- und Nutzungsprofil beinhaltet, welches zum Erleben beiträgt.
Also ganz was Neues ist es nicht. Zu viel Wahl verwirrt, verunsichert … zumindest bei Softwareprodukten.