Monatsarchiv für Februar 2010

Ambient Communication

“Wann soll ich das denn auch noch machen? Ich muss doch schließlich auch mal was arbeiten.” oder “Arbeitest du auch mal was?”. Dies sind zwei beispielhafte Aussagen, wie ich sie immer wieder zu hören bekomme. Vor allem in Situationen, in denen ich anderen Menschen irgendwas aus dem Bereich Social Media erläutere und von der Art wie man … wie ich … social-media-basiert kommuniziert bzw. kommuniziere.

Dann fühle ich mich immer erst einmal etwas missverstanden und zum Teil auch unterschwellig als “faul” abgestempelt. Darum war ich auch etwas erleichtert, als ich gehört habe, dass es zum Beispiel Thomas Knüwer (Journalist, Blogger, Unternehmensberater) auch nicht anders ergeht. In seinem Vortrag auf der Tagung Web 2.0 in der politischen Bildung hat er für diese Art der Nebenher-Kommunikation den Begriff Ambient Communication verwendet. Mir war dieser Ausdruck bis dahin unbekannt, aber ich habe mich sofort in ihm wiedergefunden.

So ist es für mich völlig normal, dass ich “nebenbei” zum Beispiel twittere oder skype. Einen flüchtigen Gedanken mal schnell bei Twitter zu posten, ist für mich eine Unterbrechung wie beim Skizzieren eines Website-Gerüstes mal schnell den Bleistift anzuspitzen. Nachzuschauen, ob jemand bei Facebook auf eine meiner auch automatisch dorthin geposteten Tweets reagiert hat, ist für mich wie zwischendurch etwas zu trinken. Diese und andere Aktivitäten im Social Web gehören zum Ambiente meines Alltags.

Knüwer hat in seinem Vortrag die Ambient Communication mit der Musikrichtung der Ambient Musik verglichen und damit noch eine wichtige Eigenschaft angedeutet. Sie stört nicht und sie passiert eher beiläufig. Während zum Beispiel beim Formulieren einer E-Mail oder beim Telefonieren zielgerichtete Konzentration ziemlich wichtig ist, spielt diese bei der Ambient Communication eine deutlich untergeordnete Rolle.

Aber wozu ist die Ambient Communication überhaupt gut? Da gibt es sicher unzählige Gründe. Einer der wichtigsten ist, dass sie das eigene “Netzwerk” lebendig bzw. “am Köcheln” hält. Social Networking ist ein stetiges Geben und Nehmen und es ist dabei wichtig Beziehungen aufzubauen. Es müssen keine Beziehungen mit starken Bindungen sein. Da kann es schon reichen, wenn man ein Profilbild sympathisch findet oder weiß, dass jemand hin und wieder mal was Interessantes oder Lustiges twittert. Schon ist man schneller bereit, dieser Person zum Beispiel auch mal einen Tipp bei einem geäußerten Problem zu geben oder ihr eine kurze Nachricht zukommen zu lassen, wenn man merkt, dass deren Website gerade “down” ist.

Vor allem Menschen, die bei der alltäglichen Arbeit keine Bürogemeinschaft um sich haben, haben sich mir gegenüber schon mehrfach positiv darüber geäußert, dass sie auf diese Weise nicht in so sehr an ihrem Schreibtisch vereinsamen und es ihnen ein wenig den für ein soziales Wesen wie den Menschen offensichtlich wichtigen Büroklatsch ersetzt.

Zudem erlebe ich es als sehr positiv, dass ich manchmal einen Gedanken, der ansonsten länger als ihm eigentlich zusteht, in meinem Kopf querdenkt bzw. festsitzt, einfach mal auf Twitter raus lassen kann. Natürlich könnte ich ihn auch den Kollegen erzählen. Aber oftmals störe ich sie dann bei ihrer Arbeit und reiße sie im ungünstigen Fall aus ihrer Konzentration heraus. Somit fördert die Ambient Communication ein konzentrierteres Arbeitsumfeld … so blöd sich das jetzt vielleicht auch anhören mag.

Flattr – Social Micropayment

Das Social-Micropayment-Konzept von Flattr ist eine Art Spenden-Flatrate, wobei man als Spender die Empfänger jeden Monat selbst erwählt und seine Spenden somit unter Umständen stetig neu verteilt. Die, von mir einfach mal als Spenden bezeichneten Zahlungen, gehen jedoch nicht an Almosen-Empfänger, sondern an solche Menschen, die im Internet etwas veröffentlicht haben, das wir als gut und ihre Arbeit damit für unterstützenswert erachten. Noch ist Flattr in der geschlossenen Beta-Phase, aber man kann ich schon mal auf einer Interessenliste eintragen lassen.

Wie funktioniert Flattr?

Die bei Flattr als Publisher angemeldeten Menschen, können bei ihren Inhalten einen Flatter-Button positionierten. Klickt jemand mit einem Flattr-Account auf diesen Button, so spendet er dem Publisher etwas Geld. Der Spender legt vorab fest, wie viel Geld er in der Summe pro Monat spenden will. Und je nach dem, wie oft er einen Flattr-Button in einem Monat angeklickt hat, desto mehr wird der Monatsbetrag aufgeteilt.

Legt jemand zum Beispiel fest, dass er pro Monat 50 Euro via Flattr spenden will und klickt im April 10-mal einen Flattr-Button, so bekommen die Publisher jeweils 5 Euro. Klickt der Spender im Mai dann aber 100-mal einen Flattr-Button, so bekommen die Publisher jeweils nur 50 Cent.

Das Flattr-Konzept ist mir rundweg sympathisch. Es gibt mir als Web-Nutzer die Möglichkeit, Menschen die gute Inhalte veröffentlichen, ihre gute Arbeit zu honorieren. Zudem muss ich nicht die Katze im Sack kaufen, sondern kann dies genau dann tun, wenn ich weiß, dass ich es mit von mir als qualitativ hochwertig eingestuften Inhalten zu tun habe. Ich hoffe nur, dass sich Flattr keinen zu großen Teil vom Kuchen abschneiden will, und das System auch in Deutschland funktioniert.

Was gibt es hier in der Umgebung?

Google hat in seinen Google Maps Labs mal wieder ein paar Neuerungen für seine Kartenanwendung ausgebrütet. Neben der sehr sinnvollen und von mir schon sehr lange erwünschten Möglichkeit einen Kartenausschnitt wählen zu können, um in den gewählten Bereich rein zu zoomen, hat Google auch eine Funktion eingeführt, die auf Deutsch Was gibt es hier in der Umgebung? heißt.

Damit man die neuen Google-Maps-Funktionen nutzen kann, müssen sie erst einmal aktiviert werden. Dazu muss man oben rechts Neu! anklicken und dann die gewünschte Funktion aktivieren. Aktiviert man Was gibt es hier in der Umgebung?, so wird neben dem Suchbutton ein weiterer platziert, mittels dessen die Kartenansicht “die Masern bekommt”.

Hinter jedem, der kleinen Punkte findet sich mindestens eine adressbezogene Information. Wie ganz oben zu sehen, wird im Falle unserer Agentur sogar die neuste Meldung auf unserer Startseite angeteasert. D.h. Google kann einen Bezug zwischen dieser Meldung und unserer Adresse herstellen. Aber klar doch. Denn auf unserer Website steht sowohl unsere Adresse, wie auch diese Meldung.

Doch Google kann das natürlich auch mit nicht (ge)werblichen Websites. So habe ich zum Beispiel an der Wohnadresse eines Bekannten eine Info gefunden, die er auf der Website seines Sportvereins veröffentlicht hat. Die Meldung auf der Sportvereinsseite ist alt, von 2008, aber er hat dort eben auch seine Adresse hinterlassen.

Alles in allem ist das was Google dort macht, nichts als das was man sowieso schon von Google weiß. Daten sammeln und in einem anderen Kontext zu nutzen. Und es gibt auch keine Argumente gegen dieses Vorgehen, die noch nicht gebracht wären. Doch irgendwie hinterlässt das alles einen irgendwie schalen Beigeschmack. Vielleicht sollte man sich doch mal etwas genauer mit den Möglichkeiten beschäftigen, wie man die Google Bots an die kürzere Leine nehmen kann.

WE-Musik: Snap

Interpret: Snap
Stück: Rythm is a dancer
Infos: MySpace und Wikipedia

Warum nur?

oh oh – it’s a passion

12. Februar 2010
von Katrin Schneider
Profilbild von Katrin Schneider

Das Internet ist dumm … und das ist auch gut so

Der Spiegel-Online-Autor Christian Stöcker erläutert in seinem Vortrag kompetent und gelassen, warum Netzneutralität wichtig und keine Sache ist, die vielleicht ein paar Nerds angehen sollte, sondern uns alle.

Auf Carta.info haben sie die sieben Kernthesen Stöckers aufgelistet:

  1. Das Internet ist dumm und das ist auch gut so.
  2. An vielem, was das Netz gefährlich macht, sind die Nutzer selbst schuld.
  3. Die Staaten dieser Welt werden sich nicht darüber einigen, wie das Netz sein sollte. Aber ein Minimalkonsens in Sachen Verbrechensbekämpfung lässt sich herstellen.
  4. Wir sollten aufhören, vermeintlichen Exhibitionismus anzuprangern, solange wir den Menschen ins Wohnzimmer starren. Wir brauchen eine neue Definition von Öffentlichkeit.
  5. Jugendschutz ist wichtig, aber nicht wichtiger als alles andere. Mit Providern als Zensor wäre das Ende des freien Netzes gekommen.
  6. Urheberrechte sind wichtig, aber nicht wichtiger als Bürgerrechte.
  7. Die Vorteile des freien Internets überwiegen seine Nachteile. Wer das Internet für überwiegend schädlich hält, muss ein Menschenfeind sein.

Das trifft es schon ganz gut. Wer noch mehr über dieses wichtige Thema erfahren möchte, sollte mal bei netzpolitik.org oder dem zugehörigen Wikipedia-Artikel vorbei schauen. Und sogar der US-Präsident Obama kennt sich damit aus und befürwortet ein freies und neutrales Netz:

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