Archiv der Kategorie "Gesellschaft"
Not Big Brother, Little Handy is watching you
Was sich überwachungstechnisch aus den Daten machen lässt, die z.B. die Telekom zwischen Januar 2008 und März 2010 von jedem ihrer Kunden für ein halbes Jahr speicherte, zeigt auf erschreckende Weise eine animierte Karten-Anwendung, wie sie Die Zeit Anfang des Jahres veröffentlicht hat. In dieser Animation ist ein unfassbar vollständiges Bewegungsprofil des Grünenpolitikers Malte Spitz zu sehen. Dieser hat seine auf Vorrat von der Telekom gespeicherten Daten aus dem Zeitraum August 2009 bis Februar 2010 eingeklagt und dann veröffentlicht.
Da Spitz nicht nur telefoniert und SMS verschickt, sondern z.B. auch bei Twitter aktiv ist und bloggt, konnten die Telefondaten mit erhellenden Informationen über ihn angereichert werden. So lässt sich etwa über den Grund der Datenlücke vom 13. bis 20.11.2009 durch die Kombination anderer Quellen einiges herausfinden: Die letzte Handy-Ortung fand am Flughafen Berlin/Tegel statt und Spitz hat am 18.11.2009 einen Blogeintrag vom dem im ägyptischen Sharm el Sheikh stattfindenden Internet Governance Forum 2009 gepostet. Aber besonders bedenklich finde ich dann das was an seinem Rückkehrtermin am 20.11.2009 in der Animation zu lesen ist:

Auch wenn das Bundesverfassungsgericht am 2. März 2010 die Vorratsdatenspeicherung für verfassungswidrig und die entsprechenden Vorschriften für nichtig erklärt hat, gibt es derzeit Politiker, die laut über eine Wiedereinführung nachdenken. Was meiner Ansicht nach ein Unding ist, wie auch anhand der Daten von Malte Spitz nun wieder offen ersichtlich wurde.
via onsline.de
von Matthias Zellmer
Online-Petition “Buy IT Fair”
Die menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen bei der Herstellung von Hardware sind ja schon länger Thema in der IT-Welt und auch in den Nachrichten. Nun wurde diesbezüglich eine Online-Petition mit dem Titel “Buy IT Fair” gestartet, die die öffentliche Hand … und hier vor allem die Hochschulen … dazu bewegen soll, ihre Marktmacht beim Kauf von Hardware dazu zu verwenden, die Arbeitsbedingungen für die Arbeiter und Arbeiterinnen in den betroffenen Betrieben positiv zu beeinflussen.
Die Presseerklärung zum Start der Petition gibt es als Word-Dokument zu runterladen.
von Matthias Zellmer
Carrot Mobs – Konsumgesteuertes Weltretten

In Kopenhagen wird derzeit im ganz großem Stil versucht unsere Welt vor dem Klimawandel bzw. Profite vor dem Klimaschutz zu retten. Doch zum Glück gibt es immer wieder auch tolle Klimaschutzaktion im Kleinen. Wie zum Beispiel die Carrot Mobs.
Ich bin auf Carrot Mobs in der ZDFmediathek aufmerksam geworden. Ein Betrag der Klimaschutz-Sonderausgabe des Auslandsmagazins zeigte einen solchen Carrot Mob in San Francisco. Das Prinzip ist einfach. Gut vernetzte Aktivisten überreden Geschäftsleute einen bestimmten Prozentsatz ihrer Einnahmen eines bestimmten Tages zur Optimierung der Energieeffizienz oder einer vergleichbaren Klimaschutzmaßnahme zu investieren. Dafür trommeln die Aktivisten an diesem Tag so viele Kunden zusammen, wie es geht. Im Optimalfall liegt das Umsatzplus des Ladens über dem versprochenen Prozentsatz, der in die Energieeffizienzmaßnahmen gehen soll. Eine absolute Win-Win-Situation und eine wunderbare Maßnahme im Kleinen.
Auf der Website carrotmob.org gibt es übrigens eine nette Animation zum Thema und hier noch mal ein erläuterndes Video:
von Matthias Zellmer
Morgendlicher Web-Spaziergang

Was ich heute Morgen gemacht habe, prägte in ähnlicher Form irgendwann einmal den Begriff “durchs Web surfen”. Mit meinem RSS-Reader als Ausgangspunkt, habe ich mich durchs Web treiben lassen. Hier die Wegpunkte meines Web-Spaziergangs:
Mein RSS-Reader führte mich zuerst zum Dr. Web Autorenwettbewerb, genauer gesagt zum heutigen Beitrag Das Kaufhausbummeldesign – Wie der Alltag Ihnen bei Design-Ideen hilft. Besonders gut hat mir darin die Metapher “Das Supermarktregal – auf Augenhöhe sein” gefallen. Damit wollte der Autor Björn Dammann noch mal klar machen, dass das jeweils Wichtigste auf jeder Seite auch wirklich “auf Augenhöhe” platziert werden soll. Im Web ist das: Sichtbarer Bereich, Mitte. Eine Anforderung, die das nur all zu oft uniformierte Design vieler Websites nur bedingt bedienen kann. Wir setzen darum immer häufiger auf das Inhaltselement der Bühne.
In dem Artikel wird auf savethechildren.de hingewiesen, mein nächster Anlaufpunkt. Dies ist eine Kinderrechtsorganisation, die sich Themen verschrieben hat, wie weltweit das Überleben und die Gesundheit zu sichern oder auch die Ausbildung von Kindern zu fördern. Gutes und wichtiges Thema.
Mein nächster Anlaufpunkt ist netzwertig.com, wo sich Marcel Weiss mit Twitters für 2010 angekündigter Echtzeit-API Firehose beschäftigt. Marcel geht stark davon aus, dass das Implementieren auf Basis dieser Firehose-API kostenpflichtig und damit zum ersten richtigen Geschäftsmodell von Twitter wird.
Im Webzeugkoffer Blog beschäftigt sich dann Björn Seibert mit minimalistischem Webdesign und verweist auf einen gelungenen Beitrag When Minimalism Backfires: When Too Little Is Not Enough im Webdesigner Depot. Auf dieser Website gefällt mir, dass beim Überfahren des Logos mit der Maus, eine kleine, aber auffällige Info dargestellt wird. Diese macht deutlich, dass wenn man dem Link folgt, man zur Startseite zurück kommt. Eine angenehme Lösung des Problems, dass auch heute noch viele Leute nicht wissen, dass man in aller Regel nach einem Klick aufs Logo wieder zur Startseite der Website zurückkommt.
Ein weiterer Artikel auf Webdesigner Depot informiert mich darüber, dass es eine Wikipedia Usability Initiative gibt und dass man auf Wikipedia über den Try this-Link zu einer Beta-Version der optimierten Wikipedia-Ansicht gelangen kann. Neugierig geworden, schaue ich nach, ob es das auch auf der deutschsprachigen Wikipedia gibt und werde fündig. Der Link Beta ausprobieren am oberen Rand jeder Seite war mir bisher völlig entgangen. Ich beginne mit dem “Betatesten” und habe schon wieder eine Idee für einen weiteren Blogeintrag im Hinterkopf …
von Matthias Zellmer
Webzeugkoffer

Was ist jetzt eigentlich besser, produktiver, effizienter, effektiver, schöner, erfolgreicher, usability-optimierter oder auch einfach nur webzwonulliger? Blogs, Mircoblogs, Mini-Blogs, Social Networks, Social Media, Social Web, Instant Messenger, Googles Wellen, iPhone, E-Mail oder, oder, oder …
Tagtäglich lese ich in meinem RSS-Reader über Meinungen, Diskussionen und Erkenntnisse, die uns von der neuen, direkt vor unserer Tür stehenden Vormachtstellung von diesem und jenen Tool, Gadget oder Dienst berichten. Doch nur allzu oft kommen mir das so vor wie ein, mir zum Glück noch nicht untergekommener Vergleich in Richtung “ist ein Kühlschrank nützlicher als ein Auto?”.
Doch mit was wir es bei den auf dem Internet aufbauenden Technologien zu tun haben, sind schlichtweg Werkzeuge. Viele stehen in Konkurrenz, zum Teil auch ungewollt und auch oft nur teilweise. Einige ergänzen sich und andere nicht. Und was noch hinzukommt, bei jedem Nutzer ist die eingesetzte Kombination der Werkzeuge unterschiedlich. Viele stehen auch in Konkurrenz zu nicht internet-basierten Werkzeugen oder Medien. So kann ein Instant Messanger mit Videofunktion in Konkurrenz mit einem Auto stehen, wenn dadurch Autofahrten vermieden werden. Und so kann Twitter in Konkurrenz mit dem Mobiltelefon stehen, wenn eine Direct Message statt einer SMS schickt.
Jedoch fahren viele Menschen weiterhin Auto und schreiben SMS. Diese Konkurrenz ist im Prinzip eine Erweiterung des Spektrums. Allerdings bedeutet auch jede Spektrumserweiterung, dass es auf den jeweiligen Märkten enger wird. Aber das ist dann wiederum ein anderes Thema.
Es bleibt also nur, für sich persönlich zu schauen, welche Tools man aus dem “Webzeugkoffer” man in welchen Situationen auspacken und nutzen will. Und eins noch: In Ermangelung eines Hammers, habe ich auch schon mal einen Nagel mit eine Zange eingeschlagen … ging auch.
von Matthias Zellmer
TED: Stefana Broadbent über die Demokratisierung der Vertrautheit
Heute gibt es mal wieder einen interessanten TED-Vortrag. Zum Inhalt:
We worry that IM, texting, Facebook are spoiling human intimacy, but Stefana Broadbent’s research shows how communication tech is capable of cultivating deeper relationships, bringing love across barriers like distance and workplace rules.
von Matthias Zellmer
Professor Peter Kruse über die Revolution 2.0
Der Mann sieht gar nicht aus wie ein Digital Native. Zum Glück. Vielleicht hören Professor Peter Kruse dann auch mal Leute, zu die das ganze Social Networking Zeugs für total überbewertet halten. Denn er erklärt plausibel, warum die Netzwerkkultur die Gesellschaft fundamental verändern wird.
Die zum Vortrag gehörenden Folien gibt es hier:
Gefunden im Projektmanagement Blog
von Matthias Zellmer
Hervorragende ZDF-Sendung zum Thema Klima … tief in der Nacht
Was macht ihr freitags so kurz nach Mitternacht? Ihr schaltet doch sicher um 0:35 Uhr das ZDF ein und schaut euch gut zweieinhalb Stunden die Sendung Die lange Nacht des Klimas an. Nicht? Eigentlich schade, denn was uns das ZDF da vergangene Woche Mitten in der Nacht präsentiert hat, gehört sicher zu den besten Sendungen, die ich seit langem gesehen habe. Allerdings nicht zu der vom ZDF für uns vorgesehen Sendezeit. Denn zum Glück gibt es inzwischen das Internet und so etwas wie Mediatheken und Microsites.
von Matthias Zellmer
Wikivoyage – wirklich freie Reiseinformationen
Die Wikipedia kennen wahrscheinlich die meisten, die sich hin und wieder im Internet informieren. Es gibt aber noch viele weitere Wikis, deren Autoren sich das gemeinschaftliche Sammeln und allen Zur-Verfügung-Stellen von Informationen zur Aufgabe gemacht haben. Dazu gehört das Wikivoyage-Projekt.
Auf der Wikivoyage-Über-uns-Seite ist dazu Folgendes zu lesen:
Wikivoyage, der freie, aktuelle und zuverlässige Reiseführer.
Dieses Projekt hat das Fernziel eines vollständigen und aktuellen weltweiten Reiseführers, dessen Beiträge von Wikivoyagern aus allen Ecken und Enden des Globus stammen.
Wikivoyage möchte dem Bedürfnis Reisender nachkommen, aktuelle Informationen möglichst schnell zu erhalten, was durch Bücher mit ihren naturgemäß langen Produktionszyklen nur schwer zu erreichen ist.
Interessant ist, dass Wikivoyage ein so genanntes Fork-Projekt von Wikitravel ist, deren Rechte an der Domain wikitravel.org an eine US-amerikanische Werbefirma verkauft wurden. Um eventuellen Tendenzen kommerziellen Interessen der neuen Wikitravel-Domain-Rechteinhaber entgegen zu wirken, wurde Wikivoyage von Wikitravel abgespaltet und zudem der in Halle an der Saale ansässige Verein Wikivoyage e.V. gegründet.
Vorbildhaft ist, dass man sich bei Wikivoyage eine unabhängige, transparente und demokratische Organisationsstruktur auf die Fahnen geschrieben hat, um dort zusammengetragenes Wissen auch wirklich dauerhaft allen Menschen zur Verfügung zu stellen. Mit Wikivoyage und den vielen anderen freien Wiki-Projekten, führen uns die Menschen, die an solchen Projekten mitarbeiten und bewusst keinen kommerziellen Vorteil aus ihrem Wissen ziehen wollen, vielleicht gerade in ein neues Zeitalter der Aufklärung. Es würde uns allen gut tun.
von Matthias Zellmer
Digitale Kulturtechniken – Quo vadis?

Am vergangenen Samstag Abend fuhren wir zu einem Bloggertreffen in der Nähe des Stuttgarter Flughafens. In der lockeren Atomsphäre kamen einige interessanten Themen auf den Tisch. Besonders nachhaltig hat mich, die eher zufällig in den Raum gestellte Frage, nach unserem Umgang mit dem Internet in 20 Jahren beschäftigt.
Natürlich kommen einem da erst einmal eher technische Weiterentwicklungen bei der Ein- und Ausgabe in den Sinn: Hologramme, Sprachsteuerung und andere vor allem aus TV-Serien wie Star Trek bekannten Neuerungen werden in unseren Vorstellungen in der Zukunft allgegenwärtig sein. Auch das Fehlen jeglicher Peripherie wird in den menschlichen Fantasien durchaus für möglich erachtet. Das Gehirn als unmittelbare Schnittstelle, die die Ein- und Ausgabe direkt und ohne Umweg über unsere Sinne übernimmt … Warum nicht? Für Viele ist dies nur eine Frage des technischen Fortschritts auf dem Gebiet der Nano-Technologie.
Doch ist für mich eine Fragestellung, die etwas von den technischen Entwicklungen weg geht, mindestens genauso spannend: Welche digitalen Kulturtechniken werden sich in den kommenden 20 Jahren etablieren?
Vor ein paar Jahren war es noch überhaupt nicht üblich, dass alle in unserer Gesellschaft lebenden Menschen eine E-Mail-Adresse haben. Heute ist diese digitale Abstinenz selbst bei vielen Menschen im Ruhestand nicht mehr vorauszusetzen. Doch schickt sich auf der anderen Seite Google gerade an, die gute alte E-Mail durch die Wave zu ersetzen. Auch haben sich mit dem Web2.0 die Vorstellungen viele Aktivitäten im Web sehr von dem Begriff der “Homepage” gelöst. Inzwischen ist es für viele Internet-Nutzer übliche Praxis, dass sie ihre Inhalte und ihre Kommunikation übers Web verteilen.
Im Zuge dessen, dass sich immer mehr Menschen offen im Web darstellen und darüber hinaus auch zulassen, die absolute Kontrolle über das eigene digitale Erscheinungsbild abzugeben, entwickelt sich vielleicht gerade eine neue Offenheit. Die dann auch den Begriff der Privatheit, wie er sich in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat, nicht nur in Frage stellt, sondern auch zwangsläufig verändert.
Doch wie geht das alles weiter? Wir haben in den letzten Jahren erleben dürfen, wie sich im und durch das Internet eine Entwicklung vollzogen hat, die von vielen Mächtigen entweder gar nicht so richtig bemerkt wurde bzw. von anderen mit dem väterlichem Wohlwollen des Hörner-Abstoßen-Lassens, weitest gehen parallel zu den etablierten Mechanismen der “realen” Welt stattfinden konnte. Doch diese Zeiten sind vorbei. Die Gornys, Burdas und von der Leyens dieser Welt, haben das Internet als Gefahr für ihre oder die Geschäftsmodelle der sie bezirzenden Lobbys wahrgenommen. Darum ist es leider nicht selbstverständlich, dass sich die vernetzte globale Gesellschaft in Frieden und Freiheit weiterentwickeln kann.
Ich hoffe wirklich, dass sich in den kommenden 20 Jahren weiterhin digitale Kulturtechniken weiter bzw. neu entwickeln werden können. Ich hoffe auf, die Bildung und das Wissen, sowie Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit stärkende digitale Kulturtechniken. Doch für selbstverständlich halte ich sie genau so wenig, wie die technologischen Neuerungen, die uns die Serien Star Trek im Fernsehen zeigt.
von Matthias Zellmer



