Die moderne Gesellschaft und die Privatheit
In China ist es ein Zeichen der Wertschätzung, wenn man etwas kopiert. Und genau so soll es nun auch verstanden werden, dass ich jetzt einfach einen kompletten Text eines anderen Menschen hier reinkopiere. Es handelt sich um das Editorial der diesjährigen Februar-Ausgabe des Magazins für professionelle Informationstechnik iX von Christian Heller … im Web auch als plomlompom bekannt.
Nach der Privatheit
Das Ende des Privaten naht. Schuld ist die unaufhaltsam wachsende globale Informationsmaschinerie. Droht so auch das Ende der Freiheit? Nicht unbedingt.
Es greift zu kurz, Privatsphäre nur als Kernraum der Freiheit zu sehen. Hier halte sich soziale Kontrolle zurück, hier könne man sich unbeschränkt verwirklichen, hier könne Unangepasstheit zum politischen Stachel heranwachsen. Das unterschätzt die hemmende, potenziell erstickende Isolation des Privaten. Unter ihrer Decke vollziehen sich zum Beispiel häusliche Gewalt und Kindererziehung zu repressiven Werten. Ebenso kann Privatheit ein Verlies sein, in das eine intolerante Gesellschaft Andersartiges sperrt, und zugleich ein Ventil, damit sie nicht toleranter werden muss. Der Befreiungsweg der Homosexuellen etwa führte folglich nicht über Datenschutzkampagnen, sondern über Massen-Outing.
Betrachten wir die Gründe zum Abstreifen der Privatheit im Internet: Je mehr ich das Netz von mir wissen lasse, umso besser kann es meine Wünsche ablesen und mir Kommunikations- und Tauschpartner vermitteln. Das Netz formt Werte, die durchs Teilen nicht ab-, sondern zunehmen. Diese Grundidee hinter Begriffen wie „Open Source“ oder „Creative Commons“ überträgt das Social Web auf persönliche Informationen: Je mehr ich mich dem Netz öffne, desto mehr Wege habe ich, mich zu entfalten.
Das Netz ist nämlich keine Öffentlichkeit, die gleichschaltet, sondern eine, die Vielfalt fördert. Noch obskurste Interessen finden Raum für Austausch, Bestätigung, Verstärkung. Die Vielfalt der Anschlussmöglichkeiten wächst, je mehr Menschen ihre Andersartigkeit nach außen tragen. Niemand muss sein Wesen mehr durch den Flaschenhals der Anpassung zwängen, um Rückhalt in Geselligkeit zu finden. So braut sich eine Sturmflut offener, schamloser Anormalität zusammen. Bald wird sie die Gesellschaft in Zugzwang bringen zu bersten – oder dehnbarer, toleranter zu werden.
Ein anderer Punkt: Vielleicht archivieren bald alle ihre Stimmungen, Meinungen und Handlungen öffentlich. So würde sich die Wechselhaftigkeit, Inkohärenz und Kontextabhängigkeit menschlicher Wesen offenbaren. Begriffe wie „Normalität“, „Identität“ oder „Persönlichkeitskern“ verlören damit ihre Gewalt über uns. Je ausgiebiger wir das Chaos unseres Seins dokumentieren, desto schwieriger wird es, uns darauf festzunageln. Je mehr Daten über uns im öffentlichen Umlauf sind, desto weniger können wir mit ihnen erpresst werden.
Abschließend eine Warnung: Freiheit lässt sich in einer Informationsgesellschaft eher durch Offenheit als durch Privatheit voranbringen. Orwells „1984“ schilderte eine absolut unfreie Gesellschaft ohne Privatheit, aber auch ohne Offenheit: Der Informationsfluss war einseitig. Freiheit ohne Privatheit lässt sich nur dort denken, wo alle alles über alle wissen. Nun: Privatheit schwindet. Also gilt es, ein gesundes Misstrauen gegenüber jeder Art von Informationsmonopolismus zu entwickeln.
Im Zuge des von Christian Beschriebenen ist es nun besonders wichtig, dass in der heutigen Zeit nicht nur jede/r beim Überqueren einer Straße auf sich aufpasst … was wir unserem Nachwuchs gerne schon im Vorschulalter beibringen … sondern auch bei seinen Aktivitäten im Web. Und genau so wenig, wie wir uns wegen der allgegenwärtigen Gefahren nicht mehr auf die Straße trauen sollten, sollten wir uns nicht vom Web fernhalten oder übertrieben vorsichtig werden, sondern aktiv lernen, uns dort gekonnt und selbstbewusst zu bewegen.
In diesem Kontext ist oft die Rede von persönlichem Reputationsmanagement. Ein Begriff, der sich schon wieder ziemlich wichtig anhört und gut und gerne in jedes Hype-Lexikon passen könnte. So dramatisch ist es aber nicht. Ein paar einfache Grundregeln, wie man auf seinen Ruf achten und doch im Web unterwegs sein kann, finden sich auf Netzwertig: 8 Tipps, um sein Image im Social Web zu schützen.
Also: Bitte nicht den Kopf in den Sand stecken! Es wäre schade drum …
von Matthias Zellmer
t3n-Magazin: Experten-Megatrends 2009
Auf der Website des t3n-Magazins wurde gestern ein interessanter Artikel veröffentlicht. 16 Experten und Expertinnen wurden um eine Vorhersage zu den Megatrends 2009 gebeten. Eine sehr interessante Zusammenstellung zu allen möglichen Themen rund um Internet, Technologie und Medien. Und in einem Jahr schauen wir dann, wer womit recht hatte.
Via netzwertig.com
von Matthias Zellmer
Ein Interview mit mir zum Thema Twitterer in Stuttgart
Vor gut drei Wochen hatte ich das Vergnügen Dirk Baranek für einen Beitrag im Stuttgarter Szene-Magazin Lift über Twitterer in Stuttgart in einem E-Mail-Interview Rede und Antwort zu stehen.
Was Dirk so gefragt und was ich so geantwortet habe, findet ihr in der ungekürzten Fassung seit heute vorab auf seiner Website.
Das Interview mit mir ist Teil von mehreren Interviews mit einem Dutzend Twitterern aus der Region. Vor mir waren übrigens schon der geschätzte Martin Koser und die liebenswerte Rozana Vrandecic an der Reihe. Auch lesenswert …
von Matthias Zellmer
Leseempfehlung: Von der Unfähigkeit zu lernen
Danke, lieber Marcel Weiss, für deinen Blog-Beitrag Von der Unfähigkeit zu lernen. An alle Anderen: Unbedingt lesen … und daraus lernen!
Meine persönlichen Highlights aus dem Beitrag:
Die Entscheider in jedem Wirtschaftszweig, dessen Geschäftsmodelle direkt vom Internet betroffen sind, weigern sich seit Jahren, zu lernen, zu verstehen, zu überleben.
Es passt nicht in’s eigene Weltbild, deswegen kann und darf es nicht wahr sein.
Dass das Gleiche ebenfalls in der Printindustrie/Journalismusbranche der Fall ist, ist nach wie vor nur schwer nachzuvollziehen. Die Branche, deren Aufgabe es ist, die Welt zu verstehen und verständlich zu machen, versteht die eigene Situation nicht einmal ansatzweise.
Stattdessen: Ignoranz, Arroganz und ein Vertrauen auf die eigenen Lobbyverbände und als letzte Notlösung die Regierung, die notfalls eingreifen soll. Nur reicht eben nicht einmal das. Was Einigen langsam klar werden dürfte.
Markt bedeutet eben nicht nur unverschämt hohe Renditen sondern auch Untergang, wenn man sich nicht an Veränderungen der Umwelt anpassen kann oder will.
Den Rest gibt es auf netzwertig.com. Sorry, dass ich hier keine journalistisch wertvolle Eigenleistung vollbracht habe, aber der Artikel bringt es eben wunderbar auf den Punkt.
von Matthias Zellmer
Die Zeit zeigt, wo das Geld hin ist
Ich bin ja immer mal wieder einer dieser bösen Blogger, der gerne mal ein paar kritische Worte über Journalisten verliert. Aber von Schubladendenke und Sippenhaft halte ich nix und das hat auch seinen guten Grund. Wir brauchen nämlich Menschen wie Kerstin Kohlenberg und Wolfgang Uchatius. Nie gehört? Die Beiden sind Redakteure bei Zeit-Online und haben einen wirklich hervorragenden Artikel über die Gründe, wie es zur aktuellen Finanzkrise kommen konnte geschrieben.
Übrigens schade, dass ich für den Artikel nicht nachträglich was zahlen kann. Ich klick dann jetzt eben mal ein paar Werbebanner auf der Seite an und nehme mir vor Die Zeit mal wieder am Kiosk zu kaufen.
Update: Hab gerade nach Werbebannern auf Zeit Online geschaut und keine gefunden. Wow!
Via basicthinking.de
von Matthias Zellmer
Dr. Web: Zukunft der Printmedien
Ich habe mir den Artikel Zukunft der Printmedien im Magazin von drweb.de durchgelesen und wollte eigentlich nur einen Kommentar dazu verfassen, bin dann aber ziemlich ins Schreiben gekommen.
Dieter Petereit macht sich in seinem Artikel Gedanken darüber, warum die Printmedien allem Anschein nach auf dem absteigende Ast sind und welche Ansätze es gibt, wieder … um bei der Metapher zu bleiben … auf einen grünen Ast zu kommen. Besagten grünen Ast sehen viele wohl im Web.
Als Informationsarchitekt in einer Web-Agentur, zu deren Kunden viele Unternehmen aus den so genannten klassischen Medien Print, TV und Radio gehören, habe ich viel und oft direkten Kontakt zu Vertretern dieser Medien. Und ich denke, eines der grundlegenden Probleme, welches die in diesen Branchen arbeitenden Menschen haben, ist dass sie das Web nicht als eigenes Medium ansehen.
Es gibt aber auch einfach zu vieles, was im Web an das jeweils eigene (klassische) Medium erinnert. Und sooft man es auch wiederholt: Web ist nicht gleich Print, Web ist nicht gleich TV und Web ist auch nicht gleich Radio … aber der analytische “Schritt zurück” bei der Betrachtung des Mediums Web gelingt den wenigsten. Und solange dies nicht der Fall ist, gelingt es auch nicht, zu erkennen, dass es einen weiteren grundlegenden Unterschied gibt: Web ist kein Broadcasting-Medium (mehr). Hier können Alle senden und empfangen. Doch die einen sind scheinbar nur das Senden gewohnt und müssen sich mühsam auch auf das Empfangen einlassen.
Doch was tun? Ich denke, dass Experten auch im Web Geld verdienen können. Wer gute Inhalte produziert und sich von seinem angestammten Medium und den dort gelernten medienspezifischen Zwängen Mechanismen löst, kann seine Premium-Inhalte auch im Web zu Geld machen. Doch hier gilt es jeweils zu Analysieren, welche Inhalte sind Premium-Inhalte im Websinne. Und wann und wie lange und in welcher Darbietungsform sind sie dies.
Vielleicht fehlt es im Web auch noch einem geeigneten und allgemein akzeptierten Bezahlsystem. Im eCommerce kennt man das Micropayment. Das meiner Meinung nach einzige etablierte und einigermaßen funktionierende Micropayment-System ist Werbung. Ein System, dass seinen Weg sehr schnell aus den klassischen Medien ins Web gefunden hat. Aber da im Web auch immer ein direkter Rückkanal möglich ist, wäre es doch sinnvoll … und sicher auch möglich, ein System zu etablieren, mit dem der Inhaltskonsument Kleinstbeträge komfortabel bezahlen könnte, auch solche unter 1 Cent. Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist. Vielleicht brauchen die klassischen Medien generell einfach mehr eCommerce-Beratung …
von Matthias Zellmer
Geo-Coding = Real-World-Tagging

Gestern hat Erick Schonfeld von TechCrunch einen Beitrag geschrieben, in dem er sich mit Tagging und Geo-Coding beschäftigt. Die Quintessenz des Beitrags ist, dass das Versehen digitaler Daten mit Geo-Codes dem Taggen von Web-Inhalten entspricht; aber eben im Kontext der realen Welt.
Ende 2003 haben einige wenige Web-User damit angefangen, in entsprechenden Online-Diensten (zum Beispiel Delicious oder Flickr) Web-Inhalte mit Tags zu versehen. Besonders User Generated Content (UGC), der sonst oftmals nicht kategorisiert oder thematisch geordnet vorliegt, wurde dadurch einfacher durchsuchbar und Informationen wurden für andere User leichter zugänglich.
Seit einiger Zeit beschränkt sich das Taggen nicht mehr nur auf die inhaltliche Komponente von Daten. Über Geo-Coding werden Web-Inhalte in einen Zusammenhang mit Orte der realen Welt gestellt. Geo-Coding entspricht also dem Taggen der realen Welt.
Nahezu alle Online-Dienste, die USG zulassen, bieten die Möglichkeit, Daten mit Geo-Codes zu versehen. Und auch immer mehr Dienste für mobile Endgeräte fügen anfallenden Daten automatisch Geo-Codes hinzu; so zum Beispiel Brightkite oder auch Nokia’s Plazes oder Fried View.
Durch Geo-Coding werden aber nicht nur reale Orte getagt, sondern auch in einen sozialen, zeitlichen und oft auch ereignisbezogenen Zusammenhang gestellt. User posten Daten zu einem einem bestimmten Ort, an dem sie sich aus einem bestimmten Anlass aufhalten, zu einem bestimmten Zeitpunkt.
Geo-Coding ist mit Sicherheit keine Alternative zum eigenen Erleben der realen Welt. (Irgendwie kommt mir in diesem Zusammenhang der Bordcomputer von Wall-E in den Sinn.) Doch die Daten, die zu einem realen Ort im Web vorliegen, können über Geo-Coding mit diesem verbunden und gefunden werden. Auf diese Weise kann Geo-Coding die eigene (unter Umständen auch erst zukünftige) Wahrnehmung eines Ortes ergänzen.
von Katrin Schneider
Pflichtablieferung an Nationalbibliothek relativiert
Wie heise.de gestern berichtet wurde im Bezug auf die Pflichtablieferung von im Web publizierten Inhalten an Nationalbibliothek nun doch mal der Verstand bemüht und die Nutzung der vorhandenen technischen Möglichkeiten ins Auge gefasst:
Die Netzgemeinde kann aufatmen, denn die Bibliothek wird Blogs, Foren und Websites mit statischen Inhalten nur automatisiert über einen eigenen Crawler erfassen und archivieren.
Damit ist meine Welt wieder etwas mehr in Ordnung.
von Matthias Zellmer
Praktische Tipps für Startuper
Hab gerade einen interessanten Beitrag auf netzwertig.com entdeckt:
10 Fragen, die sich Startups spätestens jetzt stellen sollten
Zu den 10 Fragen gehörten unter anderem folgende:
Was sind meine Kernfunktionen?
oder auch
Bin ich ein Produkt oder ein Feature?
Unbedingt lesenswert, denn die Fragen werden nicht nur in den Raum geworfen, sondern auch mit ein paar interessanten Ratschlägen garniert.
von Matthias Zellmer
Nationalbibliothek sollte Feeds abonnieren
In meiner Zeit in der Studierendevertretung der Fachhochschule Gießen-Friedberg haben wir eine kleine Zeitung für unsere Kommilitonen herausgegeben. Damals lernte ich auch die Deutsche Nationalbibliothek kennen. Wir mussten ihr damals von jeder Ausgabe auch ein Exemplar zukommen lassen. Wir hatten ein Sekretariatskraft, die das dann für uns zuverlässig übernommen hat. Das war im Prinzip auch ganz einfach und schnell gemacht. Heft nehmen, eintüten, adressieren und ab zur Post. Fertig.
Doch was jetzt auf uns … und wohl auch auf die Nationalbibliothek … zukommt, das ist wohl nicht so einfach. Laut einer Verordnung der Bundesregierung sind Website-Betreiber seit gestern verpflichtet, dort Kopien ihres Online-Angebotes abzuliefern. Entgegengenommen werden PDF- und Zip-Dateien. Theoretisch machen sich Website-Betreiber strafbar, wenn sie dieser Abgabe-Pflicht nicht nachkommen. Laut Spiegel Online weiß man “bei der DNB selbst noch nicht so genau, wie das alles funktionieren und organisiert werden soll”.
Für mich hört sich das alles ein bisschen “Old-School” an. Sollen sie doch lieber alle Website-Betreiber verpflichten, ihre relevanten Inhalte als RSS-Feed anzubieten. Diesen könnte die Nationalbibliothek dann abonnieren und alles würde automatisiert ablaufen. Zudem würde eine solche, bei vielen Website notwendige Umstellung eben diesen sicher gut tun … von wegen Trennung von Inhalt und Layout und so. Aber wahrscheinlich habe ich in diesem Zusammenhang wieder mal irgendwas nicht richtig bedacht. Aber da scheine ich ja nicht der Einzige zu sein.
von Matthias Zellmer








