Buchtipp: “Das Ende der Schublade” von David Weinberger

weinberger

Gestern habe ich ein Buch zu Ende gelesen, welche mich begeistert hat, wie kaum ein anderes zuvor! Die Rede ist von Das Ende der Schublade: Die Macht der neuen digitalen Unordnung.

Noch nie habe ich ein Sachbuch wie dieses gelesen … weder im Bezug auf den Inhalt noch auf den Schreibstil. Es macht einfach vom ersten bis zum letzten Satz Spaß dieses Buch über die Ordnung im Allgemeinen und die digitale Ordnung im Speziellen zu lesen. Und was Weinberger scheinbar so locker leicht auf noch nicht einmal 300 Seiten formuliert, ist schlichtweg die Beschreibung der digitalen Revolution. Darauf verweist auch völlig zu recht der Klappentext des Buches:

Ob wir spazieren gehen, einkaufen oder uns unterhalten – ständig teilen wir die Lebewesen und Dinge, die uns umgeben, ein in verschiedene Kategorien: Bäume und Blumen, Milchprodukte und Gemüse, sympathische Menschen und unsympathische. So schaffen wir Ordnung und finden uns in der Welt zurecht wie in einer Bibliothek – alles hat seinen Platz.

Diese Ordnung kommt ins Wanken, sagt David Weinberger. Unser Denken in festen Kategorien führt uns auf Dauer nicht weiter, wir müssen lernen, mit Chaos, Unordnung und Unschärfe umzugehen. Nur so lässt sich verstehen, warum Projekte wie Wikipedia funktionieren, warum YouTube, Flickr und iTunes so populär und erfolgreich sind.

Das ist nicht weniger als eine Revolution: Denn auf einmal verlieren Experten ihre Macht, soziale Netzwerke werden immer einflussreicher, Kunden und Bürger entscheiden selbst, weil sie am besten wissen, was sie wollen. Jeder besorgt sich genau die Informationen, die er braucht, und bringt sie in die Ordnung, die ihm am besten nützt.

Ein faszinierendes Panorama der digitalen Welt von einem der profiliertesten Internet-Vordenker.

Einfühlsam holt Weinberger den Leser bzw. die Leserin dort ab, wo sich alle auskennen: In einem Supermarkt. Daraufhin macht er einen Schritt zurück, um mit uns dann durch die Geschichte der Menschheit zu wandern. Dabei beleuchtet er mit einem unfassbar ganzheitlichen Weitblick unsere stetigen Bemühungen alles und jeden zu kategorisieren. Dies geschieht hauptsächlich um eine möglichst allgemein gültige Ordnung herzustellen. Doch am Ende ist es das ungeordnete digitale Chaos, welches dem Ideal bei all den Bemühungen in vielen tausend Jahren Menschheitsgeschichte am nähsten kommt. Am Ende wird klar: Ein globaler Umbruch ist im Gange und er wird etablierte gesellschaftliche Strukturen grundlegender verändern, als es jede noch so große Finanzkrise vermag.

Jeder Mensch, der in irgendeiner Weise beruflich mit dem Internet zu tun hat oder sich allgemein etwas vorbereiteter in die nächsten Jahre und Jahrzehnte gehen möchte, sollte dieses Buch gelesen haben. Ich werde es sicher nicht zum letzten Mal gelesen haben. Eigentlich möchte ich dieses Buch auswendig kennen.

23. Februar 2009
von Matthias Zellmer
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Qualitätssicherung im Social Web

socialmedia

Der Fall “Wilhelm” zu Guttenberg hat uns gezeigt, dass es recht einfach ist mit den Vehikeln des Social Webs Informationen zu verbreiten, die nicht wahr sind. Doch welche Relevanz hat eine so genannte falsche Information, wenn man dem Verbreiter nicht glaubt? Kaum eine.

Aber eine Unglaubwürdigkeit muss man sich scheinbar hart erarbeiten. Schuld daran ist wohl auch unsere über Jahre antrainierte Mediengläubigkeit. “Das steht doch da Schwarz auf weiß geschrieben” ist zu einem Qualitätssiegel geworden, dass im Social Web nun auch offensichtlich nicht gilt. Man muss den Informationen im Web kritischer gegenüberstehen, als man dies vielleicht gewohnt ist.

13. Februar 2009
von Matthias Zellmer
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Web2.0 – Die Konsolidierung läuft

web20konsult

Gerade habe ich per Mail bestätigt bekommen, was ich gestern schon irgendwo auf irgendeiner Website gelesen habe: Der deutsche Lifestreaming-Dienst Lifestream.fm übernimmt den deutschen Lifestreaming-Dienst Freundenews. An anderer Stelle wachsen Blogs zusammen oder bekommen neue Betreiber, um sie professioneller aufzustellen und so weiter und so fort.

Aus den USA kam zudem unlängst der neue Trend der Vertical Networks zu uns. Dabei werden kleinere, thematisch ähnliche Websites wie Blogs und andere in der Regel private Sites, die für sich alleine gerade im Bezug auf die Selbst-Vermarktung kaum Know-How und auch kaum ein Standing haben, aber hervorragend den so genannten Long Tail bedienen, zentral vernetzt und auch vermarktet.

Und nicht zuletzt hat oder wird auch Google einige seiner Dienste wie Google Notebook oder Google Lifely schießen. Alles weißt also daraufhin, dass wir schon Mitten drin sind in der Konsolidierungsphase des damit wohl Ex-Hypes Web2.0. Doch ist es einigermaßen tröstlich, dass es diesmal trotz der schlechten Vorzeichen (Finanzkrise) nicht den ganz großen Knall zu geben scheint.

Man hat in der Branche zum einen dazugelernt, aber zum anderen ist es auch von Vorteil, dass viele Projekte, auch einige von denen, die jetzt einfach sang- und klanglos verschwinden, nicht künstlich mit massenhaft Venture-Kapital aufgepumpt wurden und auch nur die allerwenigsten Projekte gleich mal an die Börse gegangen sind.

Immer wieder wird ja derzeit nach dem Next Big Thing im Web gefragt. Meiner Ansicht nach muss man auch die Konsolidierung auf die Liste der Kandidaten setzen. Wie unsexy das auch sein mag …

06. Februar 2009
von Matthias Zellmer
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Wie man heute ein Webprojekt aufzieht

makingoftweal

Gerade habe ich voller Begeisterung auf tweal.net die Beschreibung “Infos zum Projekt: tweal – ein Microdeal Twitter Mashup” gelesen. Da hat sich Sven Wiesner, der Mann hinter tweal.net, hingesetzt und einfach mal beschrieben, wie er das Projekt an den Start bekommen hat. Und zwar ohne großartige Programmierkenntnisse und im Kern nur auf Basis von WordPress und Twitter und deren Erweiterungen und Plugins, die sowieso irgendwo im Web rumliegen.

Schaut es euch an und saugt den Spirit des dort Beschriebenen in euch auf. Denn dann wisst ihr wieder ein Stück mehr von dem, was man euch unter den Schlagworten Web2.0 oder Social Web tagtäglich um die Ohren haut. Respekt Sven!

Leseempfehlung: Von der Unfähigkeit zu lernen

untergang

Danke, lieber Marcel Weiss, für deinen Blog-Beitrag Von der Unfähigkeit zu lernen. An alle Anderen: Unbedingt lesen … und daraus lernen!

Meine persönlichen Highlights aus dem Beitrag:

Die Entscheider in jedem Wirtschaftszweig, dessen Geschäftsmodelle direkt vom Internet betroffen sind, weigern sich seit Jahren, zu lernen, zu verstehen, zu überleben.

Es passt nicht in’s eigene Weltbild, deswegen kann und darf es nicht wahr sein.

Dass das Gleiche ebenfalls in der Printindustrie/Journalismusbranche der Fall ist, ist nach wie vor nur schwer nachzuvollziehen. Die Branche, deren Aufgabe es ist, die Welt zu verstehen und verständlich zu machen, versteht die eigene Situation nicht einmal ansatzweise.

Stattdessen: Ignoranz, Arroganz und ein Vertrauen auf die eigenen Lobbyverbände und als letzte Notlösung die Regierung, die notfalls eingreifen soll. Nur reicht eben nicht einmal das. Was Einigen langsam klar werden dürfte.

Markt bedeutet eben nicht nur unverschämt hohe Renditen sondern auch Untergang, wenn man sich nicht an Veränderungen der Umwelt anpassen kann oder will.

Den Rest gibt es auf netzwertig.com. Sorry, dass ich hier keine journalistisch wertvolle Eigenleistung vollbracht habe, aber der Artikel bringt es eben wunderbar auf den Punkt.

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