Winnenden hautnah – ein sehr persönlicher Rückblick
Gestern morgen klingelte das Telefon. Als ich ran ging, war meine Freundin dran. Sie wirkte aufgewühlt und riet mir nachdrücklich nicht vor die Tür zu gehen. Denn in unserem 5km entfernten Nachbarort Winnenden, in dem sie zu diesem Zeitpunkt auf der Arbeit war, hätte es soeben einen Amoklauf gegeben und der Täter sei auf der Flucht. Sie informierte mich kurz über das was sie wusste und wir vereinbarten später noch mal zu telefonieren.
Wie in Trance ging ich an meinen Rechner und wollte mich informieren. Doch da ich ein nun mal auch ein eifriger Twitterer bin, setzte ich ohne weiter darüber nachzudenken folgenden Tweet ab:
Krass! Meine Freundin hat gerade angerufen, in #Winnenden bei #Stuttgart hat es an einer Schule wohl einen #Amoklauf gegeben …
Kurz darauf entdeckte ich, dass meine Freundin, die als Tontaube twittert, zuvor schon diesen Tweet abgesetzt hatte:
ACHTUNG: In der Realschule Winnenden gab es heute einen Amoklauf, Täter angeblich flüchtig – besser nicht in die Stadt kommen!!!!
Und damit war sie die erste, die auf Twitter von dem Winnender Amoklauf berichtet hat. Was danach über sie hinein brach, war ein mediales Donnerwetter. Fast schon im Minutentakt bekam sie auf allen denkbaren Kanälen von allen denkbaren Medien Interview-Fragen und das europaweit. Von der Stuttgarter Zeitung (Handy) über TV France 24 (Skype) und CNN (Firmentelefon) bis zu Anfragen über ihrem Blog (BBC und Tagesanzeiger) und zahlreichen direkt über Twitter. An Arbeiten war für sie an diesem Tag nicht mehr zu denken. Doch sie hatte eigentlich nichts gesehen und wollte nur ihre Bekannten im Großraum Stuttgart auch auf diesem Weg vor der Gefahr eines umherirrenden Gewalttäters warnen. Somit kam dann irgendwann der Tweet, der auf vielen Websites als eine Art Hilfeschrei dargestellt wurde:
Liebe Presse: ich weiss doch auch nichts von dem Verrückten… #winnenden #amok
Später berichtete mir Natali zuhause, dass dies doch gar kein Hilfeschrei gewesen sei. Sie wollte nur keine falschen Hoffnungen wecken, denn sie war keine Augenzeugin … zum Glück. Am Ende des Tages war sie genau zu dem geworden, was sie mir mal scherzhaft unterstellt hat: ein Webceleb. Und nicht nur das, sie wurde u.a. auch in den Tagesthemen und im heute Journal erwähnt und die Anzahl ihrer Follower bei Twitter explodierte von 44 auf über 500!
Recht gelungene Beiträge über Natali und ihren Tag haben übrigens Der Westen und die taz gebracht … und Spiegel Online resümiert recht aussagekräftig:
Der Kurzzeit-Medienstar Natali Haug ist am Ende eines kontaktreichen Tages schon wieder zum ganz belanglosen Twitter-Alltag übergegangen: “Mal schauen, wie interessiert die Medien sind, wenn ich ab morgen wieder über Pfannkuchen twittere…”, schreibt sie am späten Nachmittag.
Gestern Abend unterhielten wir uns lange über den Tag und seine Ereignisse. Wie fassungslos wir über die schreckliche Tat waren (und immer noch sind), die in dem Ort hier um die Ecke ihren Ausgangspunkt nahm, in den wir so gerne samstags auf den Markt zum Einkaufen gehen. Dabei ist uns beiden aufgefallen, dass uns diese “Medien-Sache” irgendwie Halt gegeben hat. Daran kann man sich im übertragenen Sinn reiben und abarbeiten, denn das ist was mit dem man klar kommen kann. Diese Wahnsinnstat ist dies nicht. Mögen die Angehörigen der Opfer und die Stadt Winnenden und ganze Region auch etwas finden, woran sie sich festhalten und irgendwie wieder aufrichten können. Auch wenn dies sicher seine Zeit brauchen wird.
Nachtrag: Natali hat gestern Abend noch einen Artikel über ihr Erlebnisse des Tages für eine schwedische Tageszeitung geschrieben … 3000 Zeichen und in Englisch. Statt dem angebotenen Honorar hat sie übrigens um eine Spende für den WWF gebeten. Ich bin sehr stolz auf meine Freundin!
von Matthias Zellmer
Geo-Coding = Real-World-Tagging

Gestern hat Erick Schonfeld von TechCrunch einen Beitrag geschrieben, in dem er sich mit Tagging und Geo-Coding beschäftigt. Die Quintessenz des Beitrags ist, dass das Versehen digitaler Daten mit Geo-Codes dem Taggen von Web-Inhalten entspricht; aber eben im Kontext der realen Welt.
Ende 2003 haben einige wenige Web-User damit angefangen, in entsprechenden Online-Diensten (zum Beispiel Delicious oder Flickr) Web-Inhalte mit Tags zu versehen. Besonders User Generated Content (UGC), der sonst oftmals nicht kategorisiert oder thematisch geordnet vorliegt, wurde dadurch einfacher durchsuchbar und Informationen wurden für andere User leichter zugänglich.
Seit einiger Zeit beschränkt sich das Taggen nicht mehr nur auf die inhaltliche Komponente von Daten. Über Geo-Coding werden Web-Inhalte in einen Zusammenhang mit Orte der realen Welt gestellt. Geo-Coding entspricht also dem Taggen der realen Welt.
Nahezu alle Online-Dienste, die USG zulassen, bieten die Möglichkeit, Daten mit Geo-Codes zu versehen. Und auch immer mehr Dienste für mobile Endgeräte fügen anfallenden Daten automatisch Geo-Codes hinzu; so zum Beispiel Brightkite oder auch Nokia’s Plazes oder Fried View.
Durch Geo-Coding werden aber nicht nur reale Orte getagt, sondern auch in einen sozialen, zeitlichen und oft auch ereignisbezogenen Zusammenhang gestellt. User posten Daten zu einem einem bestimmten Ort, an dem sie sich aus einem bestimmten Anlass aufhalten, zu einem bestimmten Zeitpunkt.
Geo-Coding ist mit Sicherheit keine Alternative zum eigenen Erleben der realen Welt. (Irgendwie kommt mir in diesem Zusammenhang der Bordcomputer von Wall-E in den Sinn.) Doch die Daten, die zu einem realen Ort im Web vorliegen, können über Geo-Coding mit diesem verbunden und gefunden werden. Auf diese Weise kann Geo-Coding die eigene (unter Umständen auch erst zukünftige) Wahrnehmung eines Ortes ergänzen.
von Katrin Schneider
DMMK Stuttgart

Letzte Woche war mir die Teilnahme am Deutschen Multimedia Kongress in Stuttgart vergönnt. Leider konnte ich erst am zweiten Tag des Kongresses teilnehmen und habe damit den einen oder anderen, laut Augenzeugenberichten interessanten Beitrag verpasst. Insbesondere die Keynote von Tom Klinkowstein, „Shut up and listen: Design thinking/Design listening” soll recht eindrucksvoll gewesen sein.
Von den beiden Workshops mit den Themen “Bewegtbilder im Netz” und “Marketinginstrument Online Communities” habe ich mich für ersteres Entschieden. Insbesondere die Vorträge zu den Themen “Mediacenter – Der Brückenschlag vom Arbeitszimmer auf die Couch” und Joost – P2P mit Erlösmodell” haben mich zu meiner Entscheidung bewogen. Im Vergleich zum ersten Tag fiel die Teilnehmeranzahl des Workshops mit einem gefühlten Verhältnis von 1/1 (Teilnehmer/Lektoren) recht bescheiden aus.
Nach einer guten Einführung von Herrn Tewinkel (ehemals BahnTV) in das Thema Bewegtbild begann der Workshop mit einer Präsentation von fischerAppelt, wo man nach dem Kauf von DaimlerChrysler tv.media nun das markenunterstützende Videoportal mercedes-benz.tv betreibt. Die von Scholz & Volkmer realisierte Website richtet sich an eine junge, internetaffine Zielgruppe. Die stimmig gestaltete Website wurde recht stark an Apples Interfacedesign angelehnt, insbesondere die Verwandschaft zu Apples Coverflow ist augenscheinlich. Die Bedienbarkeit ist dabei sehr gut, einzig eine einfache Bookmarkmöglichkeit fehlt, was der komplett in Flash realisierten Umsetzung geschuldet ist. Mercedes-benz.tv führt hier im Bereich Video in meinen Augen das fort, was die seligen Mercedes-Mixtapes als Audioangebot begonnen hatten. In meinen Augen ein cleveres Instrument, eine junge Zielgruppe an Mercedes-Benz heranzuführen. Auf der Einstiegsseite wird der Zuschauer übrigens TV typisch von einer Moderatorin (Tanja Bülter) begrüßt. Ich für meinen Teil kann mich mit Moderatoren auf Websites noch immer nicht so recht anfreuden, es wirkt auf gewisse Weise anachronistisch.
Um moderierte Videopräsentationen geht es auch bei targa.tv. Auf die Frage nach den Monetarisierungsmöglichkeiten von Bewegtbildern im Netz antwortet Herr Christian Gummig mit dem Begriffen “Transaktionsorientierte Medienformate”, einer eleganten Umschreibung für die schlichte Übertragung von TV-Shopping ins Internet. Ich gehöre hier sicher nicht zur richtigen Zielgruppe, allerdings denke ich, daß es schwierig werden dürfte, ein auf hochgradig asymmetrischer Informationsverteilung zwischen Käufer und Verkäufer basierendes Verkaufsprinzip vom TV ins Internet zu transferieren, wo Vergleichbarkeit und umfassende Informationsmöglichkeiten nur wenige Klicks entfernt liegen. Man wird sehen, offensichtlich wird für einen bekannten e-Commerce Betreiber bereits produziert…
Hendrik von Beust (Atkon) weist in seinem interessanten Vortrag “Evaluation und Erfolgsmessung” auf die Auswirkungen hin, welche die immer stärkere Verwendung von AJAX-Elementen und Videoclips im Hinblick auf die gemessenen PIs hat: Die Anzahl der Seitenaufrufe sinkt. Videoinhalte lassen Websitebesucher länger “unbeweglich” auf einer Seite verweilen, was gemessen auf die Gesamtdauer des Besuches zu geringeren Klickraten führt. Insbesondere bei Portalen mit großem Videoanteil kommt es zu einem paradoxen Effekt: Die Vermarktungsfähigkeit dieser Angebote sinkt, obwohl die Aufmerksamkeit, die der User auf einer Seite aufbringt um ein Vielfaches höher liegt als bei schnellem Klicken. Das Marktforschungsinstitut Nielsen ist daher dazu übergegangen, bei der Evaluation von Webgeboten die Verweildauer als zentrales Kriterium zugrunde zu legen. PIs werden lediglich ergänzend aufgeführt. Das Messen der Verweildauer ist jedoch schwieriger, als ein bloßes Erfassen der Seitenaufrufe (Wobei selbst hier je nach eingesetzter Software oft Unterschiede bis zu 30% auftreten). Vergessene Browserfenster oder-tabs können die tatsächliche Verweildauer, während der ein User einer Seite tatsächlich seine Aufmerksamkeit schenkt, verzerren. Hier verbirgt sich noch großes Verbesserungspotential.
Ich mache es kurz und schmerzlos: Die beiden heiß erwarteten Vorträge zu den Themen Mediacenter und Joost fanden schlicht nicht statt. Frau Vanessa Weihbrecht, Product Marketing Manager von Microsoft Deutschland war nicht erreichbar und erschien ohne Angabe von Gründen einfach nicht zur Konferenz. Wie schön es doch gewesen wäre, von Microsoft einmal positiv überrascht zu werden… Über den Joost-Vortrag wurde seitens DMMK übrigens kein Wort mehr verloren – sehr schade.
Und so fällt mein Fazit leider etwas zwiegespalten aus: Zwei sehr gute Vorträge, ein anachronistisches Vermarktungskonzept, bestätigte Vorurteile und zwei vakante Referatsthemen, deren Zeitfenster mit einer Tasse Kaffe und einem netten Gespräch gefüllt werden konnte. Auch nicht das Schlechteste.
von Artur Richter
Nutzerschwund bei Social Networks

Genauer gesagt bei bestimmten Vertretern ihrer Gattung. Martin Weigert berichtet von einem kontinuierlichen Nutzerrückgang bei den beiden bisher größten schwedischen Social Network Vorreitern LunarStorm und playahead. Als Gründe hierfür sieht Martin Weigert das “Herauswachen” der einstigen Zielgruppe aus dem engen Altersfokus und das anschließende Abwandern in breiter angelegte, internationale Netzwerke wie Facebook.
Was reichweitenstarke Communities betrifft, ist Schweden Deutschland und anderen europäischen Ländern um einige Jahre voraus. lokalisten, studiVZ, MySpace – alle Social Networks, die heute den Großteil der deutschen Netzwerker auf sich vereinen, entstanden erst in den vergangen zwei-drei Jahren. Wir haben also noch gar nicht miterlebt, wie sich ein Social Network entwickelt, wenn es die Reifephase im Produktlebenszyklus überschritten hat.
Es wird interessant sein zu beobachten, wie studiVZ und Co dieser Entwicklung und der nicht abreißen zu wollenden Flut von Communities begegnen wird. Bis dahin kann ich Martin Weigert nur beipflichten: Nur mit innovativen Diensten und Services wird es in Zukunft möglich sein, seine User dauerhaft an sich zu binden. Ich denke hier besteht durchaus noch etwas Nachholbedarf. Wie sich studiVZ im Vergleich zu Facebook geschlagen hat, kann man übrigens beim Selbstversuch auf dem Fischmarkt nachlesen.
via zweinull
von Artur Richter
Die 10 wichtigsten Webtrends
Read/WriteWeb hat eine knackige Zusammenafssung der 10 wichtigsten Webtrends zusammengestellt. Visionäre Erkenntnisse sollte man vielleicht nicht unbedingt erwarten, handelt es sich doch überwiegend um gegenwärtige Trends. Wer sich aber einem schnellen Überblick verschaffen möchte ist hier goldrichtig.
via presurfer
von Artur Richter
Keine Bildung – keine E-Mails

Hört man nicht recht häufig, dass man bildungsfernen Menschen Möglichkeiten bieten soll, damit auch sie sich entwickeln können und die offensichtlich vorhandenen Chancen für ein erfolgreicheres Leben wahrnehmen können?! Hört man doch …
Ich weiß nicht, ob ich das richtig einschätze, aber es scheint doch so, dass viele der besagten Menschen ihre Chancen gar nicht erkennen. Wie kann es sonst sein, dass nur 34 Prozent der Deutschen mit Hauptschulabschluss eine eigene E-Mail-Adresse haben. Das sind fast halb so viele wie der Durchschnitt (61 Prozent).
Dies teilte der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM) in einer Presseinformation mit. Weiter wird berichtet:
Zwei Drittel der Über-14-Jährigen (61 Prozent) haben inzwischen eine persön-liche Email-Adresse. Zwischen West (62 Prozent) und Ost (57 Prozent) gibt es dabei kaum Unterschiede, dafür aber beim Geschlecht. Männer (69 Prozent) verfügen viel häufiger über eine Email-Adresse als Frauen (53 Prozent).
Aus meiner Sicht wieder mal ein kleiner Argument-Baustein für eine Abschaffung der Hauptschule … zumindest in der heutigen Form. So wie z.B. auch auf bildungsklick.de gefordert.
von Matthias Zellmer
Unflashed
Während das iPhone Journalisten und Blogger hüben wie drüben dazu veranlaßt, sich über Design, Benutzerführung und Interface die Finger wund zu schreiben, wurde einem interessanten Aspekt bisher wenig Aufmerksamkeit zugedacht oder dieser allenfalls bedauernd zur Kenntnis genommen. Die gänzlich fehlende Unterstützung von Flash, Windows Media, Real Player und Java Applets.
Daniel Eran Dilger, technischer Berater und Autor aus San Francisco, betrachtet die fehlende Implementierung dieser Features als bewusste Ausklammerung proprietärer Codecs und Technologien. Wie bereits die fehlende Unterstützung von Windows Media durch den iPod der Verbreitung des Microsoft-Codecs schwer geschadet hatte, könnte es nun auch dem beliebten Flash-Video an den Kragen gehen. Insbesondere da für Apple mit Flash-Lite ein Konkurrent am Interfacehorizont für Mobile Endgeräte aufgetaucht ist.
Ein ungemein aufschlussreicher Artikel.
von Artur Richter
MySpace oder Facebook?
In seiner Studie stößt Student Danah Boyd von der Universität in Berkeley, auf Zusammenhänge zwischen Teenagern aus bestimmten sozialen Schichten, und deren Vorliebe für entweder MySpace oder Facebook.
Based on interviews with teens who use the sites Danah Boyd’s study shows that while Facebook users are often the Prom-Queen-headed-to-a-good-college types (oh, and they tend to be white), MySpace users are more often outcasts who started work after graduating high school.
Via underwire und Basic Thinking Blog
von Artur Richter
Kooperation von spon und last.fm vorerst ausgesetzt
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Die Filter, die auf spiegel.de verhindern sollten, “dass rechtsradikale, andere illegale oder nicht jugendgerechte Inhalte“ über die Einbindung von last.fm zugänglich würden, seien “noch nicht dicht genug“, so spiegel.de in einer eigenen Stellungnahme.
Die Rechtslage in Deutschland macht derzeit Betreibern von Webservices, wie Flickr, youtube oder last.fm das Leben schwer, bzw. diese etwas übervorsichtig. Die in den letzten Tagen schwer kritisierte Vorgehensweise von flickr ist unter anderem sicher eine Folge davon.
Mehr zu diesem Thema gibt es auf poetsch.de
von Artur Richter
Big brother is watching you
Einen wunderbaren Flash-Film, der sehr anschaulich zeigt, wo und wie wir überall überwacht werden bzw. werden könnten, findet ihr unter: PANOPTI.COM – Die schöne neue Welt der Überwachung
Absolut sehenswert. Wirklich!!!
von Matthias Zellmer






