Digitale Kulturtechniken – Quo vadis?

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Am vergangenen Samstag Abend fuhren wir zu einem Bloggertreffen in der Nähe des Stuttgarter Flughafens. In der lockeren Atomsphäre kamen einige interessanten Themen auf den Tisch. Besonders nachhaltig hat mich, die eher zufällig in den Raum gestellte Frage, nach unserem Umgang mit dem Internet in 20 Jahren beschäftigt.

Natürlich kommen einem da erst einmal eher technische Weiterentwicklungen bei der Ein- und Ausgabe in den Sinn: Hologramme, Sprachsteuerung und andere vor allem aus TV-Serien wie Star Trek bekannten Neuerungen werden in unseren Vorstellungen in der Zukunft allgegenwärtig sein. Auch das Fehlen jeglicher Peripherie wird in den menschlichen Fantasien durchaus für möglich erachtet. Das Gehirn als unmittelbare Schnittstelle, die die Ein- und Ausgabe direkt und ohne Umweg über unsere Sinne übernimmt … Warum nicht? Für Viele ist dies nur eine Frage des technischen Fortschritts auf dem Gebiet der Nano-Technologie.

Doch ist für mich eine Fragestellung, die etwas von den technischen Entwicklungen weg geht, mindestens genauso spannend: Welche digitalen Kulturtechniken werden sich in den kommenden 20 Jahren etablieren?

Vor ein paar Jahren war es noch überhaupt nicht üblich, dass alle in unserer Gesellschaft lebenden Menschen eine E-Mail-Adresse haben. Heute ist diese digitale Abstinenz selbst bei vielen Menschen im Ruhestand nicht mehr vorauszusetzen. Doch schickt sich auf der anderen Seite Google gerade an, die gute alte E-Mail durch die Wave zu ersetzen. Auch haben sich mit dem Web2.0 die Vorstellungen viele Aktivitäten im Web sehr von dem Begriff der “Homepage” gelöst. Inzwischen ist es für viele Internet-Nutzer übliche Praxis, dass sie ihre Inhalte und ihre Kommunikation übers Web verteilen.

Im Zuge dessen, dass sich immer mehr Menschen offen im Web darstellen und darüber hinaus auch zulassen, die absolute Kontrolle über das eigene digitale Erscheinungsbild abzugeben, entwickelt sich vielleicht gerade eine neue Offenheit. Die dann auch den Begriff der Privatheit, wie er sich in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat, nicht nur in Frage stellt, sondern auch zwangsläufig verändert.

Doch wie geht das alles weiter? Wir haben in den letzten Jahren erleben dürfen, wie sich im und durch das Internet eine Entwicklung vollzogen hat, die von vielen Mächtigen entweder gar nicht so richtig bemerkt wurde bzw. von anderen mit dem väterlichem Wohlwollen des Hörner-Abstoßen-Lassens, weitest gehen parallel zu den etablierten Mechanismen der “realen” Welt stattfinden konnte. Doch diese Zeiten sind vorbei. Die Gornys, Burdas und von der Leyens dieser Welt, haben das Internet als Gefahr für ihre oder die Geschäftsmodelle der sie bezirzenden Lobbys wahrgenommen. Darum ist es leider nicht selbstverständlich, dass sich die vernetzte globale Gesellschaft in Frieden und Freiheit weiterentwickeln kann.

Ich hoffe wirklich, dass sich in den kommenden 20 Jahren weiterhin digitale Kulturtechniken weiter bzw. neu entwickeln werden können. Ich hoffe auf, die Bildung und das Wissen, sowie Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit stärkende digitale Kulturtechniken. Doch für selbstverständlich halte ich sie genau so wenig, wie die technologischen Neuerungen, die uns die Serien Star Trek im Fernsehen zeigt.

12. Oktober 2009
von Matthias Zellmer
Profilbild von Matthias Zellmer

Content Long Tail

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Die Session Schreiben für das bzw. im Web auf dem zweiten Stuttgarter Barcamp ist mit Sicherheit anders verlaufen als geplant. Zunächst haben wir in einer Runde von gut 15 Leuten Aspekte und Fragen zum Thema gesammelt, um vielleicht ein bis zwei inhaltliche Schwerpunkte herauszuarbeiten. Der erste Schwerpunkt war dann auch schnell gefunden: Schreiben für eine Zielgruppe.

Doch hier wurde es interessant. Denn als von jemandem die These in den Raum gestellt wurde, jeder würde doch für eine bestimmte Zielgruppe schreiben, äußerten einige Blogger im Raum ein gewisses Unbehagen. Vor allem Rozana und ich wollten diese These so nicht stehen lassen … wir hatten wohl diesbezüglich beide ein ähnliches Bauchgefühl.

In der anschließenden Diskussion arbeiten wir gemeinsam heraus, dass im Gegensatz zu vielen klassischen Inhaltsproduzenten, viele Blogger nicht für eine Zielgruppe schreiben, sondern eher für sich selbst und sich vor allem Themen vornehmen, die sie (gerade) sehr interessieren. Und das vor allem dann, wenn diese Blogger nicht auf die Einnahmen ihres Blogs angewiesen sind.

Ich würde hier von einem Content Long Tail sprechen. Denn so wie im Internet Nischenprodukte besonders gut ihre Abnehmer finden, so finden dort gute Artikel und sonstige Inhalte auch ihre Interessenten. Der Inhalt muss nicht für einen Massenmarkt … also eine vielleicht sogar künstlich konstruierte Zielgruppe … eine hohe Qualität haben, sondern vielleicht nur für einige wenige.

Das sich mit für den Massenmarkt uninteressant (gewordenen) Produkten auch noch Geld verdienen lässt, zeigt uns das Social-Commerce-Versandhaus Amazon. Während ältere CDs in Musikgeschäften oftmals verramscht werden, steigt bei Amazon häufig ihr Preis sogar an. Denn wer dann nun noch Interesse an einer CD hat, die schon lange aus den Charts raus ist, wird auch eher bereit sein, ein bisschen tiefer in seine Tasche zu greifen.

Das der Long Tail auch bei Inhalten funktionieren kann, zeigen nicht nur Speziell-Interests-Blogs, sondern auch Speziell-Interests-Magazine, denen von vielen ein Überleben in der Print-Krise vorausgesagt werden … doch auch nur, wenn die Qualität der Inhalte stimmt. Und das ist es, was ein Medium wie das Internet verlangt: Qualität. Doch was herauskommt, wenn man die Qualität eines inhaltlichen Produkts an einen Massenmarkt immer mehr anzupassen versucht, sieht man bei den vielen Hitradios in diesem Land. Da lobe ich mir doch die, die ihre Nische besetzten und für diese dann inhaltlich Hochwertiges produzieren … auch wenn es nur wenige interessiert. Die interessiert es dann dafür um so mehr.


Der Bildausschnitt oben stammt von einem Flickr-Foto von René Ehrhardt.

WikiLeaks – digitalisierte Freiheit

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Man hört so viel über die dunklen und bösen Seiten des Internets. Doch immer mehr Menschen sehen das Internet auch als ein Medium, das Menschen hilft, gegen die dunklen und bösen Seiten der realen Welt anzukommen. Eine der wichtigsten Instrument dieses fairen Internets ist WikiLeaks.

Wikipedia sagt dazu:

WikiLeaks ist ein Ende 2006 anonym ins Leben gerufenes Projekt, das nach dem Wiki-Prinzip aufgebaut ist und unzensierbar “für die massenweise und nicht auf den Absender zurückzuführende Veröffentlichung von geheimen Informationen und Analysen” dienen soll. Primäre Ziele sind durch Unterdrückung geprägte Regimes in Asien, den Ländern der ehemaligen Sowjetunion, Schwarzafrika und dem Nahen Osten. WikiLeaks will jedoch auch all denen zur Seite stehen, “die unethisches Verhalten in ihren eigenen Regierungen und Unternehmen enthüllen wollen.” Nach Tracy Schmidt vom Nachrichtenmagazin Time könnte sich WikiLeaks zu einem ebenso wichtigen journalistischen Werkzeug wie der Freedom of Information Act entwickeln.

Eine gute und wichtige Sache, wenn man bedenkt, dass weltweit nicht nur Staatsmächten und Politikern, sondern auch zahlreichen Unternehmen und religiösen Gruppierungen, die allzu ungezügelte Meinungsäußerung ein arges Dorn im Auge ist … und das nicht nur im Internet.

Wer ist böse? Das Internet oder die Gesellschaft?

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Wolfgang Kleinwächter beantwortet diese Frage in einem lesenswerten Telepolis-Artikel Websperren: Internetpolitik von Gestern eindeutig:

Es ist nicht das Internet, das “das Böse” in die Gesellschaft bringt, sondern es ist “das Böse in der Gesellschaft”, das sich nun auch den Weg ins Internet bahnt.

Aber nicht nur dieses Zitat, sondern den ganzen Artikel finde ich sehr lesenswert und ich war beim Durchlesen versucht fast jeden Satz zitieren zu wollen. Darum zumindest noch dies hier:

Die Informationsgesellschaft ist globaler, komplexer und viel differenzierter als es die Industriegesellschaft war und ist. Wird diese Komplexität ignoriert und verweigert man sich einer Modernisierung der Politik, richten gut gemeinte insulare Lösungen mehr Schaden an als Nutzen. Einfach sperren – d.h. “Augen zu”, wenn Böses auf dem Laptop erscheint – ist so innovativ wie die Einführung des “Index Librorum Prohibitorum” durch die katholische Kirche nach Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks.

Wolfgang Kleinwächter ist übrigens Professor für Internet Politik und Regulierung an der Universität Aarhus.


PS: Das Bild habe ich übrigen auf Wikimedia gefunden und es stammt von Friedrich Böhringer.

17. August 2009
von Matthias Zellmer
Profilbild von Matthias Zellmer

Das Marketing ist tot … es lebe das Marketing

Mit Werbung und Marketing kenne ich mich nicht aus. Das habe ich zumindest bisher jeder erzählt, die mich als Web-Menschen in eine solche Kategorie stecken wollte. Nachdem ich mir jedoch die Rede von Amir Kassaei (siehe das Video oben) auf dem DMMK am 9. Juni dieses Jahres in Berlin angesehen und gehört habe, muss ich diese Selbsteinschätzung vielleicht doch ein wenig revidieren. Vielleicht muss ich einer Person, die mich danach fragt, ob ich mich mit Werbung oder Marketing auskenne, von nun an antworten: Mit der Werbung bzw. dem Marketing, wie du sie bisher erleben musstest, kenne ich mich nicht aus, aber vielleicht kann ich dir was darüber erzählen, wie Werbung und Marketing im Zeitalter des vernetzten All-in-One-Mediums Internet laufen könnte.

Aber warum kenne ich mich plötzlich mit Werbung bzw. Marketing aus? Im Prinzip tue ich das nur, weil ich finde, dass Amir Kassaei recht hat, wenn er davon spricht, dass

das Internet [...] die komplette Branche auf den Kopf stellen [wird].

Kassaei spricht bei seinem sehenswerten Vortrag von einem fundamentalen Paradigmenwechsel durch das Internet. Die Werbung der Zukunft muss den Kunden Orientierung geben, statt sie wie bisher mit Informationen, Produkten, Marken und Versprechen zu überladen. Er ist der Meinung, dass die Awareness tot sei und dass die Relevanz an seine Stelle treten muss. Die Menschen würden inzwischen Werbung “riechen”. Was nichts anderes bedeutet, als dass sie gelernt haben, damit intuitiv umzugehen. Dazu gehört auch, dass sie Werbung auch schlichtweg “ausschalten” können, real via Fernbedienung, Toilettengang oder Ad-Blocker oder auch geistig, nach dem Prinzip “da rein, da wieder raus”. Aber Werbung, die den Menschen relevant vorkommt, wird wahrgenommen. Das kann eine Relevanz durch Nutzen oder Mehrwert sein. Mich erinnert das irgendwie an “unseren” Begriff der User Experience.

Das die Marketing-Blase, von der Kassaei spricht, irgendwann platzen wird, liegt seiner Meinung nach auch daran, dass durch das Internet die kompletten Mechanismen der Werbe-Branche grundlegend gefährdet sind. Sie sind nämlich all zu oft Medium-orientiert. Aber das Internet führt alle Medien nicht nur zusammen, sondern fügt diesen auch noch Rückkanäle hinzu und lässt somit nur noch Spielraum für offene und ehrliche Kommunikation … und Kommunikation findet nun mal zwischen Menschen statt. Kassaei sagt dazu:

Die Menschen sind das Trägermedium schlechthin!

Übrigens bin ich auf das Video dieser Rede via Fischmarkt aufmerksam geworden, dem Blog der Werber Interaktiven von SinnerSchrader. Die es im Kontext des Rücktritts von Kassaei vom Job des Sprechers des Art Directors Club für Deutschland e.V. (ADC) in ihren Blog-Beitrag eingebettet hatten. Scheint wohl so, dass seine Meinung vielleicht doch als zu kontrovers angesehen wird. Aber vielleicht habe ich ja doch keine Ahnung von Werbung und Marketing.

Das Medium ist die Botschaft

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Andreas Göldi hat gestern auf netzwertig.com mal wieder mal die guten alten Thesen des 1980 verstorbenen Medientheoretikers Marshall McLuhan herausgekramt und sie im Lichte des Internets betrachtet. Herausgekommen ist ein sehr lesenswerter Beitrag, in dem er zum Beispiel ganz richtig schreibt:

Eine von McLuhans Kernthesen ist im knackigen Satz “Das Medium ist die Botschaft” zusammengefasst. Damit drückte McLuhan aus, dass die essentiellen Eigenschaften eines Mediums erheblich bestimmen, wie es von den Konsumenten wahrgenommen wird und damit auch, welche Inhalte darin funktionieren.

In der Folge beschreibt Göldi u.a. auch wie der Buchdruck die revolutionäre Zeit der Aufklärung vielleicht erst richtig möglich gemacht hat. Oder auch wie sich das Musik hören von den Zeiten als Schallplatten das Nummer-Eins-Musik-Medium bis zum heutigen iPod-Zeitalter verändert hat.

Schlussendlich schreibt Göldi ganz richtig:

Medienunternehmen müssen lernen, die verschiedenen Charakteristiken unterschiedlicher Internet-basierter Medien (und davon gibt es immer mehr) zu nutzen und ihre Angebote dort zu fördern, wo Inhalte Priorität vor Interaktion haben.

Dazu gehört meiner Meinung auch, dass man in diesen revolutionären Zeiten der vernetzten und interaktiven Medien auch die etablierten Geschäftsmodell in Frage stellen muss. Dazu werden wohl noch einige alte Zöpfe abgeschnitten werden (müssen).

Aber jetzt schnell rüber zu Andreas Göldis Artikel Das Medium ist auch die kommerzielle Botschaft. Lesebefehl!

Das Ende der Mitverdiener

achtung

Wenn ich mich recht erinnere, dann fing es mit den Reisebüros an. Sie waren die erste Branche, die ich zu den Mitverdienern rechnen würde, die durch das Internet öffentlich vernehmbar in Bedrängnis geraten sind. Später kamen die CD-Läden, die Buchhandlungen und viele weitere hinzu … allgemein: die Zwischenhändler bzw. die Verwerter oder einfach die, die an den Leistungen der anderen mitverdient haben.

Doch es bleibt nicht nur bei den Verkäufern von Waren, die andere erzeugt bzw. Dienstleistungen, die andere erbringen, auch die Verlage und Sendeanstalten sind inzwischen durch das Internet ins Schwierigkeiten gebracht worden. Zudem sind die althergebrachten Versandhäuser von den Entwicklungen überrollt worden bzw. von ihnen überfordert. Und nun gibt es auch noch mit der Piratenpartei eine Partei, die die Politik direkter machen will. Sie nennen das basisdemokratisch. Das ist sowas, wie der politische Longtail.

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr Waren oder Dienstleistungen fallen mir ein, die nicht mehr so an den Mann bzw. Frau gebracht werden, wie noch vor 15 Jahren. Und doch stehen wir erst am Anfang dieser Entwicklungen. Die breite Masse der Menschen haben nämlich noch nicht mal ansatzweise verstanden, was für Möglichkeiten das Internet mit dem so genannten Longtail diesbezüglich für sie offenbaren könnte. Und wenn den “Großen” erst einmal das Geld ausgeht (siehe Quelle … trotz veraltetem Geschäftsmodell erst mal “gerettet”), dann glaube ich, dass es noch viel Ärger geben wird. Dann werden wir immer mehr Regulierungswünsche der einschlägigen Lobby-Gruppen hören. Das könnte schmutzig werden … sehr schmutzig. Und wenn sich unsere Regierenden weiterhin so inkompetent zeigen, wie bei der aktuellen Zensursula-Debatte, dann kann es durchaus an die Grundpfeiler unserer Gesellschaft gehen.

Und frei nach den Die Fantastischen Vier würde ich sagen: Es wird Ärger geben …

Long Term Evolution – Japan startet 2010 die 4. Mobilfunk-Generation

fastmobile

Mit bis zu 100 Megabit pro Sekunde sollen die Japaner dank Long Term Evolution (LTE) ab 2010 mobil im Netz unterwegs sein können. Das LTE läutet dann die 4. Generation der Mobilfunkstandards ein und wird somit im Maximum fast 14mal schneller sein als die aktuelle 3. Generation … auch als UMTS gekannt.

Doch wie die Trendpiraten ganz richtig schreiben:

Wie auch bei UMTS sind die angepriesenen 100 Mbit/s zunächst nur ein theoretischer Wert: Early Adopter müssen sich zunächst mit 25 bis maximal 50 Mbit/s zufrieden geben, was aber immerhin deutlich schneller ist, als derzeit die meisten Deutschen mit ihren DSL-Leitungen im Netz unterwegs sind. Die höheren Downloadbandbreiten sollen nach Expertenschätzungen erst in gut 10 Jahren erreicht werden können. Ein feines Detail, das Netzbetreiber in ihrer Werbung sicherlich zu kaschieren wissen werden.

Jetzt wissen wir aber zumindest mal, wo die Reise mit dem mobilen Web grob hingehen wird. Bin mal gespannt, ob die Bundesrepublik dann irgendwann auch wieder so einen Reibach machen wird, wie einst bei der Versteigerung der UTMS-Lizenzen im Jahr 2000 …

08. Mai 2009
von Matthias Zellmer
Profilbild von Matthias Zellmer

Petition gegen Internetsperren-Gesetz

zensursula

Derzeit läuft eine Petition an den Deutschen Bundestag mit dem Titel “Internet – Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten“. Die von Franziska Heine eingereichte Petition kann noch bis zum 16.06.2009 mitgezeichnet werden … auch online.

Um was geht es in dieser Petition?

Text der Petition
Wir fordern, daß der Deutsche Bundestag die Änderung des Telemediengesetzes nach dem Gesetzentwurf des Bundeskabinetts vom 22.4.09 ablehnt. Wir halten das geplante Vorgehen, Internetseiten vom BKA indizieren & von den Providern sperren zu lassen, für undurchsichtig & unkontrollierbar, da die “Sperrlisten” weder einsehbar sind noch genau festgelegt ist, nach welchen Kriterien Webseiten auf die Liste gesetzt werden. Wir sehen darin eine Gefährdung des Grundrechtes auf Informationsfreiheit.

Begründung
Das vornehmliche Ziel – Kinder zu schützen und sowohl ihren Mißbrauch, als auch die Verbreitung von Kinderpornografie, zu verhindern stellen wir dabei absolut nicht in Frage – im Gegenteil, es ist in unser aller Interesse. Dass die im Vorhaben vorgesehenen Maßnahmen dafür denkbar ungeeignet sind, wurde an vielen Stellen offengelegt und von Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen mehrfach bestätigt. Eine Sperrung von Internetseiten hat so gut wie keinen nachweisbaren Einfluß auf die körperliche und seelische Unversehrtheit mißbrauchter Kinder.

Gefunden auf spreeblick.de

Die Internetprovider und die Zensur

zensur

Wie die deutschen Internetprovider mit dem Ansinnen des Bundeskabinett umgehen, bestimmte Webseiten von ihrer Seite aus zu blockieren, kann man auf der Website zensurprovider.de nachlesen und beobachten.

Da legen einzelnen Provider die unterschiedlichsten Art an den Tag mit der von der Bundesregierung gewünschten Zensur umzugehen … und was anderes ist es schlussendlich nicht: gewünscht & Zensur. Ein Gesetz gibt es ja noch nicht. Während solche Provider, wie die Telekom, Kabel BW oder Vodafone freiwillig zensieren, hat manitu angekündigt, im Falle eines Gesetzesbeschlusses gerichtlich dagegen vorzugehen … bis zum Bundesverfassungsgericht.

Ich kann mich da nur Jan Theofels Meinung anschließen:

Hände weg von Zensur im Internet! Steckt das Geld lieber in sinnvolle Projekte gegen Kinderpornografie! Denn das diese wirksam(!) bekämpft werden muss, steht außer Frage.

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