Das Internet ist dumm … und das ist auch gut so
Der Spiegel-Online-Autor Christian Stöcker erläutert in seinem Vortrag kompetent und gelassen, warum Netzneutralität wichtig und keine Sache ist, die vielleicht ein paar Nerds angehen sollte, sondern uns alle.
Auf Carta.info haben sie die sieben Kernthesen Stöckers aufgelistet:
- Das Internet ist dumm und das ist auch gut so.
- An vielem, was das Netz gefährlich macht, sind die Nutzer selbst schuld.
- Die Staaten dieser Welt werden sich nicht darüber einigen, wie das Netz sein sollte. Aber ein Minimalkonsens in Sachen Verbrechensbekämpfung lässt sich herstellen.
- Wir sollten aufhören, vermeintlichen Exhibitionismus anzuprangern, solange wir den Menschen ins Wohnzimmer starren. Wir brauchen eine neue Definition von Öffentlichkeit.
- Jugendschutz ist wichtig, aber nicht wichtiger als alles andere. Mit Providern als Zensor wäre das Ende des freien Netzes gekommen.
- Urheberrechte sind wichtig, aber nicht wichtiger als Bürgerrechte.
- Die Vorteile des freien Internets überwiegen seine Nachteile. Wer das Internet für überwiegend schädlich hält, muss ein Menschenfeind sein.
Das trifft es schon ganz gut. Wer noch mehr über dieses wichtige Thema erfahren möchte, sollte mal bei netzpolitik.org oder dem zugehörigen Wikipedia-Artikel vorbei schauen. Und sogar der US-Präsident Obama kennt sich damit aus und befürwortet ein freies und neutrales Netz:
von Matthias Zellmer
TED: Tim Berners-Lee über das WWW und seine Zukunft
Vor 20 Jahren erfand Tim Berners-Lee das World Wide Web. In seinem nächsten Projekt möchte er ein Netz für offen zugängliche und verknüpfte Daten schaffen, das für Zahlen das erreichen könnte, was das Web für Wörter, Bilder und Videos geleistet hat: unsere Daten frei zur Verfügung zu stellen und die Art und Weise, wie wir sie verwenden und kombinieren, neu zu gestalten.
von Matthias Zellmer
Ab Oktober Zahlen und ein- bzw. zweistellige .de-Domains
Ab 23. Oktober soll es laut domain-recht.de möglich sein, ein- bzw. zweistellige .de-Domains sowie Domains nur mit Zahlen anzumelden. Dort ist zu lesen:
Auslöser dieser Änderung ist ein Urteil des Oberlandesgericht Frankfurt, in dem die DENIC im April 2008 verurteilt wurde, die Domain vw.de zuzulassen; eine hiergegen gerichtete Nichtzulassungsbeschwerde der DENIC vor dem Bundesgerichtshof in Karlsruhe blieb nun erfolglos, so dass die Entscheidung aus Frankfurt rechtskräftig ist.
Jetzt wird es wohl einen einem Gold-Rausch alle Ehre machenden Ansturm auf diese vorher nicht zugelassenen .de-Domains geben. Wer jetzt diesbezüglich auch schon ein Kribbeln verspürt, sollte daran denken, dass die Durchsetzungswilligkeit des Markenrechts bei Markeninhabern nicht zu unterschätzen ist.
von Matthias Zellmer
Digitale Kulturtechniken – Quo vadis?

Am vergangenen Samstag Abend fuhren wir zu einem Bloggertreffen in der Nähe des Stuttgarter Flughafens. In der lockeren Atomsphäre kamen einige interessanten Themen auf den Tisch. Besonders nachhaltig hat mich, die eher zufällig in den Raum gestellte Frage, nach unserem Umgang mit dem Internet in 20 Jahren beschäftigt.
Natürlich kommen einem da erst einmal eher technische Weiterentwicklungen bei der Ein- und Ausgabe in den Sinn: Hologramme, Sprachsteuerung und andere vor allem aus TV-Serien wie Star Trek bekannten Neuerungen werden in unseren Vorstellungen in der Zukunft allgegenwärtig sein. Auch das Fehlen jeglicher Peripherie wird in den menschlichen Fantasien durchaus für möglich erachtet. Das Gehirn als unmittelbare Schnittstelle, die die Ein- und Ausgabe direkt und ohne Umweg über unsere Sinne übernimmt … Warum nicht? Für Viele ist dies nur eine Frage des technischen Fortschritts auf dem Gebiet der Nano-Technologie.
Doch ist für mich eine Fragestellung, die etwas von den technischen Entwicklungen weg geht, mindestens genauso spannend: Welche digitalen Kulturtechniken werden sich in den kommenden 20 Jahren etablieren?
Vor ein paar Jahren war es noch überhaupt nicht üblich, dass alle in unserer Gesellschaft lebenden Menschen eine E-Mail-Adresse haben. Heute ist diese digitale Abstinenz selbst bei vielen Menschen im Ruhestand nicht mehr vorauszusetzen. Doch schickt sich auf der anderen Seite Google gerade an, die gute alte E-Mail durch die Wave zu ersetzen. Auch haben sich mit dem Web2.0 die Vorstellungen viele Aktivitäten im Web sehr von dem Begriff der “Homepage” gelöst. Inzwischen ist es für viele Internet-Nutzer übliche Praxis, dass sie ihre Inhalte und ihre Kommunikation übers Web verteilen.
Im Zuge dessen, dass sich immer mehr Menschen offen im Web darstellen und darüber hinaus auch zulassen, die absolute Kontrolle über das eigene digitale Erscheinungsbild abzugeben, entwickelt sich vielleicht gerade eine neue Offenheit. Die dann auch den Begriff der Privatheit, wie er sich in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat, nicht nur in Frage stellt, sondern auch zwangsläufig verändert.
Doch wie geht das alles weiter? Wir haben in den letzten Jahren erleben dürfen, wie sich im und durch das Internet eine Entwicklung vollzogen hat, die von vielen Mächtigen entweder gar nicht so richtig bemerkt wurde bzw. von anderen mit dem väterlichem Wohlwollen des Hörner-Abstoßen-Lassens, weitest gehen parallel zu den etablierten Mechanismen der “realen” Welt stattfinden konnte. Doch diese Zeiten sind vorbei. Die Gornys, Burdas und von der Leyens dieser Welt, haben das Internet als Gefahr für ihre oder die Geschäftsmodelle der sie bezirzenden Lobbys wahrgenommen. Darum ist es leider nicht selbstverständlich, dass sich die vernetzte globale Gesellschaft in Frieden und Freiheit weiterentwickeln kann.
Ich hoffe wirklich, dass sich in den kommenden 20 Jahren weiterhin digitale Kulturtechniken weiter bzw. neu entwickeln werden können. Ich hoffe auf, die Bildung und das Wissen, sowie Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit stärkende digitale Kulturtechniken. Doch für selbstverständlich halte ich sie genau so wenig, wie die technologischen Neuerungen, die uns die Serien Star Trek im Fernsehen zeigt.
von Matthias Zellmer
Content Long Tail

Die Session Schreiben für das bzw. im Web auf dem zweiten Stuttgarter Barcamp ist mit Sicherheit anders verlaufen als geplant. Zunächst haben wir in einer Runde von gut 15 Leuten Aspekte und Fragen zum Thema gesammelt, um vielleicht ein bis zwei inhaltliche Schwerpunkte herauszuarbeiten. Der erste Schwerpunkt war dann auch schnell gefunden: Schreiben für eine Zielgruppe.
Doch hier wurde es interessant. Denn als von jemandem die These in den Raum gestellt wurde, jeder würde doch für eine bestimmte Zielgruppe schreiben, äußerten einige Blogger im Raum ein gewisses Unbehagen. Vor allem Rozana und ich wollten diese These so nicht stehen lassen … wir hatten wohl diesbezüglich beide ein ähnliches Bauchgefühl.
In der anschließenden Diskussion arbeiten wir gemeinsam heraus, dass im Gegensatz zu vielen klassischen Inhaltsproduzenten, viele Blogger nicht für eine Zielgruppe schreiben, sondern eher für sich selbst und sich vor allem Themen vornehmen, die sie (gerade) sehr interessieren. Und das vor allem dann, wenn diese Blogger nicht auf die Einnahmen ihres Blogs angewiesen sind.
Ich würde hier von einem Content Long Tail sprechen. Denn so wie im Internet Nischenprodukte besonders gut ihre Abnehmer finden, so finden dort gute Artikel und sonstige Inhalte auch ihre Interessenten. Der Inhalt muss nicht für einen Massenmarkt … also eine vielleicht sogar künstlich konstruierte Zielgruppe … eine hohe Qualität haben, sondern vielleicht nur für einige wenige.
Das sich mit für den Massenmarkt uninteressant (gewordenen) Produkten auch noch Geld verdienen lässt, zeigt uns das Social-Commerce-Versandhaus Amazon. Während ältere CDs in Musikgeschäften oftmals verramscht werden, steigt bei Amazon häufig ihr Preis sogar an. Denn wer dann nun noch Interesse an einer CD hat, die schon lange aus den Charts raus ist, wird auch eher bereit sein, ein bisschen tiefer in seine Tasche zu greifen.
Das der Long Tail auch bei Inhalten funktionieren kann, zeigen nicht nur Speziell-Interests-Blogs, sondern auch Speziell-Interests-Magazine, denen von vielen ein Überleben in der Print-Krise vorausgesagt werden … doch auch nur, wenn die Qualität der Inhalte stimmt. Und das ist es, was ein Medium wie das Internet verlangt: Qualität. Doch was herauskommt, wenn man die Qualität eines inhaltlichen Produkts an einen Massenmarkt immer mehr anzupassen versucht, sieht man bei den vielen Hitradios in diesem Land. Da lobe ich mir doch die, die ihre Nische besetzten und für diese dann inhaltlich Hochwertiges produzieren … auch wenn es nur wenige interessiert. Die interessiert es dann dafür um so mehr.
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Der Bildausschnitt oben stammt von einem Flickr-Foto von René Ehrhardt.
von Matthias Zellmer

















