Lese-Empfehlungen der KW3

In dieser Woche habe ich endlich mal wieder ein bisschen Zeit gefunden, um meinen RSS-Reader etwas nachhaltiger abzuarbeiten. Heißt, dass ich mir auch für das Lesen etwas umfangreichere Beiträge und Artikel mal wieder etwas Zeit hatte. Darum möchte ich heute hier ein paar ausgewählte Beiträge empfehlen:
#1 Das Drama der Relevanz, oder: Warum Offline-Kriterien nicht auf Online-Enzyklopädien angewandt werden sollten
- In diesem Gastbeitrag auf Digiom beleuchtet Regine Heidorn anschaulich die Problematik der Relevanz-Kriterien für Wikipedia-Einträge. Ein gerade für die deutschsprachige Wikipedia wirklich brisantes Thema.
#2 Angst vor Google – Gedanken zu einer Debatte
- Auf KoopTech hat sich Thomas Wanhoff mal die Mühe gemacht, ein paar Thesen aus dem ZeitOnline-Artikel Im Google-Wahn von Susanne Gaschke kritisch zu beleuchten.
#3 Agenda 2010 für digitale Bürgerrechte
- Seit 1990 beschäftigt sich die Electronic Frontier Foundation (EFF) mit der Wahrung der den Bürgerrechten im Cyberspace und hat im Zuge dessen einen Ausblick auf die Entwicklung der digitalen Bürgerrechte für das laufende Jahr vorgenommen.
# 4 Kapitalismus 3.0: Jahrzehnt des kreativen Kapitalismus
- Nicht nur ein Jahr, sondern gleich ein ganzes Jahrzehnt versucht der selbst ernannte Zukunftsforscher Matthias Horx in die Zukunft zu sehen … und Carl Batisweiler berichtet darüber auf wallstreet:online
# 5 Die ganz große Bühne
- In dem Beitrag auf agenturblog.de beschäftigt sich Oliver Wagner nicht mit der Politik oder dem Theater, sondern mit der sehr starken Inhaltsdarstellungsform … nicht nur für Blogs.
von Matthias Zellmer
Beziehungskiste Web 2.0 – wir könnten Film werden
Tillmann Allmer, der einigen im Web auch als tristessedeluxe bekannt ist, möchte einen Film darüber machen, wie sich unser Leben durch die Verlängerung unsere sozialen Aktivitäten im Netz verändern bzw. schon verändert haben. Genaueres beschreibt er im Video oben.
Der dokumentarischen Film mit dem Thema Beziehungskiste Web 2.0 soll nach den Vorstellungen Tillmanns im Rahmen des ZDF-Wettbewerbs Bodybits verwirklicht werden. Dazu braucht er aber genügend Unterstützer beim Online-Voting.
Wer Interesse an einem solchen Film hat, sollte nun mal auf Tillmann Blog Tristesse Deluxe vorbei schauen, denn dort beschreibt genau, wie man für ihn abstimmen kann.
Via Text & Blog
von Matthias Zellmer
Content Long Tail

Die Session Schreiben für das bzw. im Web auf dem zweiten Stuttgarter Barcamp ist mit Sicherheit anders verlaufen als geplant. Zunächst haben wir in einer Runde von gut 15 Leuten Aspekte und Fragen zum Thema gesammelt, um vielleicht ein bis zwei inhaltliche Schwerpunkte herauszuarbeiten. Der erste Schwerpunkt war dann auch schnell gefunden: Schreiben für eine Zielgruppe.
Doch hier wurde es interessant. Denn als von jemandem die These in den Raum gestellt wurde, jeder würde doch für eine bestimmte Zielgruppe schreiben, äußerten einige Blogger im Raum ein gewisses Unbehagen. Vor allem Rozana und ich wollten diese These so nicht stehen lassen … wir hatten wohl diesbezüglich beide ein ähnliches Bauchgefühl.
In der anschließenden Diskussion arbeiten wir gemeinsam heraus, dass im Gegensatz zu vielen klassischen Inhaltsproduzenten, viele Blogger nicht für eine Zielgruppe schreiben, sondern eher für sich selbst und sich vor allem Themen vornehmen, die sie (gerade) sehr interessieren. Und das vor allem dann, wenn diese Blogger nicht auf die Einnahmen ihres Blogs angewiesen sind.
Ich würde hier von einem Content Long Tail sprechen. Denn so wie im Internet Nischenprodukte besonders gut ihre Abnehmer finden, so finden dort gute Artikel und sonstige Inhalte auch ihre Interessenten. Der Inhalt muss nicht für einen Massenmarkt … also eine vielleicht sogar künstlich konstruierte Zielgruppe … eine hohe Qualität haben, sondern vielleicht nur für einige wenige.
Das sich mit für den Massenmarkt uninteressant (gewordenen) Produkten auch noch Geld verdienen lässt, zeigt uns das Social-Commerce-Versandhaus Amazon. Während ältere CDs in Musikgeschäften oftmals verramscht werden, steigt bei Amazon häufig ihr Preis sogar an. Denn wer dann nun noch Interesse an einer CD hat, die schon lange aus den Charts raus ist, wird auch eher bereit sein, ein bisschen tiefer in seine Tasche zu greifen.
Das der Long Tail auch bei Inhalten funktionieren kann, zeigen nicht nur Speziell-Interests-Blogs, sondern auch Speziell-Interests-Magazine, denen von vielen ein Überleben in der Print-Krise vorausgesagt werden … doch auch nur, wenn die Qualität der Inhalte stimmt. Und das ist es, was ein Medium wie das Internet verlangt: Qualität. Doch was herauskommt, wenn man die Qualität eines inhaltlichen Produkts an einen Massenmarkt immer mehr anzupassen versucht, sieht man bei den vielen Hitradios in diesem Land. Da lobe ich mir doch die, die ihre Nische besetzten und für diese dann inhaltlich Hochwertiges produzieren … auch wenn es nur wenige interessiert. Die interessiert es dann dafür um so mehr.
—
Der Bildausschnitt oben stammt von einem Flickr-Foto von René Ehrhardt.
von Matthias Zellmer
Axel Springer gegen Kostenlos-Internet
Gerade lese ich bei horizont.net, dass Mathias Döpfner, der Vorstandsvorsitzende von Axel Springer, sich mal wieder über die “Kostenlos-Kultur” des Internets ausgelassen hat. Er kündigte in der FAZ an:
Sämtliche Inhalte auf Smartphones werden wir auf Dauer gegen Gebühr anbieten.
Dazu kann ich mal wieder nur sagen: Der Journalismus ist tot … es lebe der Journalismus. Und zwar der wahre, wirklich und nicht nur bei der DPA abgeschriebene. Es sind nämlich eigentlich die mediengebundenen Geschäftsmodelle, die tot sind.
Die Verlagsblase ist offensichtlich nicht geplatzt, wie etwas die US-Immobilienblase, sondern ihr entweicht nach und nach die Luft. Und dies geschieht so langsam, dass noch genug Kraft bleibt, um die Ellenbogen auszufahren. Dabei müssten wirklich neue, medienneutrale und auf Inhalt, Mehrwert und Relevanz ausgerichtete Geschäftsmodelle her … und nicht nur wieder ein weiteres mediengebundendes (nämlich ans iPhone). Das ist doch im Prinzip wieder nur die alte Denke.
— Update —
Ich sehe gerade, dass sich Thomas Knüwer auf Indiskretion Ehrensache auch dem Thema angenommen hat: Der Verlegerdukatenhoffnungsesel Iphone
von Matthias Zellmer
Das Medium ist die Botschaft
Andreas Göldi hat gestern auf netzwertig.com mal wieder mal die guten alten Thesen des 1980 verstorbenen Medientheoretikers Marshall McLuhan herausgekramt und sie im Lichte des Internets betrachtet. Herausgekommen ist ein sehr lesenswerter Beitrag, in dem er zum Beispiel ganz richtig schreibt:
Eine von McLuhans Kernthesen ist im knackigen Satz “Das Medium ist die Botschaft” zusammengefasst. Damit drückte McLuhan aus, dass die essentiellen Eigenschaften eines Mediums erheblich bestimmen, wie es von den Konsumenten wahrgenommen wird und damit auch, welche Inhalte darin funktionieren.
In der Folge beschreibt Göldi u.a. auch wie der Buchdruck die revolutionäre Zeit der Aufklärung vielleicht erst richtig möglich gemacht hat. Oder auch wie sich das Musik hören von den Zeiten als Schallplatten das Nummer-Eins-Musik-Medium bis zum heutigen iPod-Zeitalter verändert hat.
Schlussendlich schreibt Göldi ganz richtig:
Medienunternehmen müssen lernen, die verschiedenen Charakteristiken unterschiedlicher Internet-basierter Medien (und davon gibt es immer mehr) zu nutzen und ihre Angebote dort zu fördern, wo Inhalte Priorität vor Interaktion haben.
Dazu gehört meiner Meinung auch, dass man in diesen revolutionären Zeiten der vernetzten und interaktiven Medien auch die etablierten Geschäftsmodell in Frage stellen muss. Dazu werden wohl noch einige alte Zöpfe abgeschnitten werden (müssen).
Aber jetzt schnell rüber zu Andreas Göldis Artikel Das Medium ist auch die kommerzielle Botschaft. Lesebefehl!
von Matthias Zellmer


















