Hashtags als Rückkanal für Print?
Auf macx.de wurde kürzlich eine simple, aber interessante Idee im Bezug auf den Rückkanal auf dem Web zu bestimmten Print-Artikeln gepostet. Wenn jeder Artikel einen eigenen uniquen Hashtag hätte, dann könnte sich im Social Web immer mit diesem auf den Artikel bezogen werden.
Idealerweise würde dieser Hashtag auch noch die URL-ID eines zugehörigen URL-Verkürzungsdienstes sein. D.h. wenn sich die Verlage auf eine Art normierten, webgerechten Identifizierer für jeden Artikel einigen könnten, dann könnte man damit einen Rückkanal etablieren, den es auf Verlagsseite nur noch zu monitoren gelten würde.
Ein interessanter Ansatz, wie ich finde. Doch auch er erfordert ein weiteres Umdenken in der Verlagsbranche. Angesichts der Sichtweise, die diese jedoch noch kürzlich in ihrer Hamburger Erklärung an den Tag gelegt hat, bin ich diesbezüglich eher skeptisch. Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren.
von Matthias Zellmer
GALORE lebt
Man muss im Magazindschungel schon genauer hinsehen, um innovative und interessante Konzepte zu entdecken. Das Interview-Magazin “Galore” war sichlich eines davon. Leider musste es, laut Chefredakteur Sascha Krüger, aufgrund von “wirtschaftlichen Erwägungen” und der “gegenwärtigen Marktsituation” im Juni eingestellt werden. Ich muss sagen, daß mich während des Lesens dieser Meldung das ungute Gefühl beschlichen hatte, vielleicht doch ein paar Mal zu oft am Bahnhofskiosk vorbeigehetzt zu sein ohne mir ein Exemplar zu kaufen.
Statt jedoch bei spielender Kapelle mit immerhin 905 Interviews in den Tiefen des Gutenberggrabens zu verschwinden, hat man sich entschieden das Magazin im guten alten Internet weiterzubetreiben und darüber hinaus auch einen Großteil der vergangenen Interviews in einem Archiv zugänglich zu machen. Kostenlos.
Wenn unser hypeverseuchtes Magazindickicht schon kein sonniges Plätzchen für Ideen wie GALORE bieten kann so bin ich mir doch sicher, daß sie im Netz gute Chancen haben um zu wachsen und zu gedeihen. Ich würde es mir wünschen und werde mit Sicherheit öfters mal vorbeischauen. Versprochen.
Nerdcore hat sich auch direkt ein paar zwiegesprächliche Perlen herausgepickt.
von Artur Richter
Zeitungen: 25 Aspekte fürs Überleben
Die Zukunft der Zeitungen scheint ja wirklich gerade ein heißes Thema zu sein. Auch bei Tom Foremski. Dieser veröffentlichte nämlich kürzlich auf seiner Website SiliconValleyWatcher nicht weniger als 25 Ideen für neue, offene Businessmodelle für Zeitungen. Gleich die ersten beiden Punkte auf seiner Liste unterstütze ich voll und ganz:
1: Focus on original content, do not rewrite wire stories or press releases. If newspapers start charging for content people are more likely pay for content they can’t get anywhere else.
2: Focus on hyper-local coverage, newspapers should “own” their regional beat because they have the best contacts and the best understanding of local companies and issues. For example, SF Chronicle or the San Jose Mercury should be breaking all the top Apple or Google stories.
Aber auch bei den restlichen Punkten sind viele gute Aspekte dabei, wie etwa:
6: Celebrate the best citizen journalists/bloggers in your communities, publish them on your platform.
Jetzt bin ich mal gespannt, wenn die Stuttgarter Zeitung oder die Stuttgarter Nachrichten bei uns anklopfen ;-)
Via RSS-Blogger
von Matthias Zellmer
Zeitung 2015 – eine Skizze

“Auf meine Zeitung am Morgen möchte ich nicht verzichten!” oder “Alles nur am Computer zu lesen, ist nichts für mich.” In eine solche Richtung gehen die Argumente, warum es auch in Zukunft noch weiterhin Zeitungen geben wird. Aber auch das Vertrauen im Bezug auf die Berichterstattung und die Themenvorauswahl der Zeitung seiner Wahl werden gerne genannt, wenn es in einer Diskussion um eine skizzierte Welt ohne Zeitungen geht. Trotz bzw. auch auf Basis dieser Punkte, möchte ich in der Folge mal skizzieren, wie auch in ein paar Jahren das Modell “Zeitung” aussehen könnte.
Das Medium Papier
Papier eignet sich hervorragend, um darauf etwas Gedrucktes zu lesen. Aber Papier bedruckt inzwischen fast jeder von uns zuhause. Also warum sollen wir denn nicht auch in Zukunft unsere Zeitung selbst ausdrucken?!
Die Themenauswahl
Mal Hand aufs Herz: Wer liest in der Zeitung auch Dinge, die ihn oder sie nicht interessiert? Und wenn doch, wie oft? Die Antwort auf diese Frage wird in aller Regel auf irgendwas zwischen “nie” und “hin und wieder” hinauslaufen. Also warum sollte man sich nicht eine Zeitung generieren lassen, die zum Großteil die Themen bedient, die mich interessieren? Hier kann man ja auch gewisse Freiheitsgrade definieren. Zum Beispiel könnte man einen Webdienst beauftragen: “Liefer mir jeden Morgen 4 DIN-A4-Seiten News aus den Themengebieten Sport, Wirtschaft und Politik und mische 10-15% Zufallsthemen darunter.” Sowas lässt sich auch heute schon fast automatisiert bewerkstelligen.
Distribution
Der Hauptgrund warum ich die taz nicht als Zeitung abonniert habe, ist weil ich sie nicht morgens mit in die S-Bahn nehmen kann. Da sie aus Berlin kommt, wird sie, wie ich bei einem Probe-Abo festgestellt durfte, per Post geliefert. D.h. ich habe am Abend eines Tages die Nachrichten vom Abend des Vortag zu lesen bekommen. Was vor 10 Jahren vielleicht noch akzeptabel war, ist heute einfach nicht mehr zeitgemäß. Abhilfe könnte da zum Beispiel ein kleiner Kasten bringen, den man an jeden Drucker anstöpselt und der per WLAN entweder zu einem bestimmten Zeitpunkt oder aber auf Knopfdruck die aktuellsten Nachrichten von dem besagten Webdienst abruft und mir meine persönliche, in dem Augenblick denkbar aktuellste Zeitung ausdruckt. Oder wahlweise auch auf meinen elektronischen Reader funkt.
Zeitungsverlage
Wenn ich mir mal die Aufgabe der Zeitungsverlage ansehe, dann haben wir es hier mit einem Netzwerk an journalistisch wirkenden Mensch zu tun und solchen, die deren Arbeit verwalten. Wunderbar! Genau das braucht der beschriebene Webdienst auch. Nur kann das Netzwerk offener sein und die Verwaltung sich eher auf den Betrieb des Dienstes beziehen. Aber im Grunde ist dieser Dienst der Zeitungsverlag der Zukunft.
Gewinner und Verlierer
In jedem Fall gehören die an Aktualität und Relevanz interessierten Leser zu den Gewinnern und wenn sie ein geeignetes Geschäftsmodell für den geschriebenen Webdienst finden, dann gehören auch deren Betreiber dazu. Verlierer sind in jedem Fall die Druckereien und ggf. auch die Abfallwirtschaft. Denn wenn der ganze überflüssige Kram, der einen sowieso nicht interessiert nicht in der persönlichen auftauchen muss, dann braucht man das ursprünglich dazu nötige Papier nicht zu bedrucken. Was ja auch wieder die Umwelt zu einem Gewinner machen würde. Aber das heute etablierte Verlagswesen ist sicher auch gefährdet.
Geschäftsmodell
Wer seine persönliche Zeitung werbefrei haben möchte, zahlt dafür. Wer nichts zahlen möchte, muss sich mit der enthaltenen Werbung arrangieren. Wobei es für die Werbeindustrie sicher sehr interessant sein dürfte, die Interessen der Leser so genau zu kennen. Sie bekommen sie ja quasi frei Haus geliefert!
Fazit
Es kann und wird auch wahrscheinlich im Jahr 2015 noch etwas geben, dass wir dann als Zeitung bezeichnen werden. Jedoch ist diese besonders im Hinblick auf die Punkte Aktualität, Personalisierung und Distribution grundlegend neu aufzustellen. Denn das Web verändert gerade radikal das diesbezügliche Verständnis der Menschen. Aber auch die Zeitungsverlage werden sich ändern müssen und zu Online-Nachrichten-Diensten werden müssen. Hier könnte vielen eine fundamentale Konsolidierung ins Haus stehen. Aber nicht nur die Nachrichten-Zusammenstellung könnte persönlicher werden, sondern auch die Nachrichten-Quellen, sprich die Journalisten könnten mehr in den Vordergrund und die Zusammensteller eher in den Hintergrund rücken. Denn für die Zusammenstellung sorgen wir dann selbst, im Zusammenspiel mit intelligente Algorithmen. Ich denke mal, dass jeder einzelne Journalist schon mal mit dem persönlichen Reputationsmanagement beginnen sollte, denn in Zukunft vertrauen wir dann nicht mehr den Zeitungsverlagen, sondern eher den einzelnen Menschen hinter jeder einzelnen Nachricht.
Und eins noch … warum habe ich 2015 als Beispieljahr gewählt? Sicher nicht, weil ich hier für heute technisch Unmögliches beschrieben hätte, sondern weil es in unserer Medienlandschaft gewachsene Strukturen gibt …
von Matthias Zellmer
Ein Interview mit mir zum Thema Twitterer in Stuttgart
Vor gut drei Wochen hatte ich das Vergnügen Dirk Baranek für einen Beitrag im Stuttgarter Szene-Magazin Lift über Twitterer in Stuttgart in einem E-Mail-Interview Rede und Antwort zu stehen.
Was Dirk so gefragt und was ich so geantwortet habe, findet ihr in der ungekürzten Fassung seit heute vorab auf seiner Website.
Das Interview mit mir ist Teil von mehreren Interviews mit einem Dutzend Twitterern aus der Region. Vor mir waren übrigens schon der geschätzte Martin Koser und die liebenswerte Rozana Vrandecic an der Reihe. Auch lesenswert …
von Matthias Zellmer




















