re:publica 2011
Im kommenden April findet in Berlin zum fünften Mal die re:publica statt. Bei der vom 13. bis 15. April 2011 im Friedrichstadtpalast stattfindenden Konferenz geht es wie immer um die aktuellen Trends und Hypes im und ums Internet.
Zudem ist es eines der angesagtesten Treffen des deutschsprachigen Web-Leute-Who-is-whos und eine wunderbare Gelegenheit mal die ganzen Leute zu Treffen, die man ansonsten vielleicht nur von Twitter, Facebook oder ihren Blogs her kennt … z.B. mich ;-)
Neuste Infos zur re:publica gibt es auf Twitter unter @republicaund die Tickets gibt es bei amiando.
von Matthias Zellmer
Das UXcamp – ein kurzer persönlicher Rückblick
Samstag und Sonntag war ich auf dem UXcamp in Berlin. Was ein UXcamp ist, hatte ich ja schon vergangenen Donnerstag grob beschrieben. Und um es gleich vorweg zu sagen: Das Wochenende war echt anstrengend, aber es hat sich mehr als gelohnt. Die Organisation war super und die Sessions, zu denen ich gegangen bin, durchweg interessant und lehrreich. Auf keinem der Barcamps, die ich zuvor besucht habe, habe ich die Qualität der Sessions als so konstant hoch in Erinnerung. Das spricht eindeutig dafür, dass das Konzept der Themen-Barcamps durchaus viel Sinn macht.
Besuchte Sessions am Samstag
Nach der großen Vorstellungsrunde und der Session-Planung am Samstag früh, bin ich zuerst zur Session “Visual Modelling in UCD Process” von Holger Deist gegangen. Holger, der bei SAP arbeitet, hat die Methoden der nutzerorientierten Gestaltung vorgestellt, wie sie bei SAP Anwendung finden. Diesen Einblick in die Arbeitsweise eines so großen Konzerns fand ich sehr eindrucksvoll und war Holger auch dankbar, dass seine Session nicht mal ansatzweise eine Werbeveranstaltung für SAP war. Das sich alle Firmenvertreter im Bezug auf das Repräsentieren ihres Arbeitgebers sehr charmant zurückgehalten haben, ist generell eine Tatsache, die mir auf dem UXcamp im Vergleich zu anderen Barcamps sehr positiv aufgefallen ist.
Sehr überrascht hat mich die Session “Besuchte Hyperlinks” von Marian Steinbach. Anhand der wirklich simplen Problem- bzw. Fragestellung “Wie soll man es im Bezug auf Design vs. Usability mit der Kennzeichnung von besuchten Hyperlinks halten?” wurden sehr viele die User Experience betreffende Punkte durchgesprochen.
Nach der Mittagspause ging es dann weiter mit der Session KISS-Prinzip angewendet bei Doodle von Reto Lämmler. Interessant fand ich hier die Methodik, wie man bei überfrachteten Benutzeroberflächen ggf. überflüssige Features herausfinden kann: “Kill a feature! Welches wäre deins?”.
In der Session “Agile Methoden” von Elizabeth Whitworth, die diesbezüglich auf das agile Vorgehensmodell Scrum setzt, wurde ziemlich viel diskutiert. Dabei vor allem über die Fragestellung, wie man mit Änderungen bei besprochenen konzeptionellen Anforderungen im schon laufenden Entwicklungsprozess (Grafik/Code/…) reagiert bzw. damit umgeht. Ein Teilnehmer berichtete zudem, dass sie bei allen Projekten 30% der Zeit für Change Requests und 20% zur Fehlerbehebung (Bugfixing) einplanen. D.h. die Hälfte der Projekt-Kapazität fließt in nicht geplante Tätigkeiten. Im Bezug auf Qualität, Budget und Einhaltung von Terminen hätten sie mit der Vorgehensweise sehr gute Erfahrungen gemacht.
Meine letzte Session des Samstags drehte sich ums Thema “Prototyping Tools und Methoden – Was nutze ich wann?” und wurde von Volker Gersabeck angeboten. Zu Beginn wurden grundlegende Methoden gesammelt und dann die einzelnen Tools daraufhin abgeklopft, ob und wie gut man diese Methoden mit dem jeweiligen Tool anwenden kann.
Besuchte Sessions am Sonntag
Nach einer netten kleinen Party am Samstag Abend ging es dann am Sonntag nicht weniger motiviert weiter. Zumindest bei denen, die da waren, denn die hohen Teilnehmerzahlen vom Samstag waren auch auf dieses Barcamp nicht zu halten. Während Samstag geschätzte 250 Leute da waren, glaube ich, dass Sonntag maximal 200 Teilnehmer den Weg ins schon ein wenig abgelegenen Erwin-Schrödinger-Zentrum der HU Berlin gefunden habe.
Gleich meine erste Session nach der Session-Planung am Sonntag hat mich sehr beeindruckt. Stefan Freimark hat darin über die Methoden in der Website-Konzeption referiert und mir sehr häufig aus der Seele gesprochen, wenn er die kleinen Problemchen im Konzepter-Alltag beschrieben hat. Auch konnte Stefan mir ein paar für mich sehr interessante Lösungsansätze mit auf den Weg geben.
Die Session von Tobias Glawe drehte sich um “Key Visuals und Visual Hotspots in Werbung und Design” und zeigte sehr praxisnah, wie mit dem bewussten Setzen von Aufmerksamkeitsfängern gearbeitet werden kann. Tobias zeigte vor allem anhand einer Passionata-Kampagne von vor 2 Jahren, wie die von dem Unternehmen anvisierten Zielgruppen mit der Kampagne umgegangen sind.
In der gemeinsam von Lisa Wenzel und Daniel Herding gehaltene Session “Prototypen mit Visio & Acrobat (Lisa Wenzel) / Protoreto: Digitalisierte Papierprotoypen mit Capture & Replay“, zeigten die beiden an Beispielen aus der Praxis, wie in ihren Teams mit den unterschiedlich Tools gearbeitet wird. Die beiden bestärken mich in der Erkenntnis, dass es im Endeffekt mehr auf Methoden als auf Tools ankommt. Leider bildete diese Session auch schon meinen persönlichen UXcamp-Abschluss. Denn leider wurde wohl irgendwann im Laufe des Tages die Session Axure angucken nach vorne verlegt, ohne dass ich es mitbekommen habe.
Fazit
Einer meinen beiden einzigen Kritikpunkte am UXcamp ist, dass mir eine mir wichtige Session durch ihre Vorverlegung durch die Lappen gegangen ist. Aber das ist dem Barcamp-Prinzip der sich selbst organisierenden Konferenzen geschuldet. Aber ich bin gerne bereit diese Tatsache zu akzeptieren, denn die Veranstaltung von Konfernzen nach im Barcamp-Prinzip ist ansonsten sehr vorteilhaft. Leider haben wieder einige Leute sich angemeldet und sind dann einfach nicht gekommen. Was auf der einen Seite legitim ist, aber unfair jenen gegenüber, die nicht mehr auf die auf 300 Personen beschränkte Teilnehmerliste gekommen sind und auf der Warteliste standen.
Was mir neben der hohen fachlichen Qualität wirklich positiv aufgefallen ist, dass die die Anzahl derer, die auf Barcamps gerne auch mal als Touristen (“Ich schau mir mal die Stadt an …”) bezeichnet werden, mir als relativ gering erschien. Wobei es ja auch durchaus okay ist, sich mal zwischendurch ein wenig zurück zu ziehen, da die meisten dort ja ihr Wochenende opfert. Auch ein voller Erfolg war das UXcamp unter dem Networking-Gedanken. Ich habe sehr viele gute Gespräche mit sehr kompetenten Menschen führen dürfen.
Alles in allem bin ich sehr zufrieden vom UXcamp abgereist und werde gerne wiederkommen, sollte es in 2010 wieder ein UXcamp geben. Vielen Dank auch noch mal an das Orga-Team. Ihr habt wirklich tolle Arbeit geleistet!
von Matthias Zellmer


