Trendpiraten zum Thema: Medienkrise
Trendpiraten – Episode 03 from Trendpiraten on Vimeo.
Es gibt eine neue Folge des Trendpiraten-TVs … die Dritte. Diesmal nehmen sich Joyce, Eggbert und Eila dem Thema Medienkrise an. Dazu gibt es noch eine recht umfangreiche Link-Liste zum Thema.
Interessant finde ich übrigens, dass die Trendpiraten mit ihrer kleinen Web-Sendung im Prinzip zu jener Medienkrise beitragen, über die sie in dieser Folge berichten. Die Folge kann nämlich jeder hier (!) kostenlos betrachten, bei sich auf der Website einbinden und anders als wir, die wir hier keine Werbung eingebunden haben, auch noch daran Fremd-Mitverdienen. Dabei ist die Produktion der einzelnen Trendpritaten-TV-Folgen bestimmt nicht gerade kostengünstig und schon gar nicht so kostenfrei, wie das Betrachten des jeweiligen Videos. Also: Quo vadis, Medien?
von Matthias Zellmer
Web-Unterricht an englischen Grundschulen
Die englische Tageszeitung The Guardian berichtete gestern, dass im Zuge der Reformierung des Lehrplans zukünftig auch das Nutzen des Web (2.0) an der Grundschule vermittelt werden soll.
Schüler sollen nach der Grundschulzeit in der Lage sein, Blogs, Podcasts, Twitter und Wikipedia als Informationsquellen nutzen zu können. Außerdem sollen nicht mehr nur Handschrift (also Schreiben mit einem Stift in der Hand), sondern auch der Umgang mit der Tastatur gelehrt werden. Und parallel zur Rechtschreibung sollen Schüler beigebracht bekommen, wie man mit Software zur Rechtschreibprüfung umgeht.
Diese Ansätze stammen von Sir Jim Rose, der von Regierungsministern beauftragt wurde, den Lehrplan für Grundschulen zu überarbeiten. Offiziell werden seine Vorschläge erst nächsten Monat veröffentlich – und erst dann wird sich auch die englische Politik dazu äußern.
Das Vermitteln von Web- und Computer-Kenntnissen in der Grundschule ist ein Ansatz, der viele neue Möglichkeiten mit sich bringt. Beispielsweise würden sich die verfügbaren Lehrmittel vervielfachen.
Voraussetzung ist aber, dass die Lehrkräfte mit dem Web (2.0) vertraut sind und es selbst adäquat nutzen können. Man kann nichts vermitteln was man selbst nicht versteht und beherrscht. Ob die Lehrkräfte (gerade ältere) dieser Aufgabe heute schon gewachsen sind … ?
via uk.techcrunch.com, thenextweb.com
von Katrin Schneider
Gefährlichkeit von Medienberichten
Auf BR-online im Bereich der Sendung quer habe ich gerade ein interessantes Video-Interview mit Prof. Joachim Kersten von der Hochschule für Polizei über die Gefährlichkeit von Medienberichten gesehen. Dieser warnt vor visuellen Darstellungen von Gewalt und betont, dass sich seriöse Berichterstattung hauptsächlich auf Sprache und Text konzentrieren sollte:
Der Mensch guckt auf Bilder. Bilder sind für uns das Schrecklichste, was es gibt.
Ein kurzes Interview mit ein paar sehr klugen Aussagen.
Via Twitter@abotis
von Matthias Zellmer
Interview zu Winnenden, Twitter und den Reaktionen der Medien
Die letzten Tage waren sehr turbulent. Ich bin ständig zwischen Fassungslosigkeit über eine unsagbar schreckliche Tragödie und dem Grübeln über die Reaktion der Medien auf diesen Amoklauf in unserer Nachbarschaft hin und her gerissen worden. Um das alles auch ein wenig zu verarbeiten, habe ich vergangenen Donnerstag einen Beitrag geschrieben, der zeigen sollte, warum auch ich als eigentlich Unbeteiligter auch persönlich von den Ereignissen in Winnenden betroffen war.
Auf diesen Beitrag wurde man auch beim Hessischen Rundfunk aufmerksam. Mischa Ehrhardt vom Informationsradio hr-info schickte mir darum auch eine Interview-Anfrage, da er sich gerne mit mir über meine “medialen Erfahrungen in dieser Woche” unterhalten wollte. Raus kam am Ende ein Telefoninterview, das gestern morgen in der hr-info Mediensendung Medien und Computer gesendet wurde.
Eigentlich wollte ich es nach dem Beitrag vom vergangenen Donnerstag mit dem Thema Winnenden eigentlich bewenden lassen. Doch da ich hr-info aus meiner Zeit in Gießen noch sehr gut in Erinnerung habe und ihre journalistische Arbeit schätze, habe ich mich dann noch bereit erklärt, dort noch einmal etwas dazu zu sagen. In Nachhinein bin ich auch froh, dass ich es getan habe und dass am Interview nicht essentiell herum geschnitten wurde.
Seit heute Morgen gibt es die ganze Sendung auch noch mal zum Nachhören als Podcast und hier als Mitschnitt mit meinem Interview als MP3.
Nachtrag: Wie meine Freundin Natali, die ja auch eine zentrale Rolle bei der im Interview angesprochenen Thematik spielte, den Tag und seine Folgen erlebt hat, hat sie nun auch in einem Blog-Eintrag veröffentlicht: Der Amoklauf von Winnenden, Twitter, die Presse & eine Tontaube.
von Matthias Zellmer
Winnenden hautnah – ein sehr persönlicher Rückblick
Gestern morgen klingelte das Telefon. Als ich ran ging, war meine Freundin dran. Sie wirkte aufgewühlt und riet mir nachdrücklich nicht vor die Tür zu gehen. Denn in unserem 5km entfernten Nachbarort Winnenden, in dem sie zu diesem Zeitpunkt auf der Arbeit war, hätte es soeben einen Amoklauf gegeben und der Täter sei auf der Flucht. Sie informierte mich kurz über das was sie wusste und wir vereinbarten später noch mal zu telefonieren.
Wie in Trance ging ich an meinen Rechner und wollte mich informieren. Doch da ich ein nun mal auch ein eifriger Twitterer bin, setzte ich ohne weiter darüber nachzudenken folgenden Tweet ab:
Krass! Meine Freundin hat gerade angerufen, in #Winnenden bei #Stuttgart hat es an einer Schule wohl einen #Amoklauf gegeben …
Kurz darauf entdeckte ich, dass meine Freundin, die als Tontaube twittert, zuvor schon diesen Tweet abgesetzt hatte:
ACHTUNG: In der Realschule Winnenden gab es heute einen Amoklauf, Täter angeblich flüchtig – besser nicht in die Stadt kommen!!!!
Und damit war sie die erste, die auf Twitter von dem Winnender Amoklauf berichtet hat. Was danach über sie hinein brach, war ein mediales Donnerwetter. Fast schon im Minutentakt bekam sie auf allen denkbaren Kanälen von allen denkbaren Medien Interview-Fragen und das europaweit. Von der Stuttgarter Zeitung (Handy) über TV France 24 (Skype) und CNN (Firmentelefon) bis zu Anfragen über ihrem Blog (BBC und Tagesanzeiger) und zahlreichen direkt über Twitter. An Arbeiten war für sie an diesem Tag nicht mehr zu denken. Doch sie hatte eigentlich nichts gesehen und wollte nur ihre Bekannten im Großraum Stuttgart auch auf diesem Weg vor der Gefahr eines umherirrenden Gewalttäters warnen. Somit kam dann irgendwann der Tweet, der auf vielen Websites als eine Art Hilfeschrei dargestellt wurde:
Liebe Presse: ich weiss doch auch nichts von dem Verrückten… #winnenden #amok
Später berichtete mir Natali zuhause, dass dies doch gar kein Hilfeschrei gewesen sei. Sie wollte nur keine falschen Hoffnungen wecken, denn sie war keine Augenzeugin … zum Glück. Am Ende des Tages war sie genau zu dem geworden, was sie mir mal scherzhaft unterstellt hat: ein Webceleb. Und nicht nur das, sie wurde u.a. auch in den Tagesthemen und im heute Journal erwähnt und die Anzahl ihrer Follower bei Twitter explodierte von 44 auf über 500!
Recht gelungene Beiträge über Natali und ihren Tag haben übrigens Der Westen und die taz gebracht … und Spiegel Online resümiert recht aussagekräftig:
Der Kurzzeit-Medienstar Natali Haug ist am Ende eines kontaktreichen Tages schon wieder zum ganz belanglosen Twitter-Alltag übergegangen: “Mal schauen, wie interessiert die Medien sind, wenn ich ab morgen wieder über Pfannkuchen twittere…”, schreibt sie am späten Nachmittag.
Gestern Abend unterhielten wir uns lange über den Tag und seine Ereignisse. Wie fassungslos wir über die schreckliche Tat waren (und immer noch sind), die in dem Ort hier um die Ecke ihren Ausgangspunkt nahm, in den wir so gerne samstags auf den Markt zum Einkaufen gehen. Dabei ist uns beiden aufgefallen, dass uns diese “Medien-Sache” irgendwie Halt gegeben hat. Daran kann man sich im übertragenen Sinn reiben und abarbeiten, denn das ist was mit dem man klar kommen kann. Diese Wahnsinnstat ist dies nicht. Mögen die Angehörigen der Opfer und die Stadt Winnenden und ganze Region auch etwas finden, woran sie sich festhalten und irgendwie wieder aufrichten können. Auch wenn dies sicher seine Zeit brauchen wird.
Nachtrag: Natali hat gestern Abend noch einen Artikel über ihr Erlebnisse des Tages für eine schwedische Tageszeitung geschrieben … 3000 Zeichen und in Englisch. Statt dem angebotenen Honorar hat sie übrigens um eine Spende für den WWF gebeten. Ich bin sehr stolz auf meine Freundin!
von Matthias Zellmer




















