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	<title>Netzlogbuch &#187; persönlich</title>
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	<description>Alles Gute aus dem Netz - Betrachtungen und Beobachtungen zum World Wide Web</description>
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		<title>Winnenden hautnah &#8211; ein sehr persönlicher Rückblick</title>
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		<pubDate>Thu, 12 Mar 2009 08:24:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Matthias Zellmer</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gestern morgen klingelte das Telefon. Als ich ran ging, war meine Freundin dran. Sie wirkte aufgewühlt und riet mir nachdrücklich nicht vor die Tür zu gehen. Denn in unserem 5km entfernten Nachbarort Winnenden, in dem sie zu diesem Zeitpunkt auf der Arbeit war, hätte es soeben einen Amoklauf gegeben und der Täter sei auf der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://twitter.com/tontaube/status/1309864040"><img src="http://netzlogbuch.de/wp-content/uploads/2009/03/tontaube.jpg" alt="tontaube" title="tontaube" width="480" height="287" class="alignnone size-full wp-image-2992" /></a></p>
<p>Gestern morgen klingelte das Telefon. Als ich ran ging, war meine Freundin dran. Sie wirkte aufgewühlt und riet mir nachdrücklich nicht vor die Tür zu gehen. Denn in unserem 5km entfernten Nachbarort Winnenden, in dem sie zu diesem Zeitpunkt auf der Arbeit war, hätte es soeben einen Amoklauf gegeben und der Täter sei auf der Flucht. Sie informierte mich kurz über das was sie wusste und wir vereinbarten später noch mal zu telefonieren.</p>
<p>Wie in Trance ging ich an meinen Rechner und wollte mich informieren. Doch da ich ein nun mal auch ein eifriger Twitterer bin, setzte ich ohne weiter darüber nachzudenken <a href="http://twitter.com/Zellmi/status/1309859908">folgenden Tweet</a> ab:</p>
<blockquote><p>Krass! Meine Freundin hat gerade angerufen, in #Winnenden bei #Stuttgart hat es an einer Schule wohl einen #Amoklauf gegeben …</p></blockquote>
<p>Kurz darauf entdeckte ich, dass meine Freundin, die als <a href="http://twitter.com/tontaube">Tontaube</a> twittert, zuvor schon <a href="http://twitter.com/tontaube/statuses/1309864040">diesen Tweet</a> abgesetzt hatte:</p>
<blockquote><p>ACHTUNG: In der Realschule Winnenden gab es heute einen Amoklauf, Täter angeblich flüchtig &#8211; besser nicht in die Stadt kommen!!!!</p></blockquote>
<p>Und damit war sie die erste, die auf Twitter von dem Winnender Amoklauf berichtet hat. Was danach über sie hinein brach, war ein mediales Donnerwetter. Fast schon im Minutentakt bekam sie auf allen denkbaren Kanälen von allen denkbaren Medien Interview-Fragen und das europaweit. Von der Stuttgarter Zeitung (Handy) über TV France 24 (Skype) und CNN (Firmentelefon) bis zu Anfragen über ihrem Blog (BBC und Tagesanzeiger) und zahlreichen direkt über Twitter. An Arbeiten war für sie an diesem Tag nicht mehr zu denken. Doch sie hatte eigentlich nichts gesehen und wollte nur ihre Bekannten im Großraum Stuttgart auch auf diesem Weg vor der Gefahr eines umherirrenden Gewalttäters warnen. Somit kam dann irgendwann <a href="http://twitter.com/tontaube/status/1310027345">der Tweet</a>, der auf vielen Websites als eine Art Hilfeschrei dargestellt wurde:</p>
<blockquote><p>Liebe Presse: ich weiss doch auch nichts von dem Verrückten&#8230; #winnenden #amok</p></blockquote>
<p>Später berichtete mir Natali zuhause, dass dies doch gar kein Hilfeschrei gewesen sei. Sie wollte nur keine falschen Hoffnungen wecken, denn sie war keine Augenzeugin … zum Glück. Am Ende des Tages war sie genau zu dem geworden, was sie mir mal scherzhaft unterstellt hat: ein Webceleb. Und nicht nur das, sie wurde u.a. auch in den Tagesthemen und im heute Journal erwähnt und die Anzahl ihrer Follower bei Twitter explodierte von 44 auf über 500!</p>
<p>Recht gelungene Beiträge über Natali und ihren Tag haben übrigens <a href="http://www.derwesten.de/nachrichten/nachrichten/2009/3/11/news-114097011/detail.html">Der Westen</a> und die <a href="http://www.taz.de/1/leben/internet/artikel/1/liebe-presse-ich-weiss-auch-nichts/">taz</a> gebracht … und <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,612747,00.html">Spiegel Online</a> resümiert recht aussagekräftig:</p>
<blockquote><p>Der Kurzzeit-Medienstar Natali Haug ist am Ende eines kontaktreichen Tages schon wieder zum ganz belanglosen Twitter-Alltag übergegangen: &#8220;Mal schauen, wie interessiert die Medien sind, wenn ich ab morgen wieder über Pfannkuchen twittere&#8230;&#8221;, schreibt sie am späten Nachmittag.</p></blockquote>
<p>Gestern Abend unterhielten wir uns lange über den Tag und seine Ereignisse. Wie fassungslos wir über die schreckliche Tat waren (und immer noch sind), die in dem Ort hier um die Ecke ihren Ausgangspunkt nahm, in den wir so gerne samstags auf den Markt zum Einkaufen gehen. Dabei ist uns beiden aufgefallen, dass uns diese &#8220;Medien-Sache&#8221; irgendwie Halt gegeben hat. Daran kann man sich im übertragenen Sinn reiben und abarbeiten, denn das ist was mit dem man klar kommen kann. Diese Wahnsinnstat ist dies nicht. Mögen die Angehörigen der Opfer und die Stadt Winnenden und ganze Region auch etwas finden, woran sie sich festhalten und irgendwie wieder aufrichten können. Auch wenn dies sicher seine Zeit brauchen wird.</p>
<p><strong>Nachtrag: </strong> Natali hat gestern Abend noch einen Artikel über ihr Erlebnisse des Tages für eine schwedische Tageszeitung geschrieben … 3000 Zeichen und in Englisch. Statt dem angebotenen Honorar hat sie übrigens um eine Spende für den <a href="http://www.wwf.de/">WWF</a> gebeten. Ich bin sehr stolz auf meine Freundin!</p>
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