Barrierefreiheit von Partei-Websites

barrierefrei

Auf homopoliticus.de haben sie den Artikel Parteien im Web: Barrieren für Behinderte von Heiko Kunert über seine Analyse der Zugänglichkeit der Bundestagswahl-Kampagnen-Seiten einiger Parteien veröffentlicht. Ein Auszug aus seinem Fazit:

Bis auf das Angebot der SPD hat jede Website größere und kleinere Probleme mit der Barrierefreiheit. Nur bei der SPD ist erkennbar, dass das Thema Barrierefreiheit bei der Entwicklung berücksichtigt wurde.

Aber fast interessanter, als die Güte der Partei-Websites im Bezug auf die Barrierefreiheit, finde ich die Erläuterungen von Heiko Kunert. Denn sie vermitteln ein ziemlich guten Eindruck, auf was man bei der Erstellung einer barrierearmen Website zu achten hat … und das gleich mal an konkreten Beispielen.


Das Bild stammt von Omaaar und wurde unter der public domain auf wikimedia.org veröffentlicht.

waswaehlstdu.de – KISS-Prinzip at it’s best

waswaehlstdu_de

Ich bin gerade ganz begeistert von der Website waswaehlstdu.de. Sie schafft es, das von mir hoch geschätzte KISS-PrinzipKeep it simple and stupid … perfekt anzuwenden. Großes Lob.

Auch wenn Einige inhaltlich zum Beispiel das Fehlen der Piratenpartei bemängeln werden, so spricht es doch für die konsequente Anwendung des KISS-Prinzips, wenn sich hier auf die im Bundestag vertretenen Fraktionen plus einem Feld für Sonstige beschränkt wird.

Anti-Obama-Effekt bei Ursula von der Leyen

Anfang des Jahres war ich auf mehreren Veranstaltungen, deren Titel sinngemäß irgendwas wie “Von Obama lernen, heißt siegen lernen” enthielten. Da wurde von wirklich führenden Politikern und anderen Menschen, die am aktuellen Wahlkampf nicht gerade unbeteiligt sind, lange und breit erläutert, was Obama richtig gemacht hat, als er das “Netz” hinter sich gebracht hat. Doch scheinbar sind die Erkenntnisse der ganzen Analysen und Diskussionen für den deutschen Wahlkampf unbrauchbar gewesen oder dabei ist irgendwo irgendwas gewaltig schief gelaufen.

Die damals als eher unpolitisch bezeichnete Internet-Community (es gibt sie in Wirklichkeit gar nicht) ist meiner Ansicht nach deutlich politischer geworden, als man es wohl angenommen hatte. Ich denke mal, einfach aus dem Grund, weil das Web einfach nicht als Paralleluniversum angesehen werden kann. Es ist ein Bestandteil der Gesellschaft, und wenn nun mal Wahlkampf ist, dann politisiert dies dann nun mal auch das Web.

Doch konnte keine etablierte Partei diesen Schub nutzen. Im Gegenteil, es ging sogar mit der Piratenpartei eine neue Partei an den Start, die viele Sympathien im Web abgrast und die alten Parteien werden eher negativ besprochen. Und hier hat sich sogar ein Anti-Yes-we-can herauskristallisiert: Zensursula.

Inzwischen würde ich sogar sagen, dass sich bei Ursula von der Leyen ein gewisser Anti-Obama-Effekt aufgetan hat. Ihre Äußerungen werden zum Beispiel bei Youtube, Twitter und in einschlägigen Blogs dokumentiert und auseinander genommen. So wurde etwa der Clip oben auf einer CDU-Wahlkampfveranstaltung von einem Besucher aufgezeichnet und bei Youtube eingestellt. Auf Netzpolitik wird seit gestern Nachmittag darüber diskutiert und innerhalb nicht mal eines Tages sind bisher über 250 Kommentare und Trackbacks dazu zusammengekommen. Die vielen Trackbacks zeigen, dass das Thema ins Web multipliziert wird. Es gibt inzwischen hunderte Tweets bei Twitter zu dem Video und die Kritik ist durchweg negativ.

Ich denke mal, dass das politische Web bisher nicht soweit in der Gesellschaft angekommen ist, dass die aktuellen Entwicklungen einen großen Schaden für das Abschneiden der CDU bei der Bundestagswahl 2009 bringen wird. Es wird ab Herbst eine Schwarz-Gelbe Bundesregierung geben. Denn solche Themen wie die Netzsperren sind nur Randnotizen im aktuellen Wahlkampf. Aber ich glaube, dass da trotzdem viel Schaden für die Zukunft angerichtet worden ist. Denn das Informationszeitalter ist da und die Politik muss sich auf viele platzende Blasen einstellen. Es wäre schön, wenn sie uns dabei nicht nur mit Lösungen fürs Industriezeitalter kommen werden.

Wer ist böse? Das Internet oder die Gesellschaft?

schafe

Wolfgang Kleinwächter beantwortet diese Frage in einem lesenswerten Telepolis-Artikel Websperren: Internetpolitik von Gestern eindeutig:

Es ist nicht das Internet, das “das Böse” in die Gesellschaft bringt, sondern es ist “das Böse in der Gesellschaft”, das sich nun auch den Weg ins Internet bahnt.

Aber nicht nur dieses Zitat, sondern den ganzen Artikel finde ich sehr lesenswert und ich war beim Durchlesen versucht fast jeden Satz zitieren zu wollen. Darum zumindest noch dies hier:

Die Informationsgesellschaft ist globaler, komplexer und viel differenzierter als es die Industriegesellschaft war und ist. Wird diese Komplexität ignoriert und verweigert man sich einer Modernisierung der Politik, richten gut gemeinte insulare Lösungen mehr Schaden an als Nutzen. Einfach sperren – d.h. “Augen zu”, wenn Böses auf dem Laptop erscheint – ist so innovativ wie die Einführung des “Index Librorum Prohibitorum” durch die katholische Kirche nach Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks.

Wolfgang Kleinwächter ist übrigens Professor für Internet Politik und Regulierung an der Universität Aarhus.


PS: Das Bild habe ich übrigen auf Wikimedia gefunden und es stammt von Friedrich Böhringer.

17. August 2009
von Matthias Zellmer
Profilbild von Matthias Zellmer

Digital Deutschland gegen Sperren im Internet

zensursula

Im ganzen digitalen Deutschland gab es in der vergangenen Woche eigentlich nur ein Thema, die Petition Internet – Keine Indizierung und Sperrung von Internetseiten von Franziska Heine.

Sie ist eine Reaktion auf die Gesetzesinitiative der Bundesregierung, die lobenswerter Weise etwas gegen Kinderpornografie im Internet tun möchte. Doch tut sie dies sehr laienhaft und das Mittel ihrer Wahl, die Sperrung von Seiten mit kinderpornografischen Inhalten mittels Sperrlisten, ist nicht nur ungeeignet, sondern öffnet auch Tür und Tor für einen nicht mehr kontrollierbaren Missbrauch der noch zu schaffenden technischen Möglichkeiten.

Warum das so ist, darüber haben sich Blogger und Journalisten in den vergangenen Tagen die Finger wund geschrieben. Stellvertretend dafür möchte ich die besonders gelungenen Beiträge Warum es um Zensur geht von Jens Scholz und Offener Brief zum Muttertag von Markus Jünemann auf dem Blog Wir sind das Volk sowie den Leitartikel Zensur hilft keinem Kind von Patrick Beuth auf FR-Online.de erwähnen.

Wer mehr darüber lesen möchte, kann auch immer wieder mal in der Twitter-Suche nach dem Begriff “Zensursula” suchen. Dort werden stündlich neue Artikel und Beitrag zu diesem Themenkomplex verlinkt …

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