Politik im Web ist nicht gleich Wahlkampf im Web

wahlinhessen

Der erste Wahlkampf des Jahres 2009 ist überstanden. Die Hessen haben weiterhin ihren Roland Koch als Regierungschef und mit TSG einen Ministerpräsidenten der Herzen. Das ist der erste Teil meines Fazits zur Hessenwahl.

Der zweite Teil ist, dass der Wahlkampf das Web entdeckt hat. Und das Web den ZDF Infokanal. Während gestern Abend in ARD und ZDF die übliche Chose mit Zahlen, Analysen und Elefanten in Runden ablief, wurde im ZDF Infokanal unter dem Stichwort Wahl im Web live über die Reaktionen im Web diskutiert. Moderiert von einem … wie immer sehr eloquenten … Markus Kavka, wurden dort fast schon fast so selbstverständlich Begriffe wie Twitter, Facebook und Chat verwendet, wie auf den anderen Programmen die Worte Hochrechnung oder Sitzverteilung. Experten wie Karl-Rudolf Korte und vor allem Dr. Christoph Bieber haben uns dort sehr fundiert erklärt, dass Wahlkampf im Web nun nicht mehr wegzudenken sein wird.

Da stimme ich den Experten durchaus zu. Aber es wäre all zu schade, wenn die Politiker das Web nur als ein weiteres zu bestückendes Medium für ihren Wahlkampf sehen würden. Denn das Web liefert durch die Möglichkeit des direkten oder indirekten Rückkanals die Möglichkeit der relativ ungefilterten Kommunikation mit den Menschen.

Und eine weitere Tatsache halte ich auch für sehr wichtig. Kein deutscher Politiker hat einen eigenen TV- oder Radio-Sender und auch keine eigene Zeitung oder Zeitschrift. Jedoch einer Website, ein Profil bei Xing, Facebook oder Twitter kann sich jeder Politiker zulegen … und das nicht nur die so genannten Großen. Auch jeder Parlamentsabgeordnete, Bürgermeister oder Kandidat kann sich im Web präsentieren und im Web kommunizieren. Das bietet die Chance, die Politik wieder mehr in der Mitte der Gesellschaft zu verwurzeln – sie zu erden. Dies ist eine Chance für unsere Gesellschaft, die weit über einen Wahlkampf hinausgeht. Die dazu notwendige Kompetenz im Bezug auf die vernetzten Medien wird gerade bei der Politiker-Generation der TSGs aufgebaut und hoffentlich in wenigen Jahren schon zum selbstverständlichen politischen Alltag gehören. Auch jenseits des jeweils anstehenden Wahlkampfs.

Glücksspiel via Internet verboten

tipp24

Wenn es so simple ist, wie es die Grafik oben darstellt … und es scheint so simple zu sein … dann haben wir es hier mal wieder mit einem Schildbürgerstreich unserer Politiker zu tun.

Seit heute ist das Glücksspiel über das Internet verboten. Also zumindest für die deutschen Glücksspieler. Und solange sie es bei nicht-staatlichen Anbietern tun wollen.

Da ich nicht dazu neige das Spielen durch finanzielle Anreize interessanter machen zu wollen, selbst erst dreimal Lotto gespielt habe und dies bei bedarf auch am Kiosk machen würde, ist es mir im Bezug auf die eigentliche Sache egal, ob der deutsche Staat da was verboten hat oder nicht. Im Endeffekt wird es hier aber eher um die fetten Gewinne für die öffentlichen Kassen gehen, als um den Schutz vor der Spielsucht. Die Sucht findet immer ihren Weg.

Dumm nur, dass es sich beim Internet um ein weltweites Computernetzwerk handelt, welches immer nicht nur einen Weg, sondern im Prinzip fast unendlich viel anbietet. Da diese Tatsache inzwischen auch bei unseren Politikern angekommen ist, was nicht heißt, dass sie auch verstanden wurde, sollen nun mal wieder die Provider ran und Glücksspiel-Seiten sperren. Wie uns schon die Acror-YouPorn-Sache gezeigt hat, ist das natürlich Blödsinn. Wen es interessiert: Dentaku erläutert hierzu die technische Seite in einem Blog-Beitrag Realismus den Politikern, jetzt! recht anschaulich aus Sicht eines IT-Fachmanns.

Abschließend muss man sagen: Wenn sich die Medienkompetenz unserer Politiker ausschließlich darauf beschränkt, zu schauen, wie ihr persönlicher Input in die einzelnen “angesagten” Medien möglichst positiv rüberkommt, und nicht darauf ausgelegt ist, die Rahmenbedingungen der Medien so zu gestalten, dass es keine grotesken Entwicklungen gilt, dann werden wir, die sich im Web bewegen, wohl noch länger Bürger der Stadt Schilda sein.

Als dann: Ein schönes Jahr 2009 … es wird auch wieder interessant werden.

Leseempfehlung: Von der Unfähigkeit zu lernen

untergang

Danke, lieber Marcel Weiss, für deinen Blog-Beitrag Von der Unfähigkeit zu lernen. An alle Anderen: Unbedingt lesen … und daraus lernen!

Meine persönlichen Highlights aus dem Beitrag:

Die Entscheider in jedem Wirtschaftszweig, dessen Geschäftsmodelle direkt vom Internet betroffen sind, weigern sich seit Jahren, zu lernen, zu verstehen, zu überleben.

Es passt nicht in’s eigene Weltbild, deswegen kann und darf es nicht wahr sein.

Dass das Gleiche ebenfalls in der Printindustrie/Journalismusbranche der Fall ist, ist nach wie vor nur schwer nachzuvollziehen. Die Branche, deren Aufgabe es ist, die Welt zu verstehen und verständlich zu machen, versteht die eigene Situation nicht einmal ansatzweise.

Stattdessen: Ignoranz, Arroganz und ein Vertrauen auf die eigenen Lobbyverbände und als letzte Notlösung die Regierung, die notfalls eingreifen soll. Nur reicht eben nicht einmal das. Was Einigen langsam klar werden dürfte.

Markt bedeutet eben nicht nur unverschämt hohe Renditen sondern auch Untergang, wenn man sich nicht an Veränderungen der Umwelt anpassen kann oder will.

Den Rest gibt es auf netzwertig.com. Sorry, dass ich hier keine journalistisch wertvolle Eigenleistung vollbracht habe, aber der Artikel bringt es eben wunderbar auf den Punkt.

Obama siegt und Claus Kleber lernt Twitter kennen

Da ich ja ein politisch sehr interessierter Mensch bin und mich auch schon fast persönlich beleidigt fühlte, von der US-Politik der vergangenen Jahre, erfasste mich gestern das US-Wahl-Fieber.

So bin ich auch gestern extra ein wenig früher zu Bett gegangen und habe mir meinen Wecker auf 4 Uhr gestellt. Die Uhrzeit war nicht zufällig gewählt. Ich hatte recherchiert und abgewägt. 3:58 wurde ich wach und ging an den Rechner. Das Web, Zattoo und Twitter haben mich dann die entscheidenden Momente live miterleben lassen.

Kurz erzählt: Es war gegen 4Uhr MEZ schon nicht mehr so richtig spannend, aber noch nicht entschieden, wer US-Präsident wird. Wieder eingepennt bin ich dann gegen 6:45Uhr, da war klar, Obama hat gewonnen, McCain hatte dies es in einer recht beeindruckenden Rede eingestanden und Obama hatte auch zu seinem Volk in spe gesprochen.

Aber eins ist in dieser Nacht noch passiert. Claus Kleber hat uns auf zdf.de und im ZDF infokanal mit jungen Menschen mit Laptops hinter die Kulissen blicken lassen. Das ging oftmals chaotisch zu, aber er hat in der Nacht wohl viel über das Social Web gelernt. Sinngemäß stellte er Fragen wie, “Was sagen sie bei Twitter dazu?” und mehrfach war Twitter auch der Ausgangspunkt für eine neu anstehende Informationswelle. Zusammen mit seinen gut 8-10 nächtlichen Begleitern hat er Websites abgesurft und sie zum Teil als “interessant” oder auch “hochgradig unseriös … aber spaßig” bezeichnet, wie z.B. iftheworldcouldvote.com.

Man hat richtig gemerkt, wie es dem alten Hasen Kleber Spaß gemacht hat, auf diese für ihn offensichtlich neue Art mit Menschen in Kontakt zu treten und auf Entwicklungen hingewiesen zu werden. Und ich finde es auch gut, dass er das Social Web als Medium differenziert betrachtet hat. Nicht schwarz, noch weiß … ein bisschen wie Obama.

schließen