Web-Unterricht an englischen Grundschulen

theguardian

Die englische Tageszeitung The Guardian berichtete gestern, dass im Zuge der Reformierung des Lehrplans zukünftig auch das Nutzen des Web (2.0) an der Grundschule vermittelt werden soll.
Schüler sollen nach der Grundschulzeit in der Lage sein, Blogs, Podcasts, Twitter und Wikipedia als Informationsquellen nutzen zu können. Außerdem sollen nicht mehr nur Handschrift (also Schreiben mit einem Stift in der Hand), sondern auch der Umgang mit der Tastatur gelehrt werden. Und parallel zur Rechtschreibung sollen Schüler beigebracht bekommen, wie man mit Software zur Rechtschreibprüfung umgeht.

Diese Ansätze stammen von Sir Jim Rose, der von Regierungsministern beauftragt wurde, den Lehrplan für Grundschulen zu überarbeiten. Offiziell werden seine Vorschläge erst nächsten Monat veröffentlich – und erst dann wird sich auch die englische Politik dazu äußern.

Das Vermitteln von Web- und Computer-Kenntnissen in der Grundschule ist ein Ansatz, der viele neue Möglichkeiten mit sich bringt. Beispielsweise würden sich die verfügbaren Lehrmittel vervielfachen.
Voraussetzung ist aber, dass die Lehrkräfte mit dem Web (2.0) vertraut sind und es selbst adäquat nutzen können. Man kann nichts vermitteln was man selbst nicht versteht und beherrscht. Ob die Lehrkräfte (gerade ältere) dieser Aufgabe heute schon gewachsen sind … ?

via uk.techcrunch.com, thenextweb.com

Twitter more

twitter_more

Wie wir es inzwischen von vielen ZweiPunktDiensten mit ihrem ewigen Beta-Status gewohnt sind, hat Twitter gestern eine kleine, aber interessante Änderung in der Handhabung des Web-Interface online gestellt. Die Vor- bzw. Zurück-Buttons am unteren Ende jeder Seite wurden durch einen More-Button ersetzt. Dadurch blättert man sich nicht mehr durch die Seiten, sondern man erweitert die jeweilige Seite durch eine bestimmte Anzahl an Tweets (Updates).

Twitter ist nicht die erste Website, die statt einer Blättern-Funktion eine solche Inhaltserweiterung anbietet. Im Allgemeinen finde ich diesen erweiternden Ansatz oft den Besseren. Er entspricht dem Gebot des nicht zu viel Inhalt auf einer Seite Darstellens und entkoppelt die nun mal hypertext-basierten Webseiten von der Buchlogik des Blätterns. Neues Medium = neue Handhabungslogik. Ohne dabei aber bewährte Lehren im Bezug auf die menschlichen Wahrnehmungsgewohnheiten von Inhalten zu ignorieren. Ein gutes Beispiel für den Themenkomplex User Experience … wie ich finde.

More davon bitte …

Blog- und Videotipp: Trendpiraten

Bin heute morgen via netbooknews.de auf das Blog der Trendpiraten aufmerksam geworden. Was ich so beim Überfliegen gelesen und dann vor allem auch gesehen habe, hat mir doch recht gut gefallen. Als Beispiel hab ich oben mal den Vidcast der Trendpiraten zum Thema Cloud Computing eingebunden.

Ich hab die Trendpiraten nun mal in den RSS-Reader gepackt und freu mich schon auf weitere interessante Beiträge und natürlich auch weitere gut gemachte Vidcasts mit der sympathischen Joyce Ilg.

CeBit zeigt Zukunft der Berichterstattung

cebitcj

Vielleicht kommt das ja jetzt einem kleinen Outing nahe, aber ich war noch niemals auf der CeBIT. Was wohl auch noch nie weniger schlimm war, wie in diesem Jahr. Warum? Der Citizen-Journalism macht es möglich. Von der CeBIT wird nämlich nicht nur von den klassischen Medien berichtet, sondern es wird auch direkt auf der gebloggt und getwittert, es werden Bilder bei Flickr und Twitpic hochgeladen, Video bei Youtube eingestellt und Live vom Handy gestreamt. Eine solche, auf so breiter Basis stattfindende Berichterstattung hat es auch auf so einer Innovationsmesse wie CeBIT nicht gegeben.

twebit

Doch was das Allerbeste ist, es gibt nun auch einen direkten Kanal von Leuten wie mir, die nicht auf der CeBIT sind und Leuten, die dort vor Ort sind. Dies ist eine echte Bereicherung und, wie ich finde, ein kleiner Vorgeschmack auf die Zukunft der Berichterstattung.

Long tail statt Mainstream

longtail

Claudia Sommer berichtet via Twitter live von der Webciety 2009 in Hannover. Auf dieser offenen Konferenz im Rahmen der diesjährigen Cebit ist eine wichtige Erkenntnis angesprochen worden:

Es wird keinen Mainstream mehr geben – Long Tail rules the world

Ist doch auch irgendwie logisch. In einer vernetzten Welt, in der jeder Mensch einen Knotenpunkt darstellt, sind Konzepte wie etwa “der Mainstream” und das daraus resultierende Broadcasting überholt. Jeder bzw. jede ist seine bzw. ihre eigenen Interessengruppe, denn jeder Mensch ist auch in seiner speziellen Interessenkombination einzigartig. Hier entspricht das Konzept des “Long tails” genau den Bedürfnissen und Möglichkeiten der Menschen. Ob nun beim Konsum, Entertainment oder bei der Informations- bzw. Wissensgewinnung.

Long Tail rules the world …

04. März 2009
von Matthias Zellmer
Profilbild von Matthias Zellmer

Microsofts Vision von 2019

Also alles, was ich da so sehe, finde ich nicht gut, aber viele Sachen interessant. Muss mir das Video gleich noch mal ansehen …

Via @csommer (Twitter)

Update: Das ursprüngliche Video auf Vimeo wurde entfernt. Ich habe stattdessen die Youtube-Version eingestellt.

02. März 2009
von Matthias Zellmer
Profilbild von Matthias Zellmer

Die moderne Gesellschaft und die Privatheit

privatheit

In China ist es ein Zeichen der Wertschätzung, wenn man etwas kopiert. Und genau so soll es nun auch verstanden werden, dass ich jetzt einfach einen kompletten Text eines anderen Menschen hier reinkopiere. Es handelt sich um das Editorial der diesjährigen Februar-Ausgabe des Magazins für professionelle Informationstechnik iX von Christian Heller … im Web auch als plomlompom bekannt.

Nach der Privatheit

Das Ende des Privaten naht. Schuld ist die unaufhaltsam wachsende globale Informationsmaschinerie. Droht so auch das Ende der Freiheit? Nicht unbedingt.

Es greift zu kurz, Privatsphäre nur als Kernraum der Freiheit zu sehen. Hier halte sich soziale Kontrolle zurück, hier könne man sich unbeschränkt verwirklichen, hier könne Unangepasstheit zum politischen Stachel heranwachsen. Das unterschätzt die hemmende, potenziell erstickende Isolation des Privaten. Unter ihrer Decke vollziehen sich zum Beispiel häusliche Gewalt und Kindererziehung zu repressiven Werten. Ebenso kann Privatheit ein Verlies sein, in das eine intolerante Gesellschaft Andersartiges sperrt, und zugleich ein Ventil, damit sie nicht toleranter werden muss. Der Befreiungsweg der Homosexuellen etwa führte folglich nicht über Datenschutzkampagnen, sondern über Massen-Outing.

Betrachten wir die Gründe zum Abstreifen der Privatheit im Internet: Je mehr ich das Netz von mir wissen lasse, umso besser kann es meine Wünsche ablesen und mir Kommunikations- und Tauschpartner vermitteln. Das Netz formt Werte, die durchs Teilen nicht ab-, sondern zunehmen. Diese Grundidee hinter Begriffen wie „Open Source“ oder „Creative Commons“ überträgt das Social Web auf persönliche Informationen: Je mehr ich mich dem Netz öffne, desto mehr Wege habe ich, mich zu entfalten.

Das Netz ist nämlich keine Öffentlichkeit, die gleichschaltet, sondern eine, die Vielfalt fördert. Noch obskurste Interessen finden Raum für Austausch, Bestätigung, Verstärkung. Die Vielfalt der Anschlussmöglichkeiten wächst, je mehr Menschen ihre Andersartigkeit nach außen tragen. Niemand muss sein Wesen mehr durch den Flaschenhals der Anpassung zwängen, um Rückhalt in Geselligkeit zu finden. So braut sich eine Sturmflut offener, schamloser Anormalität zusammen. Bald wird sie die Gesellschaft in Zugzwang bringen zu bersten – oder dehnbarer, toleranter zu werden.

Ein anderer Punkt: Vielleicht archivieren bald alle ihre Stimmungen, Meinungen und Handlungen öffentlich. So würde sich die Wechselhaftigkeit, Inkohärenz und Kontextabhängigkeit menschlicher Wesen offenbaren. Begriffe wie „Normalität“, „Identität“ oder „Persönlichkeitskern“ verlören damit ihre Gewalt über uns. Je ausgiebiger wir das Chaos unseres Seins dokumentieren, desto schwieriger wird es, uns darauf festzunageln. Je mehr Daten über uns im öffentlichen Umlauf sind, desto weniger können wir mit ihnen erpresst werden.

Abschließend eine Warnung: Freiheit lässt sich in einer Informationsgesellschaft eher durch Offenheit als durch Privatheit voranbringen. Orwells „1984“ schilderte eine absolut unfreie Gesellschaft ohne Privatheit, aber auch ohne Offenheit: Der Informationsfluss war einseitig. Freiheit ohne Privatheit lässt sich nur dort denken, wo alle alles über alle wissen. Nun: Privatheit schwindet. Also gilt es, ein gesundes Misstrauen gegenüber jeder Art von Informationsmonopolismus zu entwickeln.

Im Zuge des von Christian Beschriebenen ist es nun besonders wichtig, dass in der heutigen Zeit nicht nur jede/r beim Überqueren einer Straße auf sich aufpasst … was wir unserem Nachwuchs gerne schon im Vorschulalter beibringen … sondern auch bei seinen Aktivitäten im Web. Und genau so wenig, wie wir uns wegen der allgegenwärtigen Gefahren nicht mehr auf die Straße trauen sollten, sollten wir uns nicht vom Web fernhalten oder übertrieben vorsichtig werden, sondern aktiv lernen, uns dort gekonnt und selbstbewusst zu bewegen.

In diesem Kontext ist oft die Rede von persönlichem Reputationsmanagement. Ein Begriff, der sich schon wieder ziemlich wichtig anhört und gut und gerne in jedes Hype-Lexikon passen könnte. So dramatisch ist es aber nicht. Ein paar einfache Grundregeln, wie man auf seinen Ruf achten und doch im Web unterwegs sein kann, finden sich auf Netzwertig: 8 Tipps, um sein Image im Social Web zu schützen.

Also: Bitte nicht den Kopf in den Sand stecken! Es wäre schade drum …

Bookmarklets – Mini-Helfer im Browser

bookmarklet

Ich benutze Bookmarklets schon länger, aber dass es für diese kleinen, eine Browser-Aktion auslösenden Lesezeichen auch einen eigenen Begriff geben könnte, daran hatte ich bis zum Kommentar von Flominator zum Beitrag TwitSnip – ganz schnell mal Webseiten-Link twittern noch gar nicht gedacht.

Mein meist benutzes Bookmarklet ist bit.info vom Kurz-URL-Dienst bit.ly. Damit kann ich komfortable die URL der aktuellen Webseite verkürzen. Da ich einen Account bei bit.ly habe, wird diese Kurz-URL nebenbei auch in meinem Profil gespeichert und ich kann später zum einen noch mal darauf zurückgreifen oder auch sehen, wie viele Leute über diese Kurz-URL zugegriffen haben und mit welche Client. Interessante kleine Spielerei, die aber auch ein bisschen als Analyse-Tool dient.

Weiterführende Artikel zur Entwicklung von Bookmarklets gibt es auch auf SelfHTML und auf krapplack.de. Wobei es auf krapplack auch eine Sammlung von Bookmarklets gibt, wie auch auf bookmarklets.com.

Microblogging Konferenz – ein kurzer Rückblick

mbc09

Freitag und Samstag fand in Hamburg die erste Microblogging Konferenz (MBC09) auf europäischem Boden statt. Gekommen sind neben zahlreichen Twitter-Nutzern auch ein paar deutsche Web-Promis und einige journalistisch wirkenden Menschen, darunter auch ein Team der Tagesschau bzw. des Nachtmagazins. Und ich hab mich auch auf den langen Weg in den schönen Norden unseres Landes gemacht.

Die Konferenz wurde dankenswerterweise von ein paar Sponsoren finanziell unterstütz. Darum will ich mich auch gar nicht groß darüber beschweren, dass am ersten Tag der Redeanteil der Sponsoren-Vertreter reichlich hoch war. Das hat mir die Möglichkeit gegeben, hinter den Kulissen ein paar sehr aufschlussreiche Gespräche zu führen.

Die Organisatoren haben mit der MBC09 versucht, eine Mischung aus klassischer Konferenz und Barcamp hinzubekommen. Das ist ihnen aber meiner Meinung nach erst am zweiten Tag so richtig gelungen. Was rückblickend durchaus in Ordnung war, obwohl eigentlich eine stärkere Vermischung der klassischen Konferenz- und der Barcamp-Elemente angedacht war. So war ich am Freitag auf der Microblogging-Konferenz und am Samstag auf dem Microblogging-Barcamp.

In meiner Wahrnehmung lag der thematische Schwerpunkt am Freitag eindeutig auf der Monetarisierung des Phänomens Microblogging und seiner Nutzung im Unternehmenskontext. Samstag kam dann zudem eine deutlich soziokulturelle Note auf. Da ging es nun etwa auch um die Vernetzung von Musikern oder die Möglichkeiten, die sich nun zum Beispiel durch Twitter auch für die Politik auftun.

Auch sehr interessant fand ich die letzte Session, in der dann in kleinen Diskussionsgruppen die Frage diskutiert wurde, was würde “meine” Mutter nach einem halben Jahr wertschätzender Twitter-Nutzung zu dem Dienst sagen? Wie würde sie Twitter nutzen?

Abschließend kann ich sagen, dass ich zufrieden und mit einem Kopf voller Erkenntnisse und Ideen aus Hamburg zurückgekommen bin. Mir wurde zudem noch mal deutlich gemacht, wie Neu und Unentdeckt das ganze Feld des Microbloggings eigentlich noch ist. Und doch bin ich überzeugt, dass Microblogging einmal eine weitere Säule unserer elektronischen Kommunikation wie die Telefonie und dem E-Mailen werden wird.

Nachtrag: Das Bild oben wurde übrigens von Nicole Simon aufgenommen.

Politik im Web ist nicht gleich Wahlkampf im Web

wahlinhessen

Der erste Wahlkampf des Jahres 2009 ist überstanden. Die Hessen haben weiterhin ihren Roland Koch als Regierungschef und mit TSG einen Ministerpräsidenten der Herzen. Das ist der erste Teil meines Fazits zur Hessenwahl.

Der zweite Teil ist, dass der Wahlkampf das Web entdeckt hat. Und das Web den ZDF Infokanal. Während gestern Abend in ARD und ZDF die übliche Chose mit Zahlen, Analysen und Elefanten in Runden ablief, wurde im ZDF Infokanal unter dem Stichwort Wahl im Web live über die Reaktionen im Web diskutiert. Moderiert von einem … wie immer sehr eloquenten … Markus Kavka, wurden dort fast schon fast so selbstverständlich Begriffe wie Twitter, Facebook und Chat verwendet, wie auf den anderen Programmen die Worte Hochrechnung oder Sitzverteilung. Experten wie Karl-Rudolf Korte und vor allem Dr. Christoph Bieber haben uns dort sehr fundiert erklärt, dass Wahlkampf im Web nun nicht mehr wegzudenken sein wird.

Da stimme ich den Experten durchaus zu. Aber es wäre all zu schade, wenn die Politiker das Web nur als ein weiteres zu bestückendes Medium für ihren Wahlkampf sehen würden. Denn das Web liefert durch die Möglichkeit des direkten oder indirekten Rückkanals die Möglichkeit der relativ ungefilterten Kommunikation mit den Menschen.

Und eine weitere Tatsache halte ich auch für sehr wichtig. Kein deutscher Politiker hat einen eigenen TV- oder Radio-Sender und auch keine eigene Zeitung oder Zeitschrift. Jedoch einer Website, ein Profil bei Xing, Facebook oder Twitter kann sich jeder Politiker zulegen … und das nicht nur die so genannten Großen. Auch jeder Parlamentsabgeordnete, Bürgermeister oder Kandidat kann sich im Web präsentieren und im Web kommunizieren. Das bietet die Chance, die Politik wieder mehr in der Mitte der Gesellschaft zu verwurzeln – sie zu erden. Dies ist eine Chance für unsere Gesellschaft, die weit über einen Wahlkampf hinausgeht. Die dazu notwendige Kompetenz im Bezug auf die vernetzten Medien wird gerade bei der Politiker-Generation der TSGs aufgebaut und hoffentlich in wenigen Jahren schon zum selbstverständlichen politischen Alltag gehören. Auch jenseits des jeweils anstehenden Wahlkampfs.

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