Carrot Mobs – Konsumgesteuertes Weltretten

In Kopenhagen wird derzeit im ganz großem Stil versucht unsere Welt vor dem Klimawandel bzw. Profite vor dem Klimaschutz zu retten. Doch zum Glück gibt es immer wieder auch tolle Klimaschutzaktion im Kleinen. Wie zum Beispiel die Carrot Mobs.
Ich bin auf Carrot Mobs in der ZDFmediathek aufmerksam geworden. Ein Betrag der Klimaschutz-Sonderausgabe des Auslandsmagazins zeigte einen solchen Carrot Mob in San Francisco. Das Prinzip ist einfach. Gut vernetzte Aktivisten überreden Geschäftsleute einen bestimmten Prozentsatz ihrer Einnahmen eines bestimmten Tages zur Optimierung der Energieeffizienz oder einer vergleichbaren Klimaschutzmaßnahme zu investieren. Dafür trommeln die Aktivisten an diesem Tag so viele Kunden zusammen, wie es geht. Im Optimalfall liegt das Umsatzplus des Ladens über dem versprochenen Prozentsatz, der in die Energieeffizienzmaßnahmen gehen soll. Eine absolute Win-Win-Situation und eine wunderbare Maßnahme im Kleinen.
Auf der Website carrotmob.org gibt es übrigens eine nette Animation zum Thema und hier noch mal ein erläuterndes Video:
von Matthias Zellmer
Hervorragende ZDF-Sendung zum Thema Klima … tief in der Nacht
Was macht ihr freitags so kurz nach Mitternacht? Ihr schaltet doch sicher um 0:35 Uhr das ZDF ein und schaut euch gut zweieinhalb Stunden die Sendung Die lange Nacht des Klimas an. Nicht? Eigentlich schade, denn was uns das ZDF da vergangene Woche Mitten in der Nacht präsentiert hat, gehört sicher zu den besten Sendungen, die ich seit langem gesehen habe. Allerdings nicht zu der vom ZDF für uns vorgesehen Sendezeit. Denn zum Glück gibt es inzwischen das Internet und so etwas wie Mediatheken und Microsites.
von Matthias Zellmer
Und los geht die GreenAction
Greenpeace gehört zu den Organisationen, die die Sache mit dem Web wirklich verstanden hat. Greenpeace twittert nicht nur schon vergleichsweise lange, sondern auch ziemlich aktiv und informativ. Zudem hat Greenpeace nun auch am vergangenen Freitag GreenAction gestartet … oder in Webdeutsch gesagt: GreenAction von Greenpeace jetzt in der ‘open beta’.
GreenAction ist eine Community zur Organisation von gemeinsamen und selbst initiierten Umwelt-Kampagnen. Da gibt es jetzt schon so nette Sachen wie die Kampagne zur Ergänzung des innerstädtischen Transportwesens, Wechselwelle – 100.000 neue Ökostrom-Haushalte bis zur Bundestagswahl oder ganz Konkretes Gen-Milch bei Allgäuland – Ohne mich!.
Über den Sinn einer solchen Community-Plattform mag man geteilter Meinung sein. Ich finde sie jedenfalls sinnvoll. Greenpeace hat meiner Ansicht nach den Namen und den Background um eine solche Community am Leben zu halten.
Optisch finde ich die GreenAction-Site ansprechend gestaltet. Etwas gewöhnungsbedürftig ist allerdings ihr Aufbau. Die Navigation, unterhalb eines Bühnenbereichs angesiedelt, trennt im Prinzip zusammengehörende Inhalte von einander. Man muss relativ oft suche, ob die gewünschte Info oder Funktion nun im Bereich über oder unter der Navigation angesiedelt ist.

Mein Problem dabei ist, dass ich mich immer wieder zwingen muss, über der Navigation nach Inhalten und Funktionen zu suchen. Es ist einfach anders gelernt und wenn über der Navigation noch etwa platziert ist, dann sind es zumeist vom konkreten Inhalt unabhängige Schmuckelemente oder einfach nur Logo, Meta-Navigation, etc.
Die Anmelde-Prozedur fand ich auch etwas hackelig. Mal angesehen, dass ich da gerne eine openID-Anmeldung gesehen hätte, vergibt man sein Passwort nicht von vorneherein selbst, sondern bekommt eines per Mail zugesandt. Statt einen aber nach ersten Anmeldung bei GreenAction direkt zur Passwort-Ändern-Seite zu lotsen, muss man diese selbst suchen. Schön wäre zudem, wenn man noch irgendwo administrieren könnte, über welche Aktion in der Community man per E-Mail informiert werden möchte.
Doch alles andere finde ich schon recht gelungen. Die inzwischen nicht mehr unübliche Integration der Verbreitung via Twitter und Facebook ist ebenso integriert, wie die gängigen Community-Features. Auch kann man pro Kampagne direkt einen Widget-Code bekommen, um dieses dann als Mash-up auf der eigenen Site zu positionieren.
Mein Fazit: Gute Idee mit den richtigen Features, doch leider folgt die Funktion all zu oft der Form … hier dem Design. Das macht die Site leider ein bisschen schlecht bedienbar. Aber es ist ja der Inhalt bzw. die Wirkung, die zählt …
von Matthias Zellmer
Green Car … die Zukunft des Mobilen

Vor ein paar Tagen wurde ich von Henning Schürig via Facebook zum Vortrag “Green Car – Die Zukunft des Autos” ins Stuttgarter Theaterhaus eingeladen. Und weil ich mich sowieso gerade wieder etwas mehr mit politischen Themen auseinandersetze und wir ja auch keinen Fernseher mehr haben, der uns von dem Besuch einer solchen Abendveranstaltung abhalten könnte, bin ich mit meiner Freundin dieser Einladung gefolgt.
Der Vortrag wurde von dem bekannten Grünen-Politiker Fritz Kuhn gehalten. Vorweg möchte ich sagen, dass er mir recht gut gefallen hat. Er war deutlich weniger Wahlkampf-Getöse als ich still in mir befürchtet hatte. Fritz Kuhn hat seine Standpunkte zum Thema recht kompetent und ganzheitlich betrachtet vorgetragen.
Ich versuche, die eineinhalb Stunden mal möglichst knapp zusammenzufassen:
Kuhn sagt sinngemäß, dass die Grünen aus ihrer Tradition heraus das Thema Auto oftmals zu sehr durch die selbst-ideologische Brille betrachtet haben. Heute weiß er, dass das Auto auch ein kulturelles Objekt ist, welches vielen Menschen auch ein “Freiheitsversprechen” gibt; besonders Jugendlichen und Menschen, die im ländlichen Raum leben. Zudem ist es ein Produkt, von dem viel Lebensunterhalte abhängen. Gerade hier im Neckar-Raum rund um Stuttgart.
Doch bleibt das Auto auch die Quelle vieler Probleme wie beispielsweise der CO2-Emissionen oder der immerhin noch gut 5000 Verkehrstoten im Jahr. Außerdem wird es derzeit gerade in besagten Neckar-Raum, aber auch an anderen Orten wie z.B. in Bayern zum wirtschaftlichen Struktur-Problem. Was vor allem an der verfehlten Produkt-Politik von Firmen wie Mercedes oder BMW liegt. Diese bauen nämlich zu große Autos … Kuhn sprach von einem “Big Car Problem”. Die Nachfrage nach großen Autos ist in der normalen Bevölkerung nahezu weggefallen. Diese werden aktuell hauptsächlich als Dienstwagen gekauft. Kuhn nannte hier die folgenden Zahlen: 85% der in Deutschland verkauften Mittel- und Oberklasse-Wagen sind Dienstwagen und werden mit ca. 6 Milliarden Euro im Jahr steuerlich subventioniert.
Nach diesen vorab Informationen ging es im Kern von Kuhns Vortrag dann um Lösungen. Er skizzierte das Green Car – nicht als wirkliches Produkt, sondern eher als ein Konzept für Mobilität. Denn die Aufgabe der Politik kann es nicht sein, selbst Innovationen zu liefern. Viel mehr soll sie den Rahmen für solche Innovationen stecken. Das Green Car in Kuhns Sinn kann also als ein Mobilitätskonzept bezeichnet werden, das auf mehreren Faktoren aufsetzt:
- Elektro-Autos: Sie haben einfach einen höheren Wirkungsgrad (Kuhn: E-Auto ca. 80% und Verbrennungsmotor-Auto ca. 20%).
- Car Sharing: Lieber selbst kleine E-Autos besitzen und nur im Bedarfsfall den Kombi für die Zeit der Urlaubsreise oder den Einkauf im Baumarkt holen.
- ÖPNV: Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs mit einer verbesserten Logistik.
- Mobilitätskarte: Mit der Einführung einer solchen Karte sollte es möglich sein, einen Mobilitätsmix aus bedarfgerechten Fortbewegungsmitteln zu nutzen. Lange Stecken mit der Bahn, vor Ort dann mit einem Auto oder Rad weiter. Alles einfach mit einer Karte zugänglich.
- Tempolimit: Laut Kuhn ein schwieriges, weil emotionales Thema. Aber es fördert den stauarmen Verkehrsfluss, lässt Verbrauch und Unfallzahlen sinken und ermöglicht den Bau von leichteren Autos, die weniger Sicherheitstechnik benötigen.
- Steuerpolitik: Abbau von Steuerprivilegien, klare CO2-Grenzwerte und -Zielen setzen und Anreize zur Entwicklung von neuen Innovationen im Bereich Fahrzeugbau schaffen.
- IT: Vermeidung von Verkehr durch Verlagerung der Kommunikation ins und via Internet. (Ja, auch wir Web-Leute gehören zum Green-Car-Konzept!)
Dem Punkt Elektro-Auto hat Kuhn noch mal extra etwas Zeit gewidmet (trotz seiner Aussage, dass die Politik selbst keine Innovationen liefern kann). Der Strom für diese E-Autos muss natürlich aus erneuerbaren Energiequellen stammen. Auch, weil die Verwendung von Atomstrom den angesprochenen Wirkungsgrad wieder ziemlich verschlechtern würde.
Kuhn hatte noch eine interessante Vision zu diesem Thema: Wenn wir alle intelligente Stromzähler in unseren Häusern hätten, die mit einem variablen Strompreis arbeiten könnten, dann könnten wir die Windkraft-Anlagen, statt sie wie heute bei Überauslastung der Stromnetz-Kapazität abzuschalten, einfach dazu nutzen, billigeren Strom anzubieten. Die Batterien der E-Autos in unseren Garagen könnten damit dann aufgeladen werden, wenn diese Überkapazität gerade zur Verfügung steht. So würde ein übers Land verteilten Stromspeicher generiert.
Nebenbei: Kuhn hat erzählt, dass an Tagen, an denen im Norden der Wind stark bläst und im Süden die Sonne ordentlich scheint, heute schon genug regenerativen Strom zur Verfügung steht, um unser Stromnetz zu 100% auszulasten.
Das Hybrid-Auto sieht Kuhn übrigens als Übergangstechnologie. Aber als eine wichtige. Denn diese lehrt die Autobauer gerade, wie sie immer bessere Batterien bauen können. Aber eins muss uns allen klar sein: die E-Autos werden noch sehr lange nicht die Reichweite von heutigen Autos mit Verbrennungsmotor haben. Hier müssen wir einfach Umdenken und neue Lösungen finden. So ist es zum Beispiel schwierig, mit einem E-Auto mal schnell an die Tankstelle zu fahren und in einer mit dem heutigen Tanken vergleichbaren Geschwindigkeit die Batterie wieder aufzuladen. Hier könnte eine Lösung sein, die Batterien an der Tankstelle auszutauschen.
Am Ende seines Vortrags erklärte uns Kuhn noch, dass man ihm in seiner frühen politischen Zeit von Seiten der Wirtschaftsvertreter bzw. Wirtschaftspolitiker immer gesagt hätte, dass Ökologie ein Luxus sei, den man sich gerne in ökonomisch günstigen Zeiten leisten könnte. Heute wird hingegen immer deutlicher, dass der ökonomische Erfolg die Ökologie als Basis hat.
Abschließend gab uns Kuhn noch eine kleinen Leitspruch mit auf den Weg, der mir sehr gut gefallen hat:
Das Alte ist der beste Feind des Neuen. Solang man mit dem Alten noch Geld verdienen kann, wird es das Neue zu verhindern versuchen …
von Matthias Zellmer
Meine fairen Bio-Regungen
Wie neulich schon erwähnt läuft zurzeit die FaireWoche mit dem Thema Doppelt gut! Bio im Fairen Handel und dazu hat Karma Konsum einen Blog-Karneval ausgerufen:
Schreibt bitte, wie ihr ganz persönlich darüber denkt und wie ihr dem Fairtrade-Gedanken gegenüber eingestellt seid.
Na, dann tue ich das mal:
Manche schreiben es meinem Sternzeichen zu, ich bin ein großer Verfechter des Fairness-Gedankens. Ungerechtigkeiten können mich auf die Palme bringen, wie nichts anderes auf der Welt. Wer jetzt denkt, „Super, dass ist DER Mann fürs Thema FairTrade und so”, hat damit nur bedingt recht. Wenn einen etwas im Kern seines eigenen Wesens so sehr beschäftigen kann, dass es einer der ganz wenigen Auslöser für wütende Proteste und Anklagen ist, dann kann einen das auch richtig fertig machen. Darum gilt es in einem solchen Zusammenhang Strategien zu entwickeln, die es einem ermöglichen immer noch am Alltagsleben teilnehmen zu können. Mir hilft diesbezüglich ein Spruch eines Freundes, der in einer Kommune lebt:
Nur nicht dogmatisch werden!
Will heißen: Alles mit einem gesunden Mass. Seit mir das bewusst ist, kann ich mit gutem Gewissen in ein normales Restaurant gehen und dort zum Beispiel eine Portion Pasta mit Carbonara-Soße essen und anschließend einen Kaffee trinken. Auch wenn davon nichts fair gehandelt oder in Bio-Qualität ist. Es geht.
Wenn ich Lebensmittel einkaufe, achte ich schon deutlich stärker auf die zugehörigen Labels. Kaffee, Kakao und oft auch Schokolade (bin kein großer Schokoladenesser) für den privaten Konsum kaufe ich in aller Regel aus fairem Handel. Bei tierischen Produkten wie Milch und Fleisch kauf ich meist Bio. Bei pflanzlichen Produkten bin ich nicht so strickt. Da greife ich aber gerne auf regionale und saisonale Produkte zurück.
Bei Kleidung tue ich mir mit dem FairTrade-Gedanken noch etwas schwerer. Keine Ahnung warum. Ich habe mir aber jetzt mal den RSS-Feed des Grüne-Mode-Blogs abonniert. Vielleicht hilft es ja, auch diesbezüglich meine Wahrnehmung zu schärfen und nach und nach auf grünere Mode umzusteigen. Aber auch hier wird bei mir gelten:
Nur nicht dogmatisch werden!
von Matthias Zellmer



















