Was zum Teufel ist User Experience?

Mein Telefon braucht nicht schön zu sein oder so. Man muss damit Telefonieren können … Punkt aus! –– Okay, dann können wir ihr jetziges Gerät ja gegen ein baugleiches mit einem rosa Plüsch-Bezug austauschen. –– Sind sie verrückt! Sowas kommt mir nicht ins Haus!
Dieses fiktive Gespräch habe ich so ähnlich mal auf einer Veranstaltung zum Thema Usability in einem Vortrag über User Experience (UX) gehört. Es ist etwas überspitzt formuliert, da es als Anekdote eine Art “Hallo-Wach!”-Effekt bei den Zuhörern haben sollte. Aber es zeigt schon mal, dass UX nicht mit einem hübschen Design gleichzusetzen ist.
Hinter UX steht ein breiter interdisziplinärer Ansatz. Wenn eine Website als Beispiel optisch gefällt, dann ist das der UX erst einmal nicht abträglich. Aber das Bemühen um eine optisch ansprechende Website kann wiederum der Usability abträglich sein. Wenn etwa durch ein in der CI festgeschriebenes Gestaltungsraster inhaltlich zusammenhängenden Elementen nicht zusammen dargestellt werden können, dann kann dies die Gebrauchstauglichkeit, aber auch die Gebrauchsfreude einschränken, weil man dadurch einfach nicht zu Potte kommt. Und wenn auf der anderen Seite eine gut bedienbare Website die Augen quält, dann macht deren Nutzung auch kein Spaß.
UX steht also sowohl mit der Usability wie auch mit der Gestaltung in einem direkten Zusammenhang. Aber auch solche Aspekte, wie die Reaktionszeit beim Seitenaufbau, der angemessene Einsatz von multimedialen Elementen und natürlich auch von Werbeelementen stehen in einem Kontext mit der UX.
Im Kern geht es bei der UX im Web-Bereich um eine gute … ein besseres bzw. wertfreieres Wort fällt mir dazu nicht ein … also um eine gute Gestaltung von User Interfaces. Denn nichts anderes sind moderne Webseiten in der Regel. Aber “gut” ist hier auch im Sinne von zielführend und dem Nutzer einen Mehrwert bietend gemeint. Denn der oft im der UX in Verbindung gebrachte “Joy of Use” sollte nicht unbedingt als Spaß an der Nutzung missverstanden werden. Es kann auch sehr befriedigend sein, wenn man einfach nur schnell an eine gesuchte Information kommt.
Wie schlecht sich die UX in ein Bewertungsraster pressen lässt, zeigt auch ein schöner Spruch, der im Bezug darauf die Runde macht:
Listen to your users, but ignore what they say.
Heißt: Deine Nutzer werden dir nicht sagen können, was sie im Bezug auf deine Website von dir erwarten, aber wenn du aufmerksam bist, wirst du es schnell herausfinden können.
von Matthias Zellmer
Web2.0 – Startpunkt der Differenzierung

In den vergangenen Tagen haben wir in der Agentur mal wieder über den Begriff Web2.0 diskutiert bzw. über das, was auf das Web2.0 folgen mag. Der Auslöser war ein Paper, welches den Begriff Web3.0 enthielt. Die Diskussion war durchaus interessant und lies mich mit der Erkenntnis zurück, dass es sowas wie das Web3.0 niemals wirklich geben wird.
Die hinter dieser Erkenntnis liegende Argumentation basiert darauf, dass es sich bei dem Web2.0 vor allem um eine Änderung der Wahrnehmung des Webs handelt. Das Web2.0 ist meiner Ansicht nach der Startpunkt der Differenzierung dessen, was Tim Berners-Lee ursprünglich mal als das World Wide Web bezeichnet hat. Das Web in den Kinderschuhen war an sich ja auch noch als ein Ganzes wahrzunehmen. Seit einiger Zeit ist das nicht ohne weiteres mehr möglich.
Spricht man mit Vertretern den verschiedenen Nutzer- bzw. Interessengruppen über das Web2.0 so bekommt man die unterschiedlichsten Schagworte aufgetischt, wie etwa:
- User: Facebook, Wikipedia, RSS, …
- Entwickler: Ajax, Rich Internet Application, …
- Marketing: Grassroot-, Viral-Marketing, …
- Grafiker: Glitter, Glossy, Verläufe, …
- Konzepter: User Experience, Social Media, …
Diese Auflistung ließe sich fast beliebig erweitern und vertiefen. Aber sie zeigt uns auch schon so, dass es ein Web3.0 nicht geben kann. Jeder dieser und auch der fehlenden Punkte wird sich auf eine eigene Art und Weise weiterentwickeln … oder auch nicht. Wir kennen solche Entwicklungen von vielen technologischen Entwicklungen. So gab es z.B. am Anfang ein bzw. das Automobil. Inzwischen unterscheidet man auf unterschiedlichste Art und Weise … Limousine, Cabrio, SUV, Transporter, LKW, und so weiter und so fort.
Somit bin ich der Ansicht, dass der Begriff Web3.0 maximal aus einem der unterschiedlichen Verzweigungen des Webs kommen kann … dem Marketing.
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Das Foto oben stammt übrigens von *Gräfin und ich hab es bei photocase heruntergeladen.
von Matthias Zellmer
Lesetipp: User Experience
Jetzt sind es bald 2 Jahre her, dass mir der Begriff User Experience … kurz UX … zum ersten Mal beim World Usability Day in Stuttgart wirklich aufgefallen ist. Damals hat mich Marc Hassenzahl mit seinem Vortrag zum Thema UX ziemlich beeindruckt.
In der Zwischenzeit ist mir UX immer häufiger untergekommen. Sie ist inzwischen nicht mehr aus meinem Arbeitsalltag wegzudenken. Darum freue ich mich auch immer, wenn ich bei anderen darüber lese. Wie zum Beispiel auch bei meinem früheren Kollegen Claus Wagner in seinem Blog The Art of Web Usability: User Experience ist nicht gleich Usability.
von Matthias Zellmer
Lernziel erreicht – Hospitantin glücklich
Ich habe was gelernt – das kann man mit Fug und Recht behaupten. Ich – wenn ich mich kurz vorstellen darf – bin Volontärin der Stuttgarter Zeitung online und momentan Ein-Wochen-Hospitantin bei seitenblick und Infodesigner – und das hat hier wenig mit Kaffeekochen und Kopieren zu tun.
Und da ich am Montag in der Redaktion bestimmt gefragt werde: “Hasch’ was g’lernt?”, hier die Aha-Effekte der vergangenen Woche:
- Informatiker sind nicht zwangsläufig Nerds und Agenturler müssen keine schnöseligen Juppies sein
- Twittern ist die Raucherterasse der Zukunft – hier werden die wirklich wichtigen News verbreitet
- eine gute Navigation bedeutet nicht: “Alles vorne druff”
- Usability fängt im Kleinen an: schon Zwischenüberschriften und Textblocks können die Bleiwüste wässern und in eine nutzerfreundliche Oase verwandeln – diese Erkenntnis aus dem an Aha-Effekten reichen Usability-Intensivseminar werde ich mir gewiss hinter die Ohren schreiben
Ich könnte meine Aha-Liste noch bis Punkt 834 fortführen – über luxuriöse Kaffeemaschinen oder den Schütteleffekt von diversen Fahrgeschäften auf dem Cannstatter Wasen – allerdings habe ich hier noch was gelernt, womit Journalisten so ab und zu ihre Probleme haben: Beim Bloggen gilt “Fasse dich kurz!”. Also beende ich diesen Eintrag – mit einem dicken Dankeschön an seitenblicker und Infodesigner!
von Gastautorin: Theresa Schäfer
Wunderbare Web-Praxis-Workshops
Die sagenhafte Agentur seitenblick interaktive medien … bei der ich zufälligerweise auch Mitarbeiter bin … bietet im Herbst wieder einige Workshops an. Die Themen sind Usability, Online-Schreibwerkstatt, Interview-Training … “Wie sage ich es der Presse?”. Dabei geht es weniger um technische Details … im Mittelpunkt stehen strategische Aspekte und der Blick in die erfolgreiche Praxis.
Hier noch mal ein paar weiterführende Informationen:
Usability
Optimale Usability ist ein herausragendes Qualitätsmerkmal, stärkt die Kundenbindung und bewirkt damit, dass sich die Nutzer lange auf den Websites aufhalten und natürlich immer wieder kommen.
In diesem Seminar erlernen Sie Methoden, um mit einfachen und effektiven Maßnahmen die Usability Ihres Web-Angebots zu optimieren.
Online-Schreibwerkstatt
Kreatives und genaues Schreiben braucht System und Techniken. Diese werden im Workshop erlernt und getestet.
Barrierefrei und nutzerfreundlich. Dieser Workshop hilft Redakteuren, immer zielgruppengerecht und auf den Punkt zu schreiben.
Interview-Training: Wie sage ich es der Presse?
Sie erhalten regelmäßig Interview-Anfragen und wollen Ihre Botschaft richtig rüberbringen? Aber, das Statement darf nur wenige Sekunden dauern? Und die Frage des Journalisten trifft Sie auf dem falschen Fuß?
Trainieren Sie mit erfahrenen Journalisten, wie Sie seriös, unterhaltend und öffentlichkeitswirksam Interviews geben.
Und nicht dass wir uns da falsch verstehen … das war jetzt 100%-Eigenwerbung und um Teilnahme wird gebeten.
von Matthias Zellmer
Outlook: Fehlermeldung statt Hilfestellung

Seit Tagen nervt mich beim Start von Outlook die oben zu sehende Fehlermeldung. Leider habe ich das Problem, dass ich … dreisterweise … mehr als einen Termin in Outlook eingestellt habe. Genauer gesagt, hab ich die ganzen Termine, der ganzen Agentur in Outlook drin! Aber statt mir zu helfen, den fehlerhaften Termin zu finden, damit ich ihn dann korrigieren kann, weist mich Outlook unbeirrbar auf den fehlerhaften Termin hin. Eindeutig ein Fall aus der Kategorie: Usability-Desaster!!!
PS: Wenn mir jemand einen Tipp geben kann, wie ich den besagten Termin mit einem verhältnismäßigen Aufwand identifizieren kann … ich wäre sehr dankbar.
von Matthias Zellmer
Studie: Mobile muss es einfach sein

Eine Studie von IBM bestätigt wohl, was ich immer dann auch bemerke, wenn ich mit meinem Handy irgendwelche Internet-Dienste wie E-Mail oder das Web nutze: Dann muss es schlichtweg einfach funktionieren.
Zum einen weil es immer noch recht kostenintensiv ist, wenn man derzeit mobil ins Netz geht … was sich hoffentlich bald ändert … und zum anderen, weil es trotz iPhone und Co. noch kaum ganzheitlich überzeugende und alltagstaugliche Eingabemöglichkeit gibt, wenn man z.B. auf dem Heimweg in der S-Bahn mal schnell eine Mail schreiben möchte oder ein Bestellung in einem Online-Shop tätigen möchte.
Laut Digital:next gibt es jedoch noch ein weiteres Problem im Bezug auf mobile Endgeräte:
Ein großes Problem bei der Bereitstellung von Inhalten ist vor allem aber die Vielzahl an Betriebssystemen und unterschiedlichen Endgeräten, weil die Nutzer eine möglichst einfache Anwendung der Inhalte wünschen. Daher sollten künftig nicht mehr die Anforderungen des Geräts, sondern die Anforderungen des anzubietenden Dienstes im Mittelpunkt der Soft- und Hardware-Entwicklung stehen. Die wichtigsten Kriterien für die mobilen Märkte der Zukunft seien aber vor allem ein günstiger Zugang mit einem günstigen Endgerät.
Allgemein muss man aber sagen, dass das Web weiter von der recht eingleisigen Ausrichtung auf die Ein-und Ausgabe am Rechner mit Tastatur und Monitor weg kommen sollte bzw. muss. Hier hilft schon mal die strikte Einhaltung des Paradigmas von der Trennung von Layout, Verhalten und Inhalten. So können mobile Dienste auf den Inhalten aufsetzen und nicht nur angepasste Layouts anbieten, sondern auch eine angepasste Nutzungslogik. Insgesamt ist dies vor allem eine Herausforderung an die Menschen, die Informationssysteme konzipieren und entwickeln.
von Matthias Zellmer
Auflösungsabhängige Seitendarstellung
In Zeiten, da immer mehr von Unterwegs auf das Web zugegriffen wird, wird die Frage nach einer guten Darstellung von Webseiten auch auf kleineren Displays immer wichtiger. Schrift und Bilder gut skalierbar zu gestalten ist hier ein wichtiges und richtiges Mittel. Doch auch der Lösungsansatz, den The Man in Blue mit ihrer Beispielseite für eine auflösungsabhängige Seitendarstellung anbieten, finde ich bemerkenswert.
Bei Auflösungen über 800 Pixel Breite werden die Inhalte spaltenförmig und bei kleineren Auflösungen in Form von Zeilen dargestellt. Ein mehr als interessanter Weg sich dem Problem unterschiedlich Auflösungen zu stellen.
So … und nun einfach mal auf die Beispielseite zum Thema gehen, das Browser-Fenster klein und groß ziehen und den kleinen großen Effekt beobachten.
von Matthias Zellmer
netvibes Ginger – Kurzer Erfahrungsbericht
Seit ein paar Wochen nutze ich nun netvibes Ginger. Das ist die neue aktuelle Version der personalisierbaren Startseite netvibes. Ich hatte das Vergnügen Ginger schon vor der offiziellen Veröffentlichung am 04. März 2008 einrichten zu können. Auch wenn es nicht immer eine Freude war, da auch bei Ginger die üblichen Kinderkrankheiten nicht ausblieben.
Aber so langsam bekomme ich das Gefühl, dass Ginger recht stabil und auch rund läuft. Das optimierte Inhalte-hinzufügen-Menü macht Spaß und ist auch in seiner Funktionsweise für andere Web-Anwendungen interessant. Das auf Knopfdruck per Mausklick herausfahrende Menü erinnert mich an eine Desktop-Anwendung.
Leute, die bereits einen netvibes-Account besitzen, können nun wählen, ob sie weiterhin die Coriander-Edition oder die neue Ginger-Version nutzen wollen. Es ist allerdings davon auszugehen, dass nach dem vollständigen Abschluss der Umstellung auf die Ginger-Version dies die netvibes-Version sein wird, die Allen zur Verfügung steht. Unabhängig davon, ob diese bereits einen netvibes-Account besitzen oder nicht.
Die zentrale Neuerung von netvibes Ginger ist die Erweiterung der sozialen Komponente. netvibes-User können nun Freundschaften untereinander schließen, ihre Facebook, Twitter und Yahoo-Freunde importieren und die eigenen Aktivitäten genau so wie die anderer User über ein Activities-Widget verfolgen. Mit dem Release von Ginger bewegt sich netvibes klar in die Richtung eines sozialen Netzwerks.
Zudem stehen mit Ginger neue Themes zur Verfügung und auch das User-Interface wurde in vielen Punkten überarbeitet und erweitert. Neben von Usern erstellten Tabs existieren auch so genannte Universen. Bis zur Veröffentlichung der Ginger-Version waren Universen Tabs, die ausschließlich von Unternehmen, die in Partnerschaft mit netvibes stehen, herausgegeben und gepflegt wurden. Sie enthielten in der Regel eine Sammlung von Widgets zu einem bestimmten Themenbereich, der oftmals mit den Tätigkeiten des Unternehmens in Verbindung stand.
Seit dem Release von Ginger kann jeder User ein Universum erstellen, auf dem er beliebige Widgets anordnen kann. Dieses ist dann unter einer URL nach dem Muster www.netvibes.com/UserName für jedermann erreichbar. Universen sind eine öffentliche, spezielle Form von Tabs. Jeder User kann genau ein Universum erstellen und beliebig viele Universen anderer User als jeweils separaten Tab in sein netvibes einbinden.
Es ist abzuwarten, was die für Ginger angekündigten Verbesserungen bewirken werden. Auch abzuwarten bleibt, wie die User auf die neuen Community-Features reagieren und in welchem Umfang sie sie nutzen werden. Aber allgemein habe ich für mich das Gefühl, dass ich nun netvibes schon viel mehr als meine personalisierte Startseite einsetze; auch für die Arbeit. Das ist eine gute Entwicklung …
von Matthias Zellmer
Schuhe finden auf schuhe.de …
… ist gar nicht so einfach. Denn schuhe.de bietet Navigationspunkte an, die Suchen statt zu Filtern. Ein kleiner, feiner Unterschied, der zu einem sehr unbefriedigendem Ergebnis führen kann:

Klickt man z.B. im Navigationsmenü auf den Punkt “Herren” so bekommt zu folgender Ergebnisseite:

Nicht schön, aber okay. Wenn ich aber jetzt z.B. auf “Geox” klicke, dann kommt etwas sehr Unerwartetes:

Nun kommt man auf eine fast leere Seite, die einen auffordert, die mehr als 20 Treffer noch mal einzuschränken. Leider ohne dass die Möglichkeit geboten wird, dies zu tun.
Was ist hier passiert? Wie zu Beginn erwähnt, haben die Macher von schuhe.de scheinbar die gute Idee gehabt, dass der User durch eine allmähliche Einschränkung sein Wunschschuh herausfiltern kann. Doch haben sie dabei eine Barriere eingebaut: Eine Trefferliste mit mehr als 20 Produkte, muss noch mal durch den User eingeschränkt werden. Leider haben sie dabei nicht bedacht, dass wenn am Ende der Einschränkungsmöglichkeiten mehr als 20 Treffer gefunden werden, diese trotzdem einfach darzustellen. Ein Phänomen, welches man reichlich von Suchergebnis-Listen aus dem Web1.0 kennt.
Alles in Allem: Gut gemeint, aber vor allem im Bezug auf die Usability schlecht umgesetzt. Man darf seinen User niemals irgendwann in eine Sackgasse laufen lassen.
von Matthias Zellmer





