Infografik: Die Anatomie einer perfekten Website

Drüben im Hubze-Blog hat Scott Ayres die Infografik The anatomy of a perfect website von R.O.I.Media geposted. Ein gelungene Ansammlung und Gegenüberstellung von ganz verschiedenen Aspekten der Website-Produktion.

Wer übrigens solche Infografiken ähnlich gerne mag, wie ich, kann ja auch mal das Pinterest-Board Marketing & Social Media von Priit Kallas abonnieren … darüber bin ich nämlich auf diese Grafik gekommen.

Seiten-Preview-Leiste bei Tchibo

Gerade bin ich über ux·zentrisch auf eine interessante Art aufmerksam geworden, wie man die Navigation von großen, also langen Seiten, für den User übersichtlicher machen und ihn dadurch unterstützen kann: mit einer Seiten-Preview-Leiste.

Tchibo setzt eine solche Leiste in ihrem Online-Shop ein. Scrollt man dort aus dem sichtbaren Bereich heraus, so erscheint auf der rechten Seite eine Leiste mit einem Positionsrahmen, ähnlich wie man ihn von den Drei-Monatskalendern kennt, wie er in vielen Büros seit Jahrzehnten zu finden ist. Dies Positionsrahmen kann man auch zum scrollen verwenden und auf der Leiste kann man grob erahnen, wo ein gesuchtes Produkt sein könnte. Dies ist auch interessant, da Tchibo ihre Seite jede Woche, entsprechend der ebenfalls in diesem Rhythmus wechselnden Themenwelt, neu gestaltet und sich der User in jeder Woche dort neu orientieren muss.

Auf ux·zentrisch hat Martin Gude in diesem Artikel auch darauf hingewiesen, dass Googles What do you love? auf der linken Seite eine vergleichbare Funktion nutzt … jedoch ohne Vorschau.

Project Rimino: Ideenfilm über Mobile Experience

Im Project Rimino geht es um ein Konzept für ein mobiles Endgerät, dass mehr ein E-Paper als ein Smartphone ist. Der gut gemachte Film von Amid Moradganjeh zeigt schöne Ideen aus dem Bereich der mobilen User Experience, d.h. vom digitalen Unterwegssein.

Meiner Ansicht nach ein durchaus richtiger Ansatz, da sich doch immer mehr zeigt, dass die mobile Telefonie wirklich nur einen (kleinen?) Teil des digitalen Unterwegsseins ausmacht.

— via user-experience-blog.de

Lesetipps: Drei Artikel um den User zu erfreuen

Um Ostern herum sind bei mir im RSS-Reader mal wieder einige Artikel aufgelaufen. Darum habe ich mir heute morgen mal wieder etwas Zeit genommen, um auf den aktuellen Stand zu kommen. Dabei sind mir u.a. drei interessante Artikel aufgefallen, die ich mal großzügig in die inhaltliche Schublade “User friendly” stecken würde.

Auf ux·zentrisch habe ich den Beitrag 7 Best Practices-Regeln für die Renaissance der OnePage-Websites von Tobias Jordans mit großem Interesse gelesen. Er beschäftigt mit dem Phänomen der Einseiten-Websites und worauf bei deren Erschaffung zu achten ist.

Anne-Kathrin Merz hat sich auf ihrem Blog medamind mit dem Themenkomplex beschäftigt, dass der User trotz vermeintlich bester Instruktionstexte die Website einfach nicht verstehen will bzw. sie schlichtweg falsch benutzt. In solchen Fällen spricht der Experte gerne mal vom DAU … dem Dümmsten Anzunehmenden User. Doch Anne-Kathrin Merz kontert: Es hat mit Intelligenz nichts zu tun.

Ein eher exotisch anmutendes Thema beschreibt Ulf Schubert im User Experience Blog, indem er wiedergibt, welche Erfahrungen mit Usability Testing Katrin Proschek (Georg-Simon-Ohm Hochschule Nürnberg) in Äthiopien gemacht hat. Sie hat diese in einem Vortrag auf dem UX Stammtisch Franken vorgestellt.

User Experience und Spaß

User Experience Designer und Spiele-Erforscher Sebastian Deterding hat sich auf dem World Usability Day 2009 in Hamburg dem Thema Gaming it: Was User Experience Designer von Game Designern lernen können angenommen.

Besonders interessant an seinem Vortrag ist, dass er darin aufzeigt, warum das Spielen für uns Menschen so wichtig ist, dann aber auch kritisch beleuchtet, warum es für UX Designer nicht ganz so einfach ist, bei der Gestaltung z.B. von Informations- oder Arbeitssystemen einen spielerischen Ansatz zu wählen. Nichtsdestotrotz zeigt Deterding schlussendlich doch auf, wie und was, alle die in irgendeiner Form mit der Gestaltung und Entwicklung von grafischen Benutzeroberflächen zu tun haben (und da zähle ich Website definitv dazu), von den Game Designern lernen können.

Noch ein kleiner Hinweis zu den Folien: Am unteren Rand kann man den Vortragstext mitlesen.

Reduziertes Nutzungskonzept beim Künstler Teo Skaffa

I’m Teo Skaffa and I like to draw cats. I also like my beard. So yeah …

Das ist, was man über Teo Skaffa auf seiner Website erfährt. Weiter gibt es darauf aber noch einiges zu entdecken. Neben den Katzenbildern, der extrem pixeligen Textdarstellung, vor allem ein interessantes Website-Nutzungskonzept.

Ich empfinde es als so interessant, da es so reduziert ist. Im Kern sind es folgende Elemente, die auf der Website genutzt werden:

Leider ist die Website komplett in Flash umgesetzt. Aber nachdem was ich am Montag hier gepostet habe, ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis solche Website auf Basis von HTML/CSS/JavaScript auftauchen … bzw. entdeckt werden.

Web-Interface-Regel: Lass sie es vor Ort tun

target

Aus der Historie des World Wide Webs ist es gar nicht so selbstverständlich, dass man User etwas genau dort erledigen lässt, wo es vom Kontext her sinnvoll ist. Doch mit dem Selbstverständnis, das mit dem Web2.0 Einzug hielt, ist dies jedoch immer üblicher geworden. Aber machen wir es mal an einem konkreten Beispiel fest.

Will man bei Twitter seine Mail-Adresse ändern, möchte Twitter, dass man dies mit der Eingabe seiner Mail-Adresse bestätigt. Dazu muss man in den Settings-Bereich bei seinem Twitter-Account gehen. Ausschnittsweise sieht das dann so aus:

twittersettings1

Um nun die Mail-Adresse zu ändern, klickt man in das entsprechende Feld. Daraufhin öffnet sich direkt darunter das Feld, das die bestätigende Eingabe des Passworts einfordert:

twittersettings2

Nach der Änderung der Mail-Adresse und der Eingabe des Passworts, können dann die geänderten Einstellungen gespeichert werden.

Diese Vorgehensweise hat Vorteile gegenüber anderen Lösungen. So weiß der Nutzer immer, was gerade Sache ist. Denn will er zum Beispiel seine Zeitzone oder seine eingetragene Website ändern, verlangt Twitter dazu nicht die Eingabe des Passworts. Auch könnte Twitter sich die Mail-Adressen-Änderung in einem weiteren Schritt bestätigen lassen. Hat der Nutzer aber gerade sein Passwort nicht zur Hand, so muss er den Vorgang abbrechen. Kein großes Drama, aber die sind nur all zu oft nicht nötig, um einen Nutzer zu vergraulen. Und wenn man nicht Twitter ist, und keine so exponierte Stellung unter seinen Wettbewerbern hat, sind es oft gerade diese Kleinigkeiten, die die Nutzerzufriedenheit und somit seine Treue festigen.

CrunchPad gescheitert

crunchpad

Im Juli 2008 schrieb Michael Arrington von TechCrunch einen Beitrag, in dem er sich einen Tablet-Computer wünscht, der sich per TouchScreen bedienen lässt und der vornehmlich zum Surfen im Web dienen soll. Seit diesem Beitrag haben wir mehr oder weniger vollständig die Entwicklung des CrunchPads verfolgt.
Im gleichen Beitrag rief Arrington die Entwicklergemeinde und Firmen auf, sich bei ihm zu melden, wenn Interesse daran bestünde, an der Umsetzung eines solchen Geräts mitzuarbeiten. Wichtig waren Arrington von Anfang an ein günstiger Anschaffungspreis (anfangs 200$, später 300$) und dass das Gerät so weit wie irgend möglich Open-Source ist.

In den letzen eineinhalb Jahren wurde aus der ersten Idee ein Gerät, dessen Hardware und User-Interface sich laut Arrington wirklich sehen lassen konnten und das ersten Test-Nutzer wirklich Freude zu bereiten schien. Für den 20.November war die Einführung des CrunchPads geplant, die Massenproduktion sollte 2010 beginnen.
Eine Vielzahl von Kooperationspartner wie zum Beispiel Intel unterstützen das Projekt, um einen günstigen Anschaffungspreis zu ermöglichen und dem TechCrunch-Team den Vertrieb des CrunchPads so einfach wie möglich zu machen.

Am 17.November wurde dann das vorläufige Ende des CrunchPads besiegelt: Die Partner-Firma Fusion Garage, die schließlich die Hardware-Entwicklung übernommen hatte, benachrichtigte TechCrunch, dass die Anteilseigner der Firma beschlossen hätten, das Gerät ohne weitere Beteiligung von TechCrunch vertreiben zu wollen.
Aber sowohl das geistige Eigentum am CrunchPad, wie auch die Marke CrunchPad gehören TechCrunch. Doch dies reicht scheinbar rechtlich nicht aus, um das Gerät seitens TechCrunch mit einem anderen Partner weiter produzieren zu dürfen. Ebenso wenig gestattet es die rechtliche Lage wohl (zum Glück) Fusion Garage, das CrunchPad ohne Einwilligung von TechCrunch weiter zu produzieren.

In seinem Beitrag zum Scheitern des CrunchPads bringt Arrington immer wieder seine Enttäuschung und Trauer darüber zum Ausdruck, dass ein Projekt, für das sich so viele unterschiedliche Partner ohne Profitgedanken eingebracht und begeistert haben, an den (ich nehme doch einmal stark an monetären) Bestrebungen der Anteilseigner von Fusion Garage scheitert.
Und das sehe ich ganz genauso wie er!

iA nennt es: 100% Easy-2-Read

iA_100e2r

Die international tätige Web-Agentur iA gehört sicher zu den innovativsten Läden was unsere Branche zu bieten hat. Kürzlich haben die Information Architects den Auftritt der ZEIT neu gestaltet und wenn sie die neuste Version ihrer Web Trends Map präsentieren, geht dies auch regelmäßig durch die Blogs der Welt.

Und schon 2006 haben sie in einem Artikel 100% Easy-2-Read veröffentlicht … abgekürzt: 100e2r. Von seiner Aktualität hat dieser Beitrag aber nichts verloren.

Bei 100e2r handelt es sich um einige Dos and Don’ts im Bezug auf die Darstellung von Inhalten auf einer Website. Die iA kritisieren, dass nur all zu oft auf einer Webseite zu viele Inhalte auf zu engen Raum gepackt werden.

Stichpunktartig ihre Kritikpunkte:

  • Don’t tell us to adjust the font size
  • Don’t tell us busy pages look better
  • Don’t tell us scrolling is bad
  • Don’t tell us text is not important
  • Don’t tell us to get glasses

Als Folge darauf … Fünf einfache Richtlinien:

  1. Standard font size for long texts
  2. Active white space
  3. Reader friendly line height
  4. Clear color contrast
  5. No text in images

Die oben aufgeführten Punkte werden auf der Beitragsseite näher erläutert. Eine kurzweilige und lehrreiche Lektüre für alle, die in irgendeiner Form mit der Gestaltung einer Website zu tun haben … ob visuell oder non-visuell.

Große Wahlfreiheit lähmt und macht unglücklich

Die Menschen vor allem in den industrialisierten, westlichen Gesellschaften haben eine ganz besondere Freiheit: Die Freiheit zu Wählen. Und damit ist nicht nur die Stimmabgabe bei einer Parlamentswahl gemeint, sondern auch die alltäglichen Wahlmöglichkeiten zum Beispiel beim Einkaufen von Pasta im Supermarkt oder beim Kauf einer Hose. Der Psychologe Barry Schwartz ist nun der Ansicht, dass uns diese Wahlfreiheit nicht freier und glücklicher gemacht hat, sondern sie lähmt uns und macht und unzufrieden.

Dies ist eine wichtige Erkenntnis, wie ich finde. Auch bei Software-Systemen wie Textverarbeitungsprogrammen oder Websites kann es sein, dass wenn man zu viele Nutzungsmöglichkeiten hat, man sich erschlagen fühlt und statt einen Forschungsdrang zu entwickeln, verharren wir nur all zu gerne und lassen dann auch mal gerne unserem Ärger freien lauf.

So bin ich mir ziemlich sicher, dass die meisten Problem, die Menschen bei der Nutzung von Microsofts Word haben, grundsätzlich zu vermeiden wären. Aber die schiere Vielfalt der Funktionen von Word lässt uns all zu oft den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Ein Gegenbeispiel ist Googles Suchmaske. Und auch wenn die Google-Suche nach und nach mit immer mehr Funktionen ausgestattet wird, die simple Kern-Optik wird nur wenig verändert. Alles andere wäre im Sinne von Barry Schwartz’ Ausführungen zu gefährlich.

Für uns, die wir Websites gestalten, kann das nur bedeuten, dass wir unseren Nutzern immer wirklich nur die Funktionen zur Auswahl stellen sollten, die sie wirklich unbedingt brauchen. Für alles andere müssen wir unseren Nutzern die Entscheidung abnehmen oder, so wie Google, uns immer wieder was einfallen lassen, wie wir die weniger gebrauchten Funktionen gekonnt vor den nicht so versierten Nutzern verstecken.

Dies war übrigens auch ein Beitrag zum Thema User Experience. Usability-Experten sollten jetzt bitte erst mal tief durchatmen … vielleicht während sie sich den wunderbaren Vortrag von Barry Schwartz ansehen.

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